In sozialen Netzwerken eine wichtige Währung: die Zahl der Freunde, Fans oder Follower. Je mehr man hat, desto beliebter. Eine gute Werbung. Doch viele "Likes" sind gar nicht echt. Was dahinter steckt

Eine wichtige Währung bei Facebook: die so genannten Likes. Wer auf seiner Facebook-Seite viele Nutzer dazu bringt, den "Gefällt mir"-Button zu klicken, ist schnell beliebt. Notfalls gegen Honorar.© Ole Spata / DPA
Likes" und Fans sind bei Facebook eine wichtige Währung. Bei Twitter sind es "Follower", bei Youtube die "Views" eines Videos – Leute, die sich für eine Seite, ein Produkt oder eine Person interessieren. Doch nicht nur Firmen, Marken, Musikgruppen, TV-Serien oder Promis buhlen um die Fans. Auch die Dschungelkandidaten wünschen sich viele Anhänger, die kundtun: Das „gefällt mir“. Alle wissen, wenn eine Fanseite oft geteilt wird, erhöht das die Aufmerksamkeit und lockt weitere Neugierige aus den sozialen Netzwerken an – ein Selbstläufer.
Beim Blick auf die Facebook-Seiten der Kandidaten aus dem Dschungelcamp fällt auf: Dschungelkönig Joey hat kurz nach seiner Krönung 60.000 Fans. Eine ordentliche Anhängerschaft. Olivia Jones liegt mit 83.000 Fans noch vor ihm. Die meisten Fans hat Georgina mit über 100.000 so genannten "Likes". Schlagzeilen der vergangenen Wochen argwöhnten, Georgina solle die Mehrzahl ihrer Facebook-Fans gekauft haben: 70.000 Likes auf ihrer Seite innerhalb weniger Tage –die meisten davon nicht aus Deutschland, sondern aus Hanoi in Vietnam. Eine berechtigte Frage ist: Wieso sollte Georgina gerade dort so viele Fans haben? Die Antwort ist von IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel schnell gegeben, denn mit den Fan-Bekenntnissen auf Facebook ist längst ein Handel entstanden: "Man würde erwarten, dass 90, 95 Prozent der Fans aus Deutschland kommen. Das ist ein klares Indiz, dass doch ein Großteil der "Gefällt mir"-Klicks gekauft wurden."
Gekaufte Facebook-Likes sind im Internet leicht zu erwerben und werden von verschiedenen Agenturen angeboten. Sie beauftragen echte Facebook-Nutzer in aller Welt, auf den Gefällt-mir-Button einer bestimmten Seite zu klicken. "Die haben mit dieser Marke oder diesem Prominenten vielleicht gar nichts zu tun", sagt Tobias Schrödel. "Aber für ein paar Cent klicken sie da einfach drauf. Das ist nicht viel Arbeit und in wenigen Sekunden erledigt." So können sich Facebook-User neben bei schnell ein kleines Taschengeld verdienen.
In manchen Fällen werden aber auch existierende Facebook-Profile dafür missbraucht, ohne dass die Nutzer davon wissen. Einige Fan-Händler legen sogar gezielt Profile an und lassen sie dann alle möglichen Seiten "liken", denen Sie die Händler Klicks verkauft haben. Andere, meist im Ausland ansässige, Agenturen sind noch unseriöser: Sie arbeiten mit gekaperten Rechnern über so genannte Bot-Netze. Ein spezielles Computerprogramm sorgt dann dafür, dass ein "Like"- Button geklickt wird, ohne dass ein Mensch dafür einen Mausklick machen müsste. Bestimmte Online-Anbieter können dadurch Fans gleich im Tausenderpack anbieten.
Weltweiter Spitzenreiter mit 65 Millionen Facebook-Fans ist die Sängerin Rihanna. Auffällig daran: Viele ihrer Fans kommen aus Mexiko-Stadt. Bei anderen Stars, wie Justin Bieber, Cristiano Ronaldo oder der Shakira – dasselbe Phänomen: Die meisten Fans leben in Mexiko-Stadt. Ein Zufall? Es ist zumindest sehr verwunderlich, wenn ein Star, ein Unternehmen oder Promi viele Fans in ein und demselben Land hat, in dem es oder er noch dazu nichts zu tun hat oder kaum bekannt sein dürfte.
Doch wie lässt sich herausfinden, ob sich eine Facebook-Fanseite mit gekauften Fans künstlich aufbläst und mit unechten "Likes" schmückt? stern TV hat dafür diese Anwendung programmiert, mit der Sie sehen können, aus welchen Ländern die Fans stammen und welchen Anteil sie an der Gesamtzahl haben. Wessen Facebook-Seite auf diese Weise entlarvt wird, sollte sich nicht wundern, bald in Scharen auch echte Fans zu verlieren. Das Vertrauen auf eine baldige Verschärfung der Internetgesetze lässt hoffen, dass Händlern und Agenturen, die mit gefakten Facebook-Likes Geschäfte machen, das Handwerk gelegt wird. Denn: Der "Gefällt mir"-Button soll auch in Zukunft einen verlässlichen Eindruck erlauben, welche Inhalte in sozialen Netzwerken zu Recht beliebt und empfehlenswert sind. Käufer von falschen Fans sollten sich fragen: Was nützen Fans und Follower, die sich passiv verhalten und sich für die Seite gar nicht interessieren? Viel besser ist es doch, auf seriöse Weise Nutzer für sich und seine Seite zu begeistern. Wie das gelingen kann, zeigen die Tipps im nebenstehenden Kasten.
stern TV-Anwendung "Facebook Like-Check" Mit dieser Anwendung können Sie Facebook-Seiten auf falsche Fans überprüfen.
Eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, wie es funktioniert, finden Sie hier in der Bilderstrecke.