Älteren Menschen riskante und teils unsinnige Geldanlagen andrehen - das soll bei vielen Banken gang und gäbe sein. Auch mehrere Postbankkunden haben auf diese Weise ihr gesamtes Vermögen verloren.

Viele Postbankkunden verloren ihr Vermögen - im guten Glauben, richtig beraten worden zu sein.© stern TV
Eigentlich hätten sie ihr Rentenleben sorgenfrei genießen können: Cornelia Jockenhövel und ihr Mann Manfred Weßling wollten nach Jahren im Ausland an der Ostsee ihr Traumhaus kaufen. Dank Erbschaften und eigenen Ersparnissen hätten sie es gleich bezahlen können. Doch der Berater bei der Postbank hielt das für unwirtschaftlich. Ihr verfügbares Geld sollte Cornelia Jockenhövel stattdessen in Schiffsfonds anlegen und für das Haus einen Kredit aufnehmen. "'Der Kredit', hat er gesagt, 'kostet 3,7 Prozent bei der DSL Bank, aber die Anlagen werfen ja mindestens 6 Prozent ab, das heißt, Sie haben noch mal 2,3 Prozent Profit'", erinnert sich die 62-Jährige an die Beratung. Für die Bank hatte das klare Vorteile, denn sie verdient nicht nur an den Gebühren für die Fondsanlage, sondern auch an denen für einen Kredit. Bei Cornelia Jockenhövel ist dadurch jedoch aus dem Vermögen ein Haufen Schulden geworden: Es ist nicht nur ihr Investitionsvermögen mit diversen Fonds untergegangen; auch ihr Haus gehört praktisch der Bank. Weit über 200.000 Euro sind weg. Dazu der offene Hauskredit, den das Paar monatlich mit 1200 Euro abzustottern hat. Cornelia Jockenhövels Rente reicht dafür vorne und hinten nicht.
Die Hamburger Kanzlei "Wirtschaftsrat Bremer & Heller" vertritt mit Cornelia Jockenhövel und Manfred Weßling 80 Geschädigte, die insgesamt zehn Millionen Euro in Anlagen bei der Postbank investiert haben. Darunter auch der Architekt Joachim Schmidt. Er hat in seinem Leben viel gearbeitet, um nun beruhigt in Rente zu gehen. Fast seine gesamten Ersparnisse steckte er in Anlagegeschäfte: über 500.000 Euro. Auch von seinem Vermögen ist nichts mehr übrig. "Es geht nicht nur darum, ob man viel oder wenig Geld verloren hat. Es geht darum, dass der Ertrag eines gesamten Lebens plötzlich weg ist", sagt der 70-Jährige. "Ich werde weiterarbeiten müssen, damit meine Lebensrechnung aufgeht."
Wie für Joachim Schmidt geht es für viele der Geschädigten um ihr gesamtes Vermögen, oft mühsam über Jahre erspart. Die Anlagepapiere - davon viele für Schiffsfonds: nahezu wertlos. Schiffsfonds sind komplexe Anlangen mit wirtschaftlichen Risiken, eine unternehmerische Beteiligung. Für den Otto-Normalbürger sind sie kaum zu durchschauen. Bei der Empfehlung von Schiffsfonds locken Finanzvermittler und Banken jedoch gerne mit den Ausschüttungen und spielen durch, was der Kunde sich dafür alles kaufen kann. Nun hat die Kanzlei "Wirtschaftsrat Bremer & Heller" bei der Staatsanwaltschaft Hannover Strafanzeige gegen die Postbank erstattet - wegen gewerbsmäßigem Betrugs. "Um den Druck auf die Postbank zu erhöhen, baten mich Geschädigte, auch strafrechtlich vorzugehen", sagt Anwalt Arne Heller.
Rund 3000 mobile Berater gehören zur Postbank Finanzberatung AG, einer Tochter der Postbank. Nach eigenen Angaben hat sie den größten "bankgestützten mobilen Vertrieb Deutschlands", der ein Netz von über 800 Beratungscentern nutzt, darunter die Postbank-Filialen. Allerdings sind die freien Berater für Postbankkunden kaum als Selbständige erkennbar: Sie haben in der Filiale einen Schreibtisch und nutzen oftmals auch alle Ressourcen der Bank. Zudem weisen die Postbankangestellten die Berater gezielt auf Kunden mit einem Plus auf dem Konto hin, damit diese ihnen Anlagen verkaufen können.
Bei den Anlagegeschäften der Kunden kassieren Berater und Bank satte Provisionen, die so genannte Agio. Auch bei Joachim Schmidt versickerte ein Teil seines Vermögens allein in Gebühren. Denn: Statt der drei oder fünf Prozent Agio, wie es in vielen Anlagepapieren steht, fließen schon mal 15 Prozent oder mehr - ohne dass die Kunden das merken, wie ein ehemaliger Berater von der Postbank Finanzberatungs AG berichtet: "Für eine Schiffsbeteiligung wurden 17 Prozent Provisionen vereinnahmt und der Kunde wusste nur von einem Agio von 5 Prozent. Es war schon ein Interesse diese Anlagen voranzubringen, weil sie eben einen hohen Ertrag bringen - zum einen für die Bank und zum anderen für die Berater."
Zusätzlich profitieren die Banken vom so genannten "Kick-Back": Verkaufen sie einen Fonds, bekommen sie von der Fondsgesellschaft eine Abschlussprovision sowie jährlich 0,2 Prozent der Anlagesumme. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Investoren über solche Provisionen voll in Kenntnis gesetzt werden müssen. Andernfalls können Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Ebenso, wenn eine Falschberatung nachgewiesen werden kann oder nicht klar über die Risiken der Investition aufgeklärt wurde. Wenn die Widerrufsbelehrung eines Vertrags fehlerhaft ist, steigert das die Aussichten, einen Kauf sogar noch rückgängig zu machen. In einigen solcher Fälle ist auch eine außergerichtliche Einigung mit der Bank möglich und bereits vorgekommen. Derartige Angebote von Seiten seiner Bank sollten Kunden aber nicht annehmen, ohne sie von fachkundiger Stelle zuvor prüfen zu lassen, raten die Verbraucherzentralen.
Aufgepasst bei Schiffsfonds Schiffsbeteiligungen sind geschlossene Fonds. Sie zählen zum so genannten "Grauen Kapitalmarkt" und werden nicht staatlich überwacht. Anleger finanzieren dabei den Bau unterschiedlicher Schiffstypen. Die Schiffe werden an Reedereien vermietet und sollen dann satte Gewinne einfahren. Dadurch lassen sich laut Anlageprospekten überdurchschnittliche Renditen erreichen.
Doch aufgepasst: Es handelt sich bei Schiffsfonds um eine unternehmerische Beteiligung, sowohl am Bau wie auch an dem Betrieb des Schiffes. Laut Verbraucherzentralen haben über 60 % der Schiffsfonds die im Prospekt angekündigte Ausschüttung nicht erreicht. Und auch an den Verlusten ist man beteiligt, im Ernstfall sogar an der Pleite. Ausschüttungen können sogar zurückverlangt werden, wenn die Fondsgesellschaft finanzielle Engpässe hat. Deshalb lässt sich die - meist idealisierte - Rendite gar nicht fest prognostizieren. Sie ist von verschiedenen wirtschaftlichen Faktoren abhängig. Dazu kommt, dass es sich bei Schiffsfonds um langfristige und unflexible Geldanlagen handelt, aus denen man nicht vor Ablauf aussteigen kann.
Bei Schiffsfonds braucht man deshalb einen guten "Durchblick" und sollte sorgfältig Informationen zu den verschiedenen Anbietern und ihren Leistungsbilanzen einholen, bevor man etwas unterschreibt, raten die Verbraucherzentralen.