Politische Verfolgung, Krieg, Unterdrückung: Das sind normalerweise Gründe, warum Menschen in den USA Asyl suchen. Auf Familie Romeike trifft all das nicht zu: Sie haben politisches Asyl beantragt, weil sie ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen.

Vor dem deutschen Schulsystem geflüchtet: Uwe und Hannelore Romeike© stern TV
Bei den Romeikes werden christliche Werte groß geschrieben - und genau die werden ihrer Ansicht nach durch das deutsche Schulsystem nicht vermittelt. Im Gegenteil. Mit Hexen, Vampiren und der Evolutionstheorie würden unsere Schulen stattdessen einen antichristlichen Unterricht fördern. Für Hannelore und Uwe Romeike war das Grund genug, ihre Kinder von der Schule zu nehmen - und sie fortan von zu Hause aus zu unterrichten.
In anderen Ländern wäre das kein Problem: Das sogenannte Homeschooling ist in vielen Ländern üblich. In den USA wird inzwischen etwa jedes 20. Kind von seinen Eltern unterrichtet.
In Deutschland ist Bildung dagegen Sache des Staates. Hier greift nicht nur die Bildungs-, sondern auch die Schulpflicht. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Ordnungswidrigkeit. Zwangsgeld, Beugehaft, ja sogar Sorgerechtsentzug können die Folge sein. In Hessen begeht man sogar eine Straftat, wenn man sein Kind nicht zur Schule schickt.

Sollen zu Hause unterrichtet werden: Die fünf Romeike-Kinder© stern TV
Polizei zwingt Kinder zum Unterricht
Das war den Romeikes aus der Nähe von Stuttgart nicht bewusst - sie dachten an nichts Böses, als sie ihre Kinder 2006 von der Schule abmeldeten. Der Grund: Sohn Daniel, heute 12 Jahre alt, und Tochter Lydia (11) litten unter dem ruppigen Umgang unter den Mitschülern. Während Daniel immer verschlossener wurde, reagierte Lydia mit psychosomatischen Kopf- und Bauchschmerzen.
Der Schuldirektor meldete das Vorhaben der Romeikes der Behörde. Und die reagierte prompt: Nach vier Wochen Heimunterricht brachten Polizisten die Kinder unter Tränen in die Schule zurück. Der Polizeieinsatz verängstigte die ganze Familie so sehr, dass sie sich entschloss, das Land zu verlassen.
Ein Anruf aus Amerika bot der Familie eine neue Perspektive: Michael Donnelly, Anwalt der Homeschooling-Organisation "Home Schooling Legal Defense Association" hatte von der Situation der Romeikes erfahren und bot seine Unterstützung an. Dafür musste die siebenköpfige Familie emigrieren. In den USA stellten sie auf Anraten Donnellys einen Asylantrag, weil die Romeikes seiner Meinung nach in Deutschland zu einer politischen Minderheit gehören.
Noch ist der Fall nicht entschieden. Aber für die Romeikes steht fest: Wenn der Asylantrag in den USA abgelehnt wird, dann gehen sie in ein anderes Land, wo Homeschooling erlaubt ist.