22. März 2013, 10:15 Uhr

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Diabetes

Anzeichen, Ursachen, Behandlung

Wie äußert sich Diabetes? Warum bleibt die Erkrankung oft lange unerkannt? Wie ist ein Leben mit der Zuckerkrankheit möglich? stern TV hat Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt.

Was ist Diabetes mellitus?

Es gibt mehrere Formen der Zuckerkrankheit. Am häufigsten kommen Diabetes vom Typ 1 und Diabetes vom Typ 2 vor. Allen Diabetes-Erkrankungen ist gleich, dass es dem Körper chronisch an Insulin mangelt. Dadurch kann der Blutzucker, der sich durch die Nahrungsaufnahme erhöht, nicht an die Verbrauchsstellen im Körper transportiert und abgebaut werden.

Beim Diabetes Typ 1 kann die dafür zuständige Bauchspeicheldrüse kein Insulin produzieren. Beim Diabetes Typ 2 ist das wenige, vorhandene Insulin nicht mehr in der Lage, den Blutzuckerspiegel ausreichend zu senken. Man könnte auch sagen: Diese Körperfunktion ist lange überstrapaziert worden und deshalb defekt.

Symptome: Wie äußert sich eine Diabetes-Erkrankung?

Anzeichen für eine Diabetes-Erkrankung können häufiger Harndrang, starkes Durstgefühl, Leistungsabfall, Kraftlosigkeit, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Übelkeit, Muskelkrämpfe sein.

Erste Folgeerscheinungen einer bereits vorhandenen Diabetes können eine plötzliche Verschlechterung der Sehfähigkeit oder schlecht heilende Wunden sein.

Wie wird eine Erkrankung oder ein Diabetes-Risiko festgestellt?

Zu den Haupt-Risikofaktoren zählen eine erbliche Vorbelastung sowie Bewegungsmangel. Außerdem: ungesunde, einseitige Ernährung und Übergewicht, insbesondere ein großer Bauchumfang. Auch das Alter spielt eine Rolle, da die häufigsten Erkrankungen ab einem Alter von 55 Jahren auftreten.

Eine erste Einschätzung Ihres Risikos können Sie über diesen Selbsttest erhalten.

Ob tatsächlich ein Diabetes vorliegt, kann im ersten Schritt über einen Bluttest festgestellt werden, den Ihr Hausarzt machen kann.

Was sagt der Blutzuckerwert aus?

Der momentane Blutzuckerwert liefert einen aktuellen Wert, wie viel Zucker im Blut enthalten ist. Der Blutzuckerspiegel schwankt jedoch schwankt in Abhängigkeit davon, was der Untersuchte gegessen und getrunken hat oder wie viel er sich bewegt hat. Der Wert ist also lediglich eine Momentaufnahme und sagt nicht verbindlich etwas darüber aus, ob ein Diabetes oder ein Risiko vorliegt. Wie gut der Blutzucker über einen längeren Zeitraum eingestellt war, lässt sich mit einer einfachen Blutzuckermessung also nicht ermitteln. Dafür gibt es den HbA1c-Wert.

Was ist dann der HbA1c-Wert?

Der HbA1c-Wert erlaubt eine verbindlichere Aussage darüber, wie hoch der Blutzuckerspiegel insgesamt über einen längeren Zeitraum war. Er wird auch als "Blutzuckergedächtnis" bezeichnet. Die Grundlage für den Wert sind Zuckerteilchen, die sich an das Hämoglobin (Hb) angelagert. Mediziner sprechen vom HbA1c-Wert.

Je mehr Zuckerteilchen im Blut eines Menschen zirkulieren, desto mehr von ihnen binden an das Hämoglobin. Beim längerfristig erhöhten Blutzuckerspiegel eines Diabetikers bleibt die Verbindung bis zu drei Monate bestehen. Ein hoher HbA1c-Wert bei einem Diabetiker bedeutet also, dass sein Blutzuckerspiegel die vergangenen Wochen hoch bzw. schlecht eingestellt war. Über den Wert kann auch ein gewisses Diabetes-Risiko ermittelt werden. Generell gilt: Je niedriger der HbA1c-Wert, desto geringer ist auch das Risiko, an Diabetes zu erkranken.

Welche Ursachen hat Diabetes?

Die Ursachen und Entstehungsmechanismen des Typ 1- und Typ 2-Diabetes sind nicht gänzlich geklärt. Beide Diabetesformen sind durch komplexe Ursachen bedingt, bei denen sowohl genetische Faktoren wie auch äußere Einflüsse - etwa die Lebensweise - eine Rolle spielen.

"Beim Typ 1-Diabetes läuft ein so genannter Autoimmunprozess ab. Das heißt: Abwehrstoffe des Körpers richten sich gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und zerstören diese langsam", erklärt Dr. Matthias Frank.

Wie viele Betroffene gibt es?

Es wird geschätzt, dass es in Deutschland etwa vier Millionen Frauen und Männer mit einem diagnostizierten Diabetes gibt (alle Diabetestypen). Das sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung. An Typ 1-Diabetes erkranken jährlich etwa 2.000 Kinder und Jugendliche neu. In der älteren Bevölkerung nimmt die Zahl der Erkrankungen altersbedingt zu. In der Gruppe der über 65-Jährigen sind schätzungsweise um die 20 Prozent von einem Diabetes betroffen, hier allerdings überwiegend Typ 2. Da viele Erkrankungen lange unentdeckt bleiben, gehen Experten von einer weit höheren Zahl von sechs bis zehn Millionen Betroffenen in Deutschland aus.

Ist Diabetes heilbar?

Das hängt vom Diabetes-Typ ab. Eine Heilung des Diabetes mellitus ist bis heute nicht möglich. Beim Typ-1-Diabetes ist die Insulinproduzierende Körperfunktion defekt. Zukunftsweisende Versuche sind hier die Transplantation einer intakten Bauchspeicheldrüse oder das Einpflanzen einer künstlichen Bauchspeicheldrüse. Ansonsten muss dem Körper dauerhaft Insulin künstlich zugeführt werden.

Viele Fälle von Diabetes Typ 2 sind durch eine Änderung der Lebensweise und entsprechender Diät noch in den Griff zu bekommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie des Typ 1-Diabetes besteht im Spritzen von Insulin ins Unterhautfettgewebe. Die erforderlichen Mengen müssen individuell angepasst werden. Beim Typ 2-Diabetes wird zunächst durch eine Gewichtsreduktion und mehr Bewegung versucht, der Erkrankung beizukommen. Darüber hinaus ist eine Behandlung mit blutzuckersenkenden Tabletten, bei höherem Schweregrad mit Insulin erforderlich.

Welche Folgen und Folgeerkrankungen kann Diabetes haben?

Ein zu hoher Blutzuckerspiegel kann langfristig zu Schäden an den Nerven, den Nieren oder den Augen führen (Diabetes-Folgeerkrankungen). Zudem verursacht er Herz-Kreislauferkrankungen durch Ablagerungen in den Adern. Eine schlechte Durchblutung, mit der viele Diabetiker zu tun haben, hat weitere Auswirkungen. Etwa Geschwüre an den Füßen, die im schlimmsten Fall eine Amputation erfordern. An den Folgeerkrankungen - unter anderem auch Herzinfarkt oder Schlaganfall - des Diabetes sterben Patienten auch, laut Weltgesundheitsorganisation jährlich rund 3,2 Millionen Menschen weltweit.

Wie lässt sich Diabetes vorbeugen?

Da die Ursachen für eine Diabeteserkrankung komplex und noch nicht gänzlich geklärt sind, existieren bisher keine gesicherten Maßnahmen zur Prävention des Typ 1-Diabetes. Ein Schutzmechanismus bei Neugeborenen - eine möglichst lange Stilldauer - gilt als gesichert.

Die wichtigsten Vorsorgemaßnahme für einen Typ-2-Diabetes ist ein gesunder Lebensstil: Menschen mit Übergewicht, einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel im Alltag sollten abnehmen und ihren erhöhten Blutzuckerspiegel durch Sport und Bewegung senken. Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien belegt, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für Typ 2 Diabetes, Diabetes-Folgeerkrankungen und Herzkreislauf-Komplikationen deutlich senken kann.

Ich habe einen Verdacht oder ein Diabetes-Risiko - was soll ich jetzt tun?

Gehen Sie sehr bald zu Ihrem Hausarzt und sprechen Sie mit ihm über Ihren Verdacht. Im nächsten Schritt können Sie einen Blutzuckertest durchführen und sich im Hinblick auf Ihre Ernährung und Ihre Möglichkeiten, den Alltag anzupassen, beraten lassen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wird Ihr Arzt Ihnen erste Behandlungsmöglichkeiten beschreiben.

Wo finde ich weitere Informationen und Beratung?

Informationen zum Thema erhalten Betroffene beispielsweise hier:

Deutsche Diabetes-Stiftung
Staffelseestr. 6
81477 München
Tel. 0 89 / 579 579-0
Fax 0 89 / 579 579-19
E-Mail: info@diabetesstiftung.de
Internet: http://www.diabetes-risiko.de

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