Mal auf dem Bauch, mal auf den Knien oder auf allen Vieren: In einem selbst konzipierten Rollenanzug stürzt sich Extremsportler Jean Yves Blondeau Serpentinen und Betonröhren hinunter - mit 116 km/h.

Nicht zu bremsen: Jean Yves Blondeau in seinem selbst konzipierten Rollenanzug.© stern TV
Wo immer der Mann in seinem kosmischen Anzug auftaucht, sorgt er für staunende Augen, manchmal für Entsetzen, meistens aber für Begeisterung. Darin ein Mensch aus Fleisch und Blut: Jean Yves Blondeau. Seit das Rad erfunden wurde denken sich Menschen neue Wege aus, sich darauf fortzubewegen. So auch Blondeau: Die Idee entstand im Rahmen der Abschlussarbeit seines Wirtschaftsdesign-Studiums. Damals baute der Franzose seinen ersten Anzug. "Der tat aber überall weh und hatte ein schlechtes Fahrgefühl", erinnert sich Blondeau.
Seit nun fast zwei Jahrzehnten tüftelt er weiter. Die Grundausstattung ist dabei immer dieselbe: Skates, Schienbeinpanzerung, Hüft-, Arm- und Schulterprotektor, Brustpanzer und Helm. Inzwischen hat er bereits mehrere Generationen Rolleranzüge konzipiert und immer weiter verbessert. Die Ideen gehen dem diplomierten Industrie-Designer noch lange nicht aus: "Bis zum Ende der Idee gehen, das ist der Punkt.", sagt Blondeau. Jeder Anzug ist eine Spezialanfertigung, die mehrere Monate in Anspruch nimmt. "Jedes Mal mache ich eine kleine Modifikation, das ist das Resultat von Jahren", erklärt der 42-Jährige zu seinem neuesten Modell. Immer wieder etwas anders sind Farbe, Material und die einzeln gefertigten Teile aus Carbon. Auch die Zahl der Inliner-ähnlichen Rollen variiert. Der Effekt: Die Anzüge werden immer schnittiger, komfortabler, aber auch sicherer - und schneller. Seine Aktionen immer waghalsiger. Sein Körper, der Anzug und circa 30 Rollen – so stürzt sich Jean Yves Blondeau kopfüber nach vorn Serpentinenstraßen und Betonröhren hinab. Sein bisheriger Geschwindigkeitsrekord: 116 Stundenkilometer.
Für stern TV hat er versucht so schnell zu werden wie nie zuvor – will seinen bisherigen Geschwindigkeitsrekord von 116 km/h brechen. Bäuchlings. Nur wenige Zentimeter werden seinen Körper bei über Hundert Stundenkilometern vom Asphalt trennen. Ein GPS-System misst die Geschwindigkeit, als er sich Hals über Kopf die Straße mit 13 Prozent Gefälle hinunter stürzt. Bremsen hat der Rollenanzug nicht. Höchste Körperanspannung für die perfekte Fahrlinie. Schon nach Dreiviertel der Strecke knackt er seinen alten Rekord, kurz vor der Auslaufzone erreicht der Mann auf seinen winzigen Rollen den neuen Rekord von 126 km/h! So schnell - damit hätte er nicht gerechnet: "Das ist meine Goldmedaille, ich habe keine Olympischen Spiele, das ist mein Gold." Es sind diese Momente, die Jean Yves Blondeau so sehr faszinieren. Er sagt, der Anzug macht aus ihm einen anderen Menschen. "Ich denke du bist verrückt, wenn du nicht tun kannst, was du liebst. Ich tue, was ich liebe", sagt der waghalsige Kurvenstar.
Doch Jean Yves Blondeau geht es nicht allein um Geschwindigkeit. Zu seiner Figur, dem Rollermann, hat er einen eigenen Sport erfunden: "buggy rollin". Die über den ganzen Körper verteilten, strategisch angeordneten Rollen ermöglichen ihm eine Reihe an Positionen: im Stehen, auf Knien, auch auf dem Rücken. Teils schießt er sogar über eine Rampe in die Luft - und landet wieder auf den Rollen. Nicht umsonst wird er in den USA die "menschliche Rakete" genannt. Und in Asien ist er damit längst ein Star. Seit er vor zehn Jahren mehrmals täglich in einem TV-Spot zu sehen war, hat er in Südkorea regelmäßig Auftritte als Straßenkünstler oder auf großen Bühnen. Selbst der chinesischen Action-Superstar Jackie Chan wollte den Rollenanzug für seinen neuen Kinofilm haben. "Die Geschichte ist cool, die Action ist cool. Der Movie wird erfolgreich", sagt Blondeau. "Die nächste Frage: Wird es erfolgreich für mich?" Einen Ansatz dafür hat er zumindest: Seinen Rollenanzug will er demnächst in Serie produzieren - und andere Rollermenschen mit dem "buggy rollin"-Virus infizieren.