19. Dezember 2012, 22:15 Uhr

Ein Übergriff aus Fremdenhass?

Seit November sitzen die Brüder Norman und René in Untersuchungshaft: Sie sollen aus fremdenfeindlichen Motiven einen chinesischen Studenten angegriffen haben. Wie konnte es so weit kommen?

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Norman ist bekennender Skin. Doch geht der Fremdenhass so weit, dass er und sein Bruder einen ausländischen Studenten angreifen?©

Neues und Erschütterndes von Familie Ritter aus Köthen: Seit Ende November sitzen die Norman und René in Untersuchungshaft. Von der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau wird ihnen Körperverletzung und Sachbeschädigung aus fremdenfeindlichen Motiven vorgeworfen. Die Brüder sollen zusammen mit zwei weiteren Männern am 18. November einen chinesischen Studenten der Hochschule Anhalt angegriffen und verletzt haben. "Wenn die Prügelei nicht nur fünf Minuten gedauert hätte, sondern eine halbe Stunde, wäre ich heute tot", so das Opfer. Die vier Täter sind der Polizei bekannt. Alle wohnen in Köthen in der Angerstraße, in einer Obdachlosenunterkunft. Auch David Ritter, der erst 15-jährige Sohn von Ivonne Ritter, war bei dem Vorfall dabei. Allerdings liegt gegen ihn kein Tatverdacht vor. Doch wie konnte es so weit kommen?

Der Angriff auf den ausländischen Studenten ist ein weiterer Tiefpunkt in dieser Familiengeschichte. Seit 18 Jahren begleitet stern TV die außergewöhnliche Großfamilie aus Köthen in Anhalt. Erst vor zwei Monaten berichtete ein Beitrag über die Sorge um die dritte Generation – die Kleinsten der Ritters, die fast allesamt in Kinderheimen in Sachsen-Anhalt untergebracht sind. Über Jahre hinweg bot sich den Reportern bei den Ritters Bild aus Gewalt und Rechtsradikalismus, der sich von Generation zu Generation fortträgt. „Kein Familienmitglied hat es aus eigener Kraft geschafft, aus den problematischen Familienklammern heraus zu kommen und einen anderen, besseren Weg zu gehen“, so der Sozialisations- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann zu den jüngsten Ereignissen.

Berufswunsch: Skinhead

Bereits bei der ersten Berichterstattung 1994 hebt der damals neunjährige Norman die Hand zum Hitlergruß. Auf die Frage, was er einmal werden möchte, wenn er groß ist, antwortet der Junge: "Skinhead!" Dennoch sah Klaus Hurrelmann für die Kinder aus Köthen anfangs noch Chancen auf eine erfolgreiche Sozialisation: "Es ist nicht alles vorgezeichnet", sagte der Universitäts-Professor damals im stern TV-Studio. "Allerdings brauchen diese Kinder jetzt positive Erlebnisse. Sie brauchen das Gefühl, irgendwo dazu zu gehören. Sie brauchen Menschen, die sich für sie interessieren. Die sich um sie kümmern, und denen es nicht egal ist, was sie machen."

Doch nun sind aus den kleinen Jungen von einst Straftäter geworden. Für sie scheint ein Ausweg aus dem Kreislauf nicht in Aussicht. Sollten die Brüder Norman Krüger und René Ritter tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt werden, wäre die nächste Stufe erreicht, meint auch Klaus Hurrelmann: "Haftstrafe ist nichts, was Menschen verändert oder korrigiert. Sondern fast im Gegenteil, Haftstrafen verfestigen die problematischen Seiten, wegen der man in Haft gekommen ist." Drei der Ritter-Brüder sitzen derzeit im Gefängnis. Der vierte, Andy Ritter, ist seit Jahren heroinabhängig. Und auch die dritte Generation der Familie ist stark gefährdet, in eine ähnliche kriminelle Karriere zu gleiten. Alle Kinder, bis auf den 15-jährigen David, leben in Kinderheimen, sind bereits auffällig geworden. "Das ist jetzt die Herausforderung", sagt Klaus Hurrelmann. "Wie kann ich das stoppen in der nächsten Generation? Wie kann ich verhindern, dass die alle mit in den Strudel rutschen? Und das muss die Aufforderung sein an alle."

 
 
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