Masernimpfung rettet Leben

22. September 2013, 15:15 Uhr

Mit nur 14 Jahren stirbt Micha an einer Gehirnentzündung, ausgelöst durch Masernviren. Er starb, weil ein anderes Kind nicht geimpft war. Die Impflücken bei Masern sind verheerend. Das können wir tun.

Masern, Impfung, MMR, Impflücken, Hirnentzündung, SSPE, impfen, Kinder, 1970, stern TV

Für einen wirksamen Schutz muss zweimalig gegen Masern geimpft werden. Viele nach 1970 Geborene sind jedoch nur einmal geimpft oder kennen ihren Impfstatus nicht.©

Obwohl die Krankheit längst ausgerottet sein sollte, steigt die Zahl der Masernfälle wieder sprunghaft an. Allein in diesem Jahr erkrankten schon fast zehn Mal mehr Menschen an Masern, als 2012. Die Ursache sind Impflücken: So haben manche Eltern noch immer Vorbehalte gegenüber der Impfung, manche Kinder sind nur einmal und damit nicht wirksam geimpft. Und bei vielen Erwachsenen ist der Impfstatus völlig unklar.

Nicht-Geimpfte können andere Menschen mit dem gefährlichen Masernvirus anstecken. Oxana und Peter Giesbrecht haben diese Tragödie erlebt: Ihr Sohn Micha Giesbrecht ist an den Spätfolgen von Masern gestorben. Seine Geschichte hatte die stern TV Zuschauer schon vor einigen Jahren bewegt, als seine Eltern von seinem Schicksal berichteten: Der kleine Micha hatte sich im Wartezimmer des Kinderarztes bei einem älteren, nicht geimpften Kind mit Masern angesteckt an. Er selbst war damals noch zu jung für eine Impfung. Zunächst schien es, als hätte Micha die Masern ohne Komplikationen überstanden. Er entwickelte sich normal, wurde ein fröhliches, aktives Kind. Fünf Jahre später jedoch erkrankte er an einer Gehirnentzündung, die durch Masernviren ausgelöst wird.

Die chronische Gehirnentzündung gilt als Spätfolge einer Masernerkrankung. Die sogenannte Subakute Sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) zerstört nach und nach die Gehirnzellen und endet immer tödlich. Im Laufe seines kurzen Lebens hatte Micha immer weiter abgebaut, konnte nicht mehr laufen oder sprechen – bis er schließlich für Monate in eine Art Wachkoma fiel. Der Junge starb, weil ein anderes Kind nicht geimpft war. "So etwas, wie mit Micha darf nie wieder passieren", sagt seine Mutter Oxana Giesbrecht.

Säuglinge ohne Immunschutz, wie auch Micha damals, sind darauf angewiesen, dass die Menschen in ihrer Umgebung geimpft sind. Nur dann sind sie durch den so genannten Herdeneffekt geschützt. Babys können selbst frühestens im Alter von neun Monaten geimpft werden. Den ersten Impftermin nehmen die meisten Eltern wahr. Trotzdem sind nur etwa 60 Prozent aller Kinder wirksam gegen Masern geschützt, schätzen Experten. Die Gründe: Einige Kinder sind nur einmal und damit nicht wirksam geimpft worden oder die Eltern haben Vorbehalte gegenüber der Impfung. Viele nach 1970 geborene Menschen sind ebenfalls nur einmal geimpft oder ihr Impfstatus ist unklar.

Steigende Zahl an Maserninfektionen

In 2013 gab es bereits 1592 Masernfälle. Im Frühsommer mussten in Deutschland Schulen vorübergehend geschlossen werden, weil eine Masernepidemie drohte. Ursache dafür sind die Impflücken. Nicht geimpfte Erwachsene überstehen eine Maserninfektion in den allermeisten Fällen zwar folgenlos. Das Virus ist jedoch hochansteckend und infiziert schnell mehrere Menschen in der Umgebung, auch Säuglinge und kleine Kinder. "Wenn sich Babys und Kleinkinder bis zwei Jahre anstecken, haben diese ein deutlich häufigeres Risiko, an SSPE zu erkranken", sagt Kinder- und Jugendarzt Dr. Martin Terhardt. Dieses Jahr sind schon 158 Kinder unter zwei Jahren erkrankt." Terhardt ist Mitglied der Ständigen Impfkommission und sieht die steigende Zahl von Masernfällen mit Sorge. Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet andere, so der Arzt.

Die offizielle Empfehlung der Impfkommission ist, ein Kind bis zum Ende des zweiten Lebensjahres zweimal gegen Masern impfen zu lassen. Diese Immunisierung bietet lebenslangen Schutz – auch für andere Menschen und nachfolgende Generationen. Doch Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. "Wir sind immer noch eines der Hauptexportländer für Masern", sagt Martin Terhardt.

Die Masernepidemie in diesem Jahr hat auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr alarmiert. Denn die Kinder kommen immer früher in Krippen und Kindergärten, so der Minister. Das Ansteckungsrisiko ist groß, wenn sie ohne Impfschutz sind. Bei den aktuellen Masernzahlen müsse man über eine Impfpflicht nachdenken, sagt Bahr. "Wir brauchen 95 Prozent Impfquote, um eine ganze Bevölkerung schützen zu können", weiß Terhardt. Um die Impfquote zu verbessern, müsse die Bevölkerung noch mehr aufgeklärt werden. "Wir müssen auch Impfungen durchführen, da wo die Menschen sind, und nicht in Arztpraxen auf sie warten." Steigende Impfzahlen machen Micha nicht lebendig. Anderen Kindern retten sie aber das Leben.

Abstimmung

Sollte es in Deutschland eine Impfpflicht geben?

Abstimmen Ergebnis anzeigen

Bin ich ausreichend geimpft? Erwachsene sollten ihren Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten etwa alle 10 Jahre auffrischen. Wer gegen Masern, Mumps, Röteln und Polio nicht oder nicht vollständig geimpft ist, sollte dies nachholen. Ihr Hausarzt kann Ihren aktuellen Impfstatus überprüfen und bei Bedarf den Schutz ergänzen oder auffrischen. Die Kosten werden von den Krankenkassen erstattet. Sofern Sie einen Impfpass besitzen – egal wie alt – sollten Sie ihn mitnehmen. Vom Arzt können Sie aber auch einen neuen bekommen.

Einen Impfkalender für alle Altersgruppen mit den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission können Sie hier herunterladen.

Ausführliche Informationen rund ums Impfen und Antworten auf häufig gestellte Fragen finden Sie auf www.impfen-info.de, sowie über den Impfpass und einen Masern-Impfcheck.

Ja, aber…! Kritische Fragen zum Thema Impfen sind durchaus berechtigt. Die 20 größten Einwände von Impfgegnern und Antworten des Robert Koch Instituts und des Paul Ehrlich Instituts darauf finden Sie hier.

stern TV bei Facebook