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9. Januar 2013, 22:15 Uhr

Billigstrom könnte teuer werden

Teure Elektrizität: Unzählige Kunden beziehen den Strom bereits von Billiganbietern. Einige Stromlieferanten stehen jedoch in der Kritik, Verbraucher abzuzocken oder gar insolvent zu sein. Stimmt das?

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Teure Elektrizität: Unzählige Kunden setzen inzwischen auf den günstigen Strom von Billiganbietern. Ob sie am Ende sparen, ist fraglich.©

Dass Strom sich immer weiter verteuern wird, ist bei Verbrauchern längst angekommen. Einige können sich die Elektrizität kaum noch leisten. Und zum Jahreswechsel hatten rund 600 Versorger weitere Preiserhöhungen angekündigt. Kein Wunder, dass Billigstromanbieter seit einiger Zeit Hochkonjunktur haben und am Markt stark wachsen konnten. Mit vermeintlichen Billigtarifen und Bonuszahlungen locken die Strom-Discounter unzählige Kunden an. Allein Marktführer Flexstrom hat inzwischen rund 600.000 Kunden, einschließlich der Tochtergesellschaft Löwenzahn-Energie.

Doch ob die Kunden bei den Stromlieferanten mit den Billigtarifen am Ende sparen, ist noch fraglich. Derweil häufen sich Beschwerden über Flexstrom, Extra Energie, Hitstrom und andere. Zahlreiche Zuschauer haben sich mit ihren Nöten an stern TV gewandt. Die Vorwürfe sind immer die gleichen, vielfach geht es um einbehaltene Bonuszahlungen oder versteckte Preiserhöhungen.

Intransparente Klauseln sorgen für Ärger

Auch Raphaela K. fühlt sich betrogen. Sie hatte ab November 2010 einen Vertrag mit Flexstrom abgeschlossen: 3000 Kilowattstunden für nur 537 Euro, abzüglich eines Neukundenbonus von 145 Euro. Den soll sie nach einem Jahr gezahlt bekommen. Zwölf Monate Strom für 392 Euro - ein günstiges Angebot! Doch dann die Ernüchterung: Schon nach der ersten Jahresabrechnung verdoppelte sich der Beitrag für das zweite Jahr nahezu – auf 900 Euro. Also kündigte Raphaela K. fristgerecht zum 31.10.2011 und erwartete, wie angekündigt, die Auszahlung des Neukundenbonus. Doch Flexstrom zahlt bisher nicht und verweist stattdessen auf seine AGB, in denen steht: "Falls Ihnen FlexStrom einmalig einen Bonus als Neukunde gewährt, wird dieser nach 12 Monaten Belieferungszeit fällig und spätestens mit der 1. Jahresrechnung verrechnet." Und weiter: "Der Bonus entfällt bei Kündigung innerhalb des ersten Belieferungsjahres, es sei denn, die Kündigung wird erst nach Ablauf des 1. Belieferungsjahres wirksam."

Raphaela K. kann sich nur wundern – und ärgern: "Für mich war immer klar, am Jahresende wird der Abschlussbonus ausgezahlt." Denn: Sie wurde immerhin ein Jahr lang beliefert. Das bestätigt auch die Schlichtungsstelle Energie, an die sich die Frau hilfesuchend wandte. Doch Flexstrom akzeptiert den Schiedsspruch der Schlichtungsstelle nicht – aus gutem Grund, wie Unternehmenssprecher Dirk Hempel rechtfertigt: "Die Klausel ist verständlich. Über 150 Urteile zu unseren Gunsten, die sagen, die Klausel ist verständlich, deshalb können wir das Urteil der Schlichtungsstelle nicht verstehen, die sich gegen die Rechtsprechung stellt."

Oberste Priorität: neue Kunden angeln

Immerhin: Klagen gegen die Stromdiscounter gibt es genug im Streit um Bonusversprechen, Preiserhöhungen oder Widerrufsbelehrungen. Denn womit die Unternehmen sich rechtlich absichern, ist für Verbraucher oftmals vollkommen intransparent formuliert. Verbraucherschützer Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind die Klauseln und komplexen Billigtarife ein Greuel: "Nach der Vielzahl an Beschwerden, die uns vorliegen, muss ich leider sagen, dass ich nur jedem raten kann, zweimal zu überlegen, ob er zu einem Billigstromanbieter wechseln will."

Energie-Experte Dr. Andreas Stender hat den boomenden Markt der unabhängigen Anbieter untersucht. 50 unabhängige Anbieter gibt es mittlerweile in Deutschland, darunter auch die Billigstromdiscounter – und die haben meist eines gemeinsam, behauptet der Experte: "Ein ganz einfaches Prinzip, sehr starker Einstiegspreis, man landet oben, gewinnt Kunden und dann wird der Kunde im zweiten, dritten Jahr zur Kasse gebeten." Die Angebote in den Vergleichsportalen seien so kalkuliert, so Stender, dass die Strom-Discounter im ersten Vertragsjahr für neue Kunden sogar draufzahlen müssen.

Flexstrom erklärt dieses Geschäftsmodell sogar in einem eigenen Prospekt: "Sobald (…) das Wachstum des Umsatzes von FlexStrom nicht mehr allein durch den Zuwachs an Neukunden getrieben wird, besteht das Risiko, dass sich das bisherige Geschäftsmodell (…) nicht erfolgreich anpassen kann." Kurzum: Flexstrom braucht immer neue Kunden. Was die bisherigen Kunden des Stromriesen erwartet, sobald dies nicht mehr der Fall ist, ist noch offen. Immerhin haben viele ihren Jahresbedarf an Strom schon im Voraus bezahlt.

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