Schmuckankäufer im Ehrlichkeitstest

17. Juli 2013, 22:15 Uhr

Eine alte Dame will ihren wertvollen Schmuck zu Geld machen. Soweit die Legende für einen Test mit versteckter Kamera. Welcher Schmuckankäufer ist seriös? Und wer will einfach abzocken?

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Erkennt der Schmuckankäufer den Wert des echten Smaragd? stern TV hat es getestet.©

Evelyn ist 82 Jahre alt. Sie möchte ihre Enkel noch einem reich beschenken. Deshalb will die alte Dame ihr wertvolles Geschmeide verkaufen, das sie im Laufe des Lebens von ihren Verehrern bekommen hat. Da sie mittlerweile schlecht zu Fuß ist, bestellt sie sich Juweliere und Ankäufer nach Hause. Soweit die Legende des stern TV-Test.

In Zeitungsanzeigen und im Internet sucht Evelyn nach seriösen Schmuckankäufern. Hunderte Händler bieten dafür ihre Dienste an. Doch: Wer macht einen fairen Preis? Welcher Ankäufer hat überhaupt Ahnung von Gold, Edelsteinen und Schmuck? Und wer will die 82-Jährige einfach abzocken? In der stern TV-Testwohnung beobachten wir die Schmuckankäufer mit versteckter Kamera. Die Berliner Juwelierin Claudia Fauth ist Expertin für Schmuck und Juwelen des 20. Jahrhunderts. Evelyn hat 13 Schmuckstücke – vom massiv goldenen Krokodilarmreif über einen Anhänger mit einem echten Smaragd und einer diamantenbesetzten Brosche bis hin zum Weißgoldring mit über 200 Brillanten. "Wir haben hier etliche signierte Schmuckstücke, Sammlerschmuckstücke und ein fairer Händler sollte dafür insgesamt mindestens 18.000 Euro bieten“, so Claudia Fauth. Das wäre der so genannte Händlerankaufspreis. Der Weiterverkaufswert läge laut Expertin etwa doppelt so hoch.

Testergebnis: Eine Herde schwarzer Schafe

Zu Evelyn kamen sechs Schmuckankäufer. Claudia Fauth bewertete hinter den Kulissen das Auftreten der Händler. Sie zum Hausbesuch zu überreden war kaum ein Problem. Die meisten wollen einen solchen Deal schnell abwickeln, nach 20 bis 50 Minuten machten sie ein konkretes Angebot. Dabei sind vier der sechs Ankäufer durchgefallen, teilweise waren ihre Schätzungen schlichtweg eine Frechheit. Ein Ankäufer zeigte sich besonders aggressiv und inkompetent: Nur mit einer Lupe ausgestattet, war er nicht im Stande Silber von Gold zu unterscheiden. Zudem erkannte er keinen einzigen Edelstein. Obwohl der Mann offenbar keine Ahnung hatte, was vor ihm liegt, macht er der alten Dame nach nur zehn Minuten ein Angebot für alle 13 Schmuckstücke: "Die meisten würden das einfach nur auf die Waage legen und für alles 300 Euro bieten. Ich zahle Ihnen 800! Das ist wirklich fair berechnet." Für Evelyns gesamten Schmuck im Wert von 18.000 Euro.

Zwei Händlerpaare erkannten zwar die Edelsteine, beide werteten die Steine aber ab, indem sie behaupteten, es handle sich um andere, billigere Steine. Für den 3.000 Euro teuren Smaragd boten sie maximal 100 Euro. Zudem stellten sie sich noch als Gutmenschen dar und wollten den Smaragd nur Evelyn zuliebe kaufen. Denn er habe ja keinen Wert. Ihr Gesamtgebot betrug lediglich 20 Prozent dessen, was sie hätten bieten müssen. Ein anderer Händler hatte es klar auf das Gold abgesehen. Das bewertete er einigermaßen fair. Für die Edelsteine hingegen wollte er nichts bezahlen, sie aber dennoch mitnehmen.

Testsieger: Ein weißes Schaf

Der einzige Schmuckankäufer der beim Test überzeugte, wirbt nicht explizit mit Schmuckankäufen. Die Redaktion hat ihn eher zufällig im Internet ausfindig gemacht. Der gelernte Goldschmied begutachtete die Schmuckstücke entsprechend ausgerüstet und genau. "Er schleimt sich nicht bei der Verkäuferin ein, sondern er geht auf die Schmuckstücke ein", so Claudia Fauth hinter den Kulissen. "Er sieht richtig die schöne Verarbeitung, die ungewöhnlichen Sachen und bemerkt das auch." Doch nicht allein die Würdigung der Schmuckstücke überzeugte die Expertin. Er wollte einen fairen Goldpreis bezahlen und gab offen zu, dass er die Edelsteine nicht genau erkenne. Deshalb wolle er diese separat prüfen lassen, um ein Angebot abzugeben. Insgesamt erkannte er den Wert der Schmuckstücke und bot mit Abstand am meisten für den Schmuck, den er kaufen wollte. Ein weißes Schaf in einer Herde von vielen schwarzen Schafen.

Fazit des stern TV-Test: Wer einem Schmuckankäufer blind vertraut, wird häufig übers Ohr gehauen. Von sechs getesteten Händlern hat nur ein Einziger ein akzeptables Angebot gemacht. Die Offerten aller andern Schmuckankäufer waren absolut indiskutabel. Wie Sie Ihre Schmuckstücke dennoch schätzen lassen können und worauf Sie dabei achten sollten – dabei helfen Ihnen diese Tipps.

Kleine Schmuckkunde Das wertvollste Edelmetall im Schmuckbereich ist Platin, gefolgt von Gold und Silber. Entscheidend ist der Reinheitsgrad, die Legierung. Experten prüfen das mittels einer Säure. Jedes „echte“ Schmuckstück hat zudem eine entsprechende Prägung. Beispiel: Gold mit einer 750er Prägung besteht ¾ (750/1000stel) aus reinem Gold. 833er zu 833/1000tel. Das reinste Gold, Feingold, ist 999er. Der Reinheitsgrad nennt sich auch Karat, ein 12er-System: Feingold 999er ist 24 Karat Gold. 750er Gold sind 18 Karat. 500er Gold, was es in dieser Legierung kaum gibt, wären 12 Karat 333er Gold sind 8 Karat.

Karat ist nicht Karat
Nicht zu verwechseln sind die Gold-Karat mit dem "metrischen" Karat bei Edelsteinen. Denn hier bezeichnet Karat das Gewicht des Steines. 1 Karat entspricht 0,2 Gramm. Entscheidend bei Edelsteinen ist aber nicht nur das Gewicht, sondern die Farbe und Reinheit.

Weitere Hinweise zu Bewertung und Verkauf von Schmuckstücken finden Sie hier.

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