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3. Juni 2009, 22:15 Uhr

Streit um TV-Reihe "Erwachsen auf Probe"

Empörung bei Kinderschützern

"Kinder sind keine Ware - oder Gegenstände, die man ausleihen kann." Mit diesem Argument laufen Kinderschützer Sturm gegen die neue RTL-Reihe "Erwachsen auf Probe". Übertriebene Reaktionen oder berechtigte Kritik?

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Eltern auf Probe: Basti, 18, und Tamara, 17, haben es ausprobiert© Frank Hempel/RTL

Selten zuvor hat eine Fernsehserie wohl für so viel Wirbel gesorgt wie die Doku-Soap "Erwachsen auf Probe". Schon lange vor dem Sendetermin - zu einem Zeitpunkt also, als noch kaum jemand das Format genau kannte - liefen Kinderschützer, Psycholgen und Familienpolitiker Sturm: Sie wollten die Ausstrahlung der Sendung verhindern.

Zuletzt hatte das deutsche Familiennetzwerk, ein bundesweiter Verbund aus knapp 100 Organisationen, sogar das Kölner Verwaltungsgericht eingeschaltet. Ihre Forderung: Das Jugendamt müsse die Sendung verbieten.

Doch die Richter lehnten die Verbotsklage ab. Begründung: Das Jugendamt habe mit der Sache nichts zu tun, zuständig seien allein die Landesmedienanstalten.

"Stoppt den Baby-Verleih" Kinder als Objekte, Tabubruch für die Quote und gravierende Verletzungen der Menschenwürde - mit diesen und ähnlichen Vorwürfen haben Gegner die Sendung kritisiert. Aber geht RTL mit der Doku-Soap wirklich einen Schritt zu weit? Oder ist die Kritik an der Sendung überzogen?

Wie Kritiker und Befürworter argumentieren, lesen Sie links in der Spalte. Dort erfahren Sie außerdem weitere Details über die Sendung.

Contra: Kinder werden zum Spielball wirtschaftlicher Interessen, sagen die Gegner.

Mit Slogans wie "Kein Kinderverleih in Deutschland" gingen Kinderschützer, Politiker, Psychologen und Verbände bereits weit vor der Ausstrahlung der Sendung "Eltern auf Probe" auf die Barrikaden. Inzwischen haben sich fast 100 Verbände gegen RTL positioniert und fordern den Sender auf, das Format einzustellen. Sie wollen zudem verhindern, dass RTL weitere Staffeln von "Eltern auf Probe" produziert.

"Kinder können nicht einfach so verliehen werden wie Rasenmäher", sagt etwa Marlis Heterich vom Kinderschutzbund. Sie kritisiert vor allem, dass die Babys und Kleinkinder bei den Dreharbeiten unnötigem Stress ausgesetzt werden und durch die ungewohnte Situation Trennungsängste entwickeln könnten. Die Sendung würde außerdem die Teenager, die sich als Eltern probieren, vorführen.

Den Einwand von RTL, nur auf die wachsende Zahl von Teenagerschwangerschaften aufmerksam machen zu wollen, lassen die Kinderschützer nicht gelten: Für sie ist das lediglich ein Vorwand, "um einen quotenträchtigen Tabubruch durchzusetzen", wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Pro: Die Sendung sei ein Eignungstest für Jugendliche mit Kinderwunsch, sagt RTL.

RTL kann die Aufregung um die Sendung "Eltern auf Probe" nicht nachvollziehen: Der Privatsender sieht darin in erster Linie einen Eignungstest für jugendliche Paare mit Kinderwunsch. Das, was die vier Paare während der Dreharbeiten lernen, hat laut RTL vor allem einen pädagogischen Wert: Die Jugendlichen müssen Verantwortung für Kinder, den Partner und sich selbst übernehmen.

Dabei sind auch die Eltern der Kinder, die als Probe-Kinder "bereitgestellt" wurden, ein fester Bestandteil der Sendung. Die Babys und Kleinkinder würden nicht fremden Menschen überlassen, stellte RTL in einer Mitteilung klar. Dort heißt es: "Die Eltern und Mütter begleiteten ihre Kinder die ganze Zeit. Entgegen kritischer Stimmen waren sie oft nur wenige Meter von ihren Kindern entfernt. Mitunter standen sie direkt hinter dem Kameramann.“ Die Mütter konnten während der Dreharbeiten stets selbst entscheiden, wie viel Zeit ihre Kinder mit den Teenagern verbringen sollten und hätten aus Überzeugung an dem Projekt teilgenommen.

"Erwachsen auf Probe": So läuft die Produktion der Sendung ab

In einem einmonatigen Experiment schlüpfen vier Teenager-Pärchen mit Kinderwunsch in die Rolle von Erwachsenen. Das heißt: Geld verdienen, Haushalt führen und das Zusammenleben meistern. Dafür ziehen die Paare nicht nur in eigene Häuser. "Echte Familien" überlassen den Teenagern außerdem für vier Tage ihre Babys. In weiteren Staffeln sind es dann Kleinkinder und ältere Kids.

Jedes Haus, in dem die jungen Paare während des Experiments leben, ist mit Überwachungskameras ausgestattet. Die leiblichen Eltern können ihre Kinder 24 Stunden am Tag aus dem gegenüber liegenden Haus beobachten und das Experiment jederzeit abbrechen. Zusätzlich sorgen erfahrene Erzieherinnen Tag und Nacht für die absolute Sicherheit der Kinder. Eine Kinderpsychologin und eine Ärztin sind ebenfalls vorort.

In Großbritannien liefen bereits zwei Staffeln der Serie. Ausgestrahlt hat sie übrigens die BBC, einer der renommiertesten öffentlich-rechtlichen Sender. Und: Bis heute wird das Format von Lehrern zur Anschauung im Unterricht eingesetzt.

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