Was Sie bei einer Bestattung beachten sollten

24. Juli 2013, 19:59 Uhr

Mit einer Bestattung befasst sich niemand gerne. Im Fall der Fälle sind diese Hinweise und Tipps jedoch hilfreich: Was gehört dazu? Was sollten Sie bedenken? Und wie bleiben die Kosten überschaubar?

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Noch immer ist das Thema Tod ein gesellschaftliches Tabu. Niemand möchte sich damit befassen. Im traurigen Fall der Fälle sind die meisten Menschen mit derartigen Entscheidungen überfordert, über Preise und Sonderangebote möchte jetzt kaum jemand diskutieren. Kostenfaktoren und Bestattungsmethoden sind in der Branche deshalb ein gut gehütetes Geheimnis, das erst gelüftet wird, wenn sich die Hinterbliebenen darum kümmern. "Die meisten machen keinen Kostenvergleich, sondern wählen den erstbesten Bestatter, um das Thema schnell hinter sich zu bringen", weiß auch Experte Michael Schomers.

Umso wichtiger ist es, schon zuvor zu wissen, was bei einer Bestattung und bei der Beratung und Rechnung eines Beerdigungsinstituts relevant sein könnte – und wie Sie sich nicht in die Kostenfalle locken lassen. stern TV hat wichtige Punkte zusammengestellt:

Aufgaben abgeben

Bedenken Sie, dass Sie mit dem Todesfall nicht alleine dastehen und deshalb sich deshalb auch nicht um alles alleine kümmern müssen und sollten. Denn wer ist im Trauerfall mit den zahlreichen Aufgaben schon gerne alleine? Verwandte und Freunde möchten sicher gerne unterstützen. Stimmen Sie das weitere Vorgehen mit den nächsten Angehörigen ab. Hier finden Sie eine Checkliste, welche Dinge jetzt zu tun sind.

Hausaufbahrungen

Viele Menschen wissen gar nicht, dass Hausaufbahrungen erlaubt sind", sagt Experte Michael Schomers. Es herrsche der Irrglaube, dass sich nach dem Eintritt des Todes ein Leichengift bilde, vor dem man sich schützen müsse. Deshalb müssten die Toten möglichst schnell abgeholt werden. Leichengift gibt es aber nicht. Laut Bestattungsgesetzen muss ein Toter erst nach 36 Stunden abgeholt werden. Die Bestatter vermieten natürlich lieber ihre Kühlräume, weiß Schomers, findet aber: "Meiner Meinung nach ist die Hausaufbahrung eine schöne Form der Abschiednahme und jeder hat das Recht zu entscheiden, wie er sich verabschieden möchte."

Bestattungsformen

Grundsätzlich haben Sie die Wahl zwischen einer Erd- oder einer Feuerbestattung, das heißt zwischen der Beisetzung des Leichnams in einem Sarg oder der Beisetzung der Asche nach der Einäscherung im Krematorium. Die in Deutschland geltende Friedhofspflicht bedeutet, dass Leichnam oder Asche - mit Ausnahme der Seebestattung - auf Friedhöfen bestattet werden müssen. Hat der Verstorbene seinen Willen dazu nicht erklärt, Insbesondere bei der Feuerbestattung, liegt die Entscheidung bei Ihnen.

Unterlagen für die Bestattung

Für die Formalitäten mit dem Bestatter, der Friedhofsverwaltung und Versicherungen benötigen Sie verschiedene Unterlagen: Personalausweis des Verstorbenen, Totenschein, Urkunden, die den Familienstand des Verstorbenen belegen können (Geburtsurkunde, Stammbuch, Heiratsurkunde oder Scheidungsurteil), Versichertenkarte bzw. Krankenscheinheft, Versicherungsunterlagen, Rentennummer, und ggf. eine Willenserklärung zur Feuerbestattung oder zur Grabmalauswahl.

Sterbegeld

Einen Zuschuss zu den Bestattungskosten, das so genannte Sterbegeld, zahlen gesetzliche Krankenkassen seit 2004 nicht mehr. In einigen Fällen (Beamte, öffentlicher Dienst, Tarifverträge) werden vom Arbeitgeber Zuschüsse gewährt. Privat Versicherte bekommen nur Sterbegeld, wenn das im Versicherungsvertrag gesondert vermerkt ist. In vielen Fällen beantragt der Bestatter das Sterbegeld, der es dann mit seinen Kosten für die Bestattung verrechnen kann.

Sterbegeldversicherung

Jeder kann für sich selbst eine private Versicherung über eine Summe abschließen, die die eigene Beerdigung kosten soll. Im Todesfall wird sie sofort ausgezahlt. Es handele sich dabei um eine Art Kapital bildende Lebensversicherung, doch: Zwar sind die monatlichen Raten nicht so hoch, allerdings sind die Kosten im Verhältnis zur Leistung dennoch zu hoch, heißt es bei Stiftung Warentest.

Totenschein

Bereits der Arzt am Totenbett erweist sich oft als maßlos – mit einer völlig überhöhten Rechnung für den Totenschein. Nach der Gebührenordnung der Bundesärztekammer dürfen Ärzte bei der Durchführung einer Leichenschau für die Untersuchung 14,47 Euro berechnen. Je nach Aufwand dürfe diese Summe um das bis zu 3,5fache erhöht werden, also maximal 51 Euro. Bei einer Anfahrt von mehr als zwei Kilometern dürfen weitere 25,56 Euro hinzukommen. Insgesamt darf ein Totenschein also höchstens 76,56 Euro kosten. "In der Praxis werden im Schnitt jedoch über 100 Euro, manchmal bis zu 200 Euro berechnet", sagt Michael Schomers.

Kostenvoranschlag

Lassen Sie sich vom Bestattungsunternehmen einen Kostenvoranschlag erstellen ohne gleich etwas zu unterschreiben. "Hinterbliebene sollten darauf achten, dass sie im Beratungsgespräch einen detaillierten Kostenvoranschlag erhalten", rät Michael Schomers. „Bei einem guten Bestatter ist das selbstverständlich. Man sollte darauf achten, dass der Kostenvoranschlag in allen Punkten verständlich und transparent ist und der Endpreis alle Leistungen enthält, etwa auch die Friedhofsgebühren. Sollten sich bei der späteren Rechnung Abweichungen zeigen, wird der Kostenvoranschlag relevant. Nur zehn Prozent Abweichung sind zu tolerieren. Auch ist zu beachten, ob die Mehrwertsteuer bereits einberechnet wurde."

Berechnete Beratungsgespräche

Es ist zwar unüblich, dass Beratungsgespräche durch den Bestatter gesondert berechnet werden – der Kunde muss deshalb eigentlich davon ausgehen können. Die notwendige Arbeitszeit kalkulieren die meisten Bestatter in ihre sonstigen Preise mit ein. Mitunter wird dieser Aufwand auch als Rechnungsposten wie „Planung“ oder „Organisation“ ausgewiesen. Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, rät jedoch, diesen Punkt vorab zu erfragen, insbesondere, wenn man zwei oder drei Angebote vergleichen möchte. So können mögliche Mehrkosten vermieden werden.

Kostenrechner

Welche Kosten fallen überhaupt an? Und welche Preise sind für die einzelnen Posten realistisch? Das Portal Aeternitas hat einen Kostenrechner für Bestatterleistungen auf seiner Internetseite. Dort sind alle Posten aufgelistet, die vom Bestattungsinstitut angeboten werden. Die Liste kann zur Orientierung dienen – und um den Bestatter zu bitten, auf dieser Grundlage ein individuelles Angebot zu erstellen.

Vier-Augen-Prinzip

Bitten Sie einen Angehörigen oder Freund, dem Sie vertrauen, um Hilfe bei der Rechnungsprüfung. Er kann einen kritischen Blick auf alle Rechnungen werfen und prüfen, ob die Leistungen einzeln aufgeführt sind, ob sie wirklich alle erbracht wurden und ob es sich um eine berechtigte Forderung handelt.

Rechnung beanstanden

Wer mit der Leistung oder der Rechnung eines Bestatters nicht zufrieden ist, kann sich an die Schlichtungsstelle des Bundesverbandes Deutscher Bestatter wenden. In dem Verband sind die meisten deutschen Bestattungsunterneh¬men organisiert. Dort können Sie eine Kopie der beanstandeten Rechnung hinschicken und Ihr Problem schriftlich schildern. Anschrift:

Bundesverband Deutscher Bestatter
Schlichtungsstelle
Volmerswerther Str. 79
40221 Düsseldorf

Einen guten Bestatter finden

Auf der Website www.gute-bestatter.de können Hinterbliebene nach einem vertrauenswürdigen Bestattungsinstitut suchen. Die dortigen Bestatter verpflichten sich, festgelegte Qualitätskriterien zu erfüllen. Etwa, dass das Unternehmen von ausgebildeten Fachkräften geführt wird, dass es eine offene Preisauskunft gibt und der Kunde einen schriftlichen Kostenvoranschlag bekommt. Derzeit umfasst die Liste allerdings noch wenige Betriebe bundesweit. Wird sie erweitert, kann sie eine wertvolle Hilfe im Trauerfall werden.

Die eigene Bestattung

Lebensversicherung, Unfallversicherung, Testament – Bestattung. Letzteres gehört für Viele zum Thema Vorsorge dazu. Wer für seine Angehörigen Formalitäten und Wünsche für seine eigene Beerdigung vorbereiten möchte, kann diese Checkliste der Verbraucherzentralen ausfüllen und zu seinen persönlichen Unterlegen legen bzw. an einem sicheren Ort aufbewahren. Dort können ebenso wichtige Daten und Kennwörter eingetragen werden.

Ausführliche Informationen und Hilfestellung

Aeternitas e. V. Verbraucherinitiative für Bestattungskultur

Dollendorfer Straße 72
53639 Königswinter

Postfach 31 80
53626 Königswinter

Telefon: 02244 - 92537
Fax: 02244 - 925388
E-Mail: info@aeternitas.de
Internet: www.aeternitas.de

Weitere ausführliche Informationen – auch für die vorsorgliche Planung – finden Sie auf der Internetseite der .

Anlaufstelle für Hilfe bei der Trauer ist die spezielle Website www.gute-trauer.de.

Broschüre Die Verbraucherzentralen haben ein Heft mit dem Titel "Was tun, wenn jemand stirbt?" herausgegeben. Der Ratgeber kostet 5,11 Euro. Sie können ihn unter der Telefonnummer 0 29 62 / 90 86 47 bestellen oder sich hier informieren.

 
 
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