Andrea Scherer will für ihre Familie sechs Pakete Karotten zum Sonderpreis kaufen. Der Discounter verbietet es ihr: Es sei keine "haushaltsübliche Menge". Dürfen Händler solche Einschränkungen machen?

Für viele Sonderangebote gilt: Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen. Doch wie viel ist das?© DPA / Oliver Berg
Große Bilder, kleine Preise: In ihren Werbeprospekten mit den Sonderangeboten werben die Supermärkte um die Kundschaft. Andrea Scherer plant hiermit, was es für die siebenköpfige Familie in der kommenden Woche zu Essen gibt. Sie hat für Lebensmittel und Hygieneartikel im Monat nicht mehr als 800 Euro zur Verfügung.
Bei einem Discounter wollen die Scherers Mohrrüben kaufen, die gerade im Angebot sind. Es soll Möhreneintopf geben. Sechs Beutel packen sie für die geplante Neun-Personen-Mahlzeit in ihren Einkaufswagen. Die Überraschung folgt an der Kasse: Sechs Beutel überschritten die haushaltsübliche Menge und dürften deshalb nicht verkauft werden, teilte die Kassiererin der verblüfften Familie mit. Der Filialleiter wurde gerufen – doch der bestätigte: Sechs Beutel seien zu viel, nur zwei dürfe die Familie mitnehmen. Andere Kunden mischten sich ein und ergriffen für die Familie Partei. Doch die Familie wurde schließlich, ohne Karotten, aus dem Geschäft geworfen. "Ich kaufe keine großen Mengen, dass ich sie irgendwo wochenlang lagere, sondern ich kaufe das, was wir normal zum Essen brauchen", sagt die Mutter von sechs Kindern. Es folgte dennoch ein Happy-End auf dem Parkplatz. Andere Kunden schenkten den Scherers Karotten, damit aus der Suppe trotzdem etwas wurde.
Seit diesem Vorfall versucht Andrea Scherer zu klären, was denn eine „haushaltsübliche Menge“ ist. Angaben hierzu sind neben dem kleingedruckten Hinweis auf den Prospekten nicht zu finden. Können die Händler Kunden vorschreiben, wie viel sie kaufen dürfen? Und wie tolerant zeigen sich Supermarktmitarbeiter, wenn ein Kunde gleich den Inhalt ganzer Regale in den Einkaufswagen packt? stern TV-Reporter Hinrich Lührssen hat das im Selbsttest hinterfragt. In verschiedenen Supermärkten und Discountern kaufte er Kistenweise Mineralwasser im Angebot, zig Kartons Eier oder räumte gleich das ganze Regal mit dem Kaffee zum Sonderangebot von 2,99 Euro leer. Auch in diesem Fall macht der Filialleiter einen Strich durch die Rechnung: "Nur haushaltsübliche Mengen", heißt es auch hier. Und zwar, weil der Filialleiter das so bestimme!
Fazit des Tests: In fünf von zehn Märkten gab es Streit wegen der haushaltsüblichen Menge. Manchmal half das Personal allerdings sogar beim Abräumen der Sonderangebote. Das Ermessen, wie viel eine "haushaltsübliche Menge" ist, unterscheidet sich offenbar von Supermarkt zu Supermarkt und ist letztendlich eine Entscheidung des Filialleiters.
Wo Andrea Scherer für ihre Großfamilie künftig einkauft, dabei kann sie sich offenbar nicht allein nach den Sonderangeboten richten. Fürs Erste haben die Scherers nun die Vorräte aus dem stern TV-Testkauf. Denn die müssen weiterhin damit rechnen, dass sie nicht so viel einkaufen dürfen, wie sie eigentlich brauchen.