Sie stammen aus osteuropäischen Zuchtfarmen, sind oft krank und kaum überlebensfähig: Rund 500.000 Welpen werden jährlich illegal nach Deutschland geschmuggelt.

Trauriges Dasein: Hundewelpen, die illegal verkauft werden sollen© stern TV
Es sind schockierende Bilder, die die Polizei bei einer Razzia in Polen zu sehen bekommt: Auf dem Hof eines Hundezüchters beschlagnahmen die Beamten 100 Muttertiere und ihre Welpen, die zum Teil bis auf die Knochen abgemagert sind. In Containern vegetieren die Hunde dort vor sich hin - zwischen Kot, Urin und sogar toten Tieren. Zu fressen gibt es verschimmeltes Brot oder Pferdeknochen.
Ein Einzelfall sei das nicht, sagt der polnische Tierschützer Grzegorz Bielawski im Gespräch mit stern TV: "Solche Züchter finden Sie in fast jedem Dorf - gut versteckt. Die Hunde werden in Schweine- oder Kuhställen gezüchtet. Das bemerkt man nicht, weil sie sich nicht trauen, zu bellen." Und selbst wenn die Züchter auffliegen, komme es selten zu einer Verurteilung. Denn: "Sie alle behaupten, dass den Hunden nichts Unrechtes getan wurde", sagt Bielawski. "Die sehen keine Schuld in ihrem Verhalten."
Die Welpen, die unter katastrophalen Umständen in Polen gezüchtet werden, sind vor allem für den deutschen Markt bestimmt. Jedes Jahr werden 500.000 Rassehunde und Mischlinge nach Deutschland gebracht - und zu Schleuderpreisen auf Märkten, über Kleinanzeigen oder im Internet verkauft. Während Rassehunde bei einem Züchter oft mehr als 1000 Euro kosten, gibt es den "Ostimport" schon für etwa 150 Euro.
Woher die Hunde stammen und unter welchen Umständen sie womöglich die ersten Wochen ihres Lebens verbracht haben, weiß niemand. Die Unterhändler finden die Tiere vor allem auf illegalen Hundemärkten im Ausland: Dort gebe es reinrassige Welpen bereits ab 30 Euro, sagt die deutsche Tierschützerin Ursula Bauer. Wie auf dem Strich würden die Tiere dort angeboten. Und: Man könne jede beliebige Rasse in großer Stückzahl kaufen.
Dass die Tiere, die zum Schnäppchenpreis angeboten werden, häufig krank sind, daran denken viele Käufer beim Anblick der winselnden Welpen nicht. Doch die Freude an dem neuen Haustier währt dann oft nicht lange. Denn die illegal nach Deutschland geschmuggelten Hunde sterben oft bereits nach wenigen Wochen.
Tierschützer Grzegorz Bielawski will mit seinem Verein deshalb weiter gegen die illegalen Züchter kämpfen. Erst kürzlich hat er 60 Tiere von einem Hof befreit. Dem Pseudo-Züchter in Polen wird zwar der Prozess gemacht, ob die Tierschützer ihn gewinnen, ist aber fraglich: "Wenn nicht, dann müssten wir die Hunde dem Züchter wieder zurückgeben. Was wir aber nicht tun werden, definitiv nicht. Auch wenn wir dafür wegen Diebstahl bestraft werden sollten."
Tipps für den Hundekauf Wie erkennt man illegal nach Deutschland geschmuggelte Hunde?
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn:
- der Händler sich als "Hobbyzüchter" ausgibt,
- der Besitzer den Welpen an einem wenig Vertrauen erweckenden Ort (an einer Autobahnraststätte oder in einem Hinterhof) übergeben will,
- Sie als Käufer die Mutter des Welpen nicht zu Gesicht bekommen,
- die Welpen beim Verkauf jünger als acht Wochen alt sind,
- der Händler mehrere Hunderassen im Angebot hat und alles "besorgen" kann.