3. März 2013, 12:15 Uhr

Die Schulrebellen von Seifhennersdorf

Schon länger steht fest: Die Mittelschule in dem kleinen Ort in Sachsen soll geschlossen werden. Eltern und Schüler wollen das nicht akzeptieren - und führen den Unterricht auf eigene Faust weiter.

Jeden Tag gehen die 13 Fünftklässler in ihre Mittelschule in Seifhennersdorf, obwohl die offiziell geschlossen ist. Jetzt haben sie Zeugnisse bekommen. Allerdings nicht von ihrer Schule, sondern von den Nachbarschulen, die sie nie besucht haben: Ein Blatt ohne Noten, dafür aber mit 88 Fehltagen. Denn dort hätten die Schüler eigentlich seit Monaten zum Unterricht erscheinen sollen. Der Unterricht in der Mittelschule Seifhennersdorf hat sozusagen illegal stattgefunden und wird deshalb nicht anerkannt.

Der Kampf gegen die Schulschliessung läuft schon seit Jahren. Jetzt aber machte der Protest der "Schulrebellen von Seifhennersdorf" bundesweit Schlagzeilen. Der Grund: Vor Beginn der Sommerferien im vergangen Jahr waren 42 Kinder für die fünfte Klasse der Mittelschule Seifhennersdorf angemeldet – eigentlich ausreichend, um den Unterricht hier fortzusetzen. Doch kurz vor Schulbeginn bekamen vier Schüler unerwartet doch noch eine Empfehlung fürs Gymnasium. Damit waren es nur noch 38 Schüler - zwei zu wenig, laut Schulgesetz. Das sächsische Kultusministerium wollte daraufhin die Einrichtung wegen zu geringer Schülerzahlen schließen lassen.

Die Eltern und Schüler protestieren gegen das Argument zu geringer Anmeldezahlen. Nach den Sommerferien haben sie den Unterricht kurzerhand selbst organisiert: Pensionierte oder ehrenamtliche Lehrer unterrichten ihre Kinder seitdem in allen erforderlichen Fächern. "Was dort stattfindet ist, dass Lehrer sich irgendetwas angeeignet haben, es ist weder rechtlich zulässig noch ausreichend. Lernen nicht so wie es sein müsste", kritisiert Béla Bélafi, Chef der sächsischen Bildungsagentur, der für die Beschulung der Kinder verantwortlich ist. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Schließung dieser Schule, die schon lange geplant ist.

Bußgelder wegen Fehltagen

Die Protesteltern und -schüler erhalten derweil Bußgeldbescheide von der Bildungsagentur: Janet Zschoppe, Mutter eines der Schüler, sollte insgesamt knapp 600 Euro aufgrund der Fehltage ihres Sohnes Marius bezahlen. Wie andere Eltern hat sie den Protest aufgegeben. Nicht wegen des Geldes, sondern weil sie sorgte, dass der Junge möglicherweise nicht versetzt wird. Das Risiko gehen alle Protestler ein. Einige Schüler pendeln deshalb bereits morgens und nachmittags kilometerweit zu den Schulen in den umliegenden Orten. "Der Weg ist nicht unzumutbar, sondern schlicht nicht erreichbar", erklärt Andreas Herbig, Elternsprecher der Seihennersdorfer, dessen Tochter ebenfalls zu den betroffenen Schülern gehört. Für ihn ist wichtig dass die Kinder kurze Schulwege haben, damit neben dem Unterricht auch noch Zeit für Hobbies bleibt.

Noch gehen die rebellischen Eltern und Kinder davon aus, dass die Schule bestehen bleibt. Auch die Bürgermeisterin des Ortes unterstützt sie. Karin Berndt klagt schon seit Jahren gegen den Freistaat Sachsen und gegen die Entscheidung, die Mittelschule zu schließen. "Ich habe einen Eid geschworen: zum Wohle der Stadt, zum Wohle der Region, zum Wohle der Kinder, die sind unsere Zukunft", sagt Berndt. "Wenn wir das nicht tun wandern die Menschen hier ab." Noch geben die Seifhennersdorfer Schulrebellen nicht auf: Bis das Gericht eine endgültige Entscheidung über ihre Schule getroffen hat, gehen sie hier weiter jeden Tag zum Unterricht.

 
 
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