12. September 2012, 22:15 Uhr

Verkannte Gefahr der Röhrenbräune

Immer mehr Menschen erkranken durch regelmäßige Solariumbesuche an Hautkrebs. Das belegt eine neue Studie. Für Ann-Kathrin Steffen kam diese Erkenntnis beinahe zu spät.

Gebräunte Sommerhaut ist schön und will gepflegt werden. Deshalb haben Sonnenstudios gerade jetzt nach der Urlaubszeit Hochkonjunktur. Diesem Trend folgte auch Ann-Kathrin Steffen jahrelang. Bis sie erfuhr: Sie hat Krebs. Rund 224.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an Hautkrebs, 26.000 davon am besonders gefährlichen malignen Melanom. Dieser "schwarze Hautkrebs" tritt zunehmend bei jüngeren Menschen auf, insbesondere bei Frauen. Ein Grund ist die intensive Bestrahlung der Haut mit künstlichen UV-Strahlen. "Wer vor dem 35. Lebensjahr regelmäßig Solarien nutzt, verdoppelt sein Risiko für eine Hautkrebserkrankung", so Prof. Dr. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention.

Der Zusammenhang zwischen künstlichem Besonnen und Krebsentstehung ist laut aktuellen Studien also wesentlich dramatischer ist als bislang angenommen. Grund: Solarien strahlen mit einer Bestrahlungsstärke von maximal 0,3 Watt pro Quadratmeter trotz der neuen EU-Norm laut Breitbart noch zu intensiv: "Diese Menge entspricht der UV-Strahlung am Äquator um 12 Uhr mittags." Bis 2012 gab es selbst diesen verpflichtenden Maximalwert nicht.

Alles für die Schönheit

Ann-Kathrin Steffen rührten die Risiken nicht. Sie wollte keine Kalkleiste sein. Unter ihren Freundinnen war es üblich, ins Solarium zu gehen. Schon im Teenageralter war sie jahrelang zwei bis drei Mal wöchentlich im Sonnenstudio - und im Sommerurlaub ließ sie sich schön braun brutzeln. Dass sie als sehr heller Hauttyp mit blonden Haaren besonders empfindlich auf UV-Strahlung reagieren würde, darüber hat sich die heute 23-Jährige keinen Kopf gemacht. Für die Schönheit hat sie auch mal Sonnenbrände im Urlaub und von der Sonnenbank in Kauf genommen. Wenn sich ein Sonnenbrand entwickelt, hat die Haut bereits Schaden genommen. Auch wenn die akute Entzündung und Rötung bald abklingt - damit ist der Sonnenbrand nicht vergessen. Sonnenbrände können das Erbmaterial in den Hautzellen schädigen, die zelleigene Immunabwehr und auch den Eiweißstoffwechsel der Zellen stören. Die Folge: Die Zellen können entarten und Krebs entwickeln.

Eine leichte Bräune allerdings ist nicht per se schädlich: Durch intensive Besonnung bildet die Haut Pigmente, zum Beispiel Melanin. Biologisch betrachtet das jedoch eine "Abwehrreaktion" der Haut, um die UV-Strahlung abzufangen, bevor sie in tiefere Hautschichten eindringen kann. Zu viel Sonne verursacht Pigmentmale. Als bei ihr die Pigmentflecken immer mehr werden, ist Ann-Kathrin Steffen jedoch nicht weiter alarmiert. Dabei waren 30 bis 40 Pigmentflecken bereits ein deutlicher Hinweis, dass sich ihre Haut ungünstig verändert. Im Sommer 2010 entdeckt sie dann eine sehr dunkle Veränderung nahe der Achselhöhle - ein Umstand, der ihr vermutlich das Leben rettete: Sie geht zum Arzt. Der rät ihr nach einer ersten Blickdiagnose gleich mehrere, sehr auffällige Pigmentflecken dringend entfernen zu lassen. Doch Ann-Kathrin Steffen wartet damit noch bis zum Winter. Ein Fehler, denn bei den Biopsien stellt sich schnell heraus: Die Pigmentflecken sind bösartig. Es muss noch einmal nachgeschnitten werden.

Fast drei Monate ist die Krankenschwester aus Hamburg wegen ihres Hautkrebs' krankgeschrieben. Noch waren die Melanome nicht so tief in die Haut eingewachsen, dass eine Chemotherapie erforderlich wurde. Dennoch ist die junge Frau weiterhin gefährdet. Alle drei Monate muss sie nun zur Vorsorge. Die Sonne und Sonnenstudios meidet Ann-Kathrin Steffen seit der Diagnose: Sie bleibt lieber blass und am Leben - anstatt es weiterhin zu riskieren.

Rat und Informationen Ausführliche Informationen und Ratgeber zum Schutz der Haut und zu den Risiken durch Solarien können Sie kostenlos bestellen bei:
Deutsche Krebshilfe e. V.
Postfach 1467
53004 Bonn
Telefon: 0228 / 72990-0
Internetseite: www.krebshilfe.de

Hier finden Sie auch weitere Informationen zu der Kampagne "Rosi hat Schwein gehabt"



Informationen zur Vorsorge und Früherkennung von Hautkrebs finden Sie auch beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums

 
 
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