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14. Januar 2009, 11:52 Uhr
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Wie Kinder zu Kriminellen werden

Illegale Musik aus dem Internet: Was einer Amerikanerin eine Strafe über 220.000 Dollar einbrachte, kann auch in Deutschland teuer werden. Anwalt Clemens Rasch hat schon über 50.000 User erwischt und mit hohen Summen abgemahnt. Unter den Ertappten sind viele Kinder. Von Stephanie McClain und Sönke Wiese

Kinder am PC: Straftäter nach nur einem Klick© DDP

Ein Name schreckt Internet-Nutzer in ganz Deutschland: Clemens Rasch. Der Anwalt verschickt im Auftrag der Musikindustrie Unmengen von Abmahnungen, nach eigenen Angaben 5000 Stück jeden Monat. Bis zu 100 Ermittler hat er im Einsatz, sie scannen täglich bekannte Tauschbörsen. In ihrem Visier: User, die urheberrechtlich geschütztes Material anbieten. Über 50.000 Menschen hat Rasch schon erwischt.

Zwischen 3000 und 10.000 Euro sollen die Ertappten berappen. Wenige Tage haben sie Zeit für eine Reaktion - sonst wird es noch teurer. In einem Zivilverfahren kann es um einen Streitwert von 100.000 Euro gehen. Zusätzlich kann es zu einer Verurteilung in einem Strafverfahren kommen.

"Es soll wehtun"

Die Plattenbranche macht Ernst, Ausreden oder Flehen helfen nichts. Die Abmahnwelle soll nicht nur ein Signal setzen. "Es soll wehtun", sagt Rasch zu stern TV. Die meisten Menschen wüssten, dass der Musiktausch illegal sei, aber es fehle der Wille, sich danach zu richten. "Jedermann macht es, weil alle glauben, dass sie nicht erwischt werden. Das ist eine Massenstraftat." Tatsächlich wird Rasch die Arbeit nicht so schnell ausgehen. Einer GfK-Studie zufolge haben im vergangenen Jahr 7,5 Millionen Deutsche einschlägige Tauschbörsen besucht, in denen überwiegend illegales Material steht.

Dort sind vor allem Kinder und Jugendliche unterwegs, die die möglichen Konsequenzen unterschätzen. Der Verbraucheranwalt Christian Solmecke sagt: "95 Prozent der Täter sind minderjährig." Für die meisten Kinder ist das sogenannte Filesharing ein harmloses Hobby - bis die Eltern Post von Rasch bekommen.

Dann sitzt der Schock tief. Mindestens 3000 Euro sollen die Abgemahnten sofort zahlen - für manche Familien eine ruinöse Summe. Viele Eltern verstehen kaum, welches Vergehen ihren Kindern vorgeworfen wird. Sie haben keine Ahnung, was Tauschbörsen sind oder wie sie funktionieren. Und sie wären nie auf die Idee gekommen, dass schon wenige Klicks ihrer Sprösslinge zu so horrenden Abmahnsummen führen können. Der heimische PC - eine Falle, die Kinder zu Kriminellen macht?

"Kosten zu hoch gegriffen"

Christian Solmecke, der sich auf IT-Recht spezialisiert hat, meint: "Die Kosten, die die Musikindustrie den Leuten aufbrummt, sind deutlich zu hoch gegriffen." Auch eine geringere Abmahngebühr würde genügend Abschreckung erzielen. Tatsächlich sieht ein aktueller Gesetzesentwurf vor, zumindest die Anwaltsgebühren auf 50 Euro in Bagatellfällen zu begrenzen.

Kritisch findet Solmecke auch, dass "die Musikindustrie die Staatsanwaltschaften instrumentalisiert, um ihre eigenen finanziellen Interessen zu verfolgen." Tausende von verdächtigen IP-Nummern (Adressen von Computern) landen jeden Monat auf den Schreibtischen der Staatsanwälte, aber die Mehrzahl der angestoßenen Strafverfahren wird wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Ein großer Schock ist das Ziel

Das interessiert die Musikindustrie wenig. Denn sie will vor allem in Besitz der Personendaten kommen. Über Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft erfährt sie die Namen und Adressen der ermittelten User. Dann kommen Anwälte wie Clemens Rasch zum Zuge: Sie können nun abmahnen - und in deutschen Kinderzimmern gehörig Schrecken verbreiten.

Auch der Musikindustrie brächte es keinen Spaß, ihre eigenen potenziellen Kunden zu verklagen, meint Rasch. Aber das sei der einzige Weg, um größeren Respekt vor geistigem Eigentum zu erreichen. "Wir können nicht jeden erwischen", sagt er, "aber wir wollen, dass die Botschaft ankommt: 'Es kann auch dich treffen.'"

Wie vermeidet man Strafen? Haben Sie oder Ihre Kinder schon einmal illegal Musik aus dem Netz heruntergeladen? Hier finden Sie die wichtigsten Punkte, die Sie beachten sollten: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Filesharing

Von Stephanie McClain und Sönke Wiese
KOMMENTARE (10 von 130)
 
fuchtel (17.10.2007, 14:45 Uhr)
meine Kinder waren es und ich soll zahlen
wir haben es genauso erlebt, wie der Fall, den sie in Ihrer Sendung gezeigt haben. Meine Kinder haben illegal Lieder runtergeladen. Plötzlich kam der Brief, aus dem hervorgeht, dass ich EUR 4.000,-- an Herrn Rasch zahlen soll. Wir haben uns einen Anwalt genommen, eine von ihm geänderte Unterlassungserklärung unterschrieben u. einen Vergleichsvorschlag gemacht. Mein Anwalt hat uns alleine schon EUR 400,-- gekostet. Für eine Familie, mit zwei Kindern, einem Haus, das abbezahlt werden muß usw. verdammt viel Geld. Kampflos wird Herr Rasch von uns keine EUR 4.000,-- bekommen. Er soll versuchen, es sich bei den Kindern zu holen (dürfte nicht ganz einfach sein).
Schade auch, daß keinerlei Schutz bezöglich der IP-Adresse gegeben ist.
Wir haben auch einen Computerfachmann damit beauftrag, dafür zu sorgen, daß das Programm Bearshaer von unserem PC verschwindet. Auch hierfür mußten wir einen Betrag in Höhe von 150,-- EUR zahlen.
Es kann doch nicht sein, daß die Gerichte alle ein anderes Urteil sprechen für ein und dieselbe "Straftat". Kaum zu glauben, daß das Gericht in Hamburg sich ständig auf die Seite des Herrn Rasch schlägt.
Gruß
Fuchtel
Motzerator (17.10.2007, 13:10 Uhr)
Keine Musik tauschen, aber erstrecht keine Kaufen.
Angesichts der Verbraucher und Kinderfeindlichen Rechtslage kann ich nur jedem empfehlen, keine Musik aus dem Internet zu laden oder dort anzubieten. Vor allem sollte man aber, als Dankeschön für diese Verbraucherfeindlichen und Kinderfeindlichen Gesetze KEINERLEI MUSIK KAUFEN.
Ich mache das schon so, seit das neue Urheberrecht eingeführt wurde. Ich lade nichts runter, aber ich kaufe schon dreimal keine Musik. Stille kann was tolles sein und wenn man noch Gedudel braucht, gibt es diverse Radiosender die man hören und sogar legal aufzeichnen kann.
Was den Rechtsanwalt betrifft, der Download ist kein Massenverbrechen, sondern es ist ein Verbrechen, das dies verboten ist. In einer Demokratie sollte die Mehrheit herrschen, das Urheberrecht sollte daher unbedingt dem Mehrheitsbedürfniss angepasst werden.
Wie gesagt, wer heute noch tauscht geht ein hohes Risiko ein, aber zur Strafe dafür das man es nicht darf sollte man alle Musikanbieter boykottieren.
Kein Geld für Gedudel!
DJArcoMaik (17.10.2007, 11:12 Uhr)
Der Werte Herr Rasch
Ich glaube, alle die beim Filesharing erwischt wurden sind, haben so Art Post vom der Kanzlei Rasch erhalten. Icj selber wurde im Vorjahr beim Filesharing erwischt. Da ich koorperativ war, veranlasste die zuständige Staatsanwaltschaft mir eine Geldbuße von 200 Euro. Diese habe ich natürlich auch ausgeglichen. Kurz darauf bekam ich Post von der Kanzlei Rasch. 3.500 Euro soll ich nun bezahlen. Da aber heute ein normaler kaum noch irgendwo so viel Geld in der Ecke rumzuliegen hat hab ich mich nun mit dieser Sache an einen Schuldnerberater gewendet. Mein Berater schrieb die Kanzlei Rasch an und versuchte denen klar zu machen, dass ich nicht in der Lage bin diesen Betrag zu bezahlen und wollte einen Zahlungsvertrag aushandeln. Die Kanzlei Rasch hielt es allerdings nicht für nötig auf mehrmalige Schreiben von meinem Berater zu antworten. Die Kanzlei schickte mir aber dennoch einen Mahn- und Vollstreckungsbescheid und am Ende den Gerichtsvollzieher ins Haus. Diese Art und Weise von Anwaltskanzlei ist ja wohl das allerletzte. Nach dem ich in der letzten Woche schon die Sendung bei SternTV verfolgt habe und die Kommentare hier auf der Webseite von SternTV gelesen habe, werde ich nun gegen diesen Herrn Rasch vorgehen. Habe mittleweile die Staatsanwaltschaft über das Verfahren informiert. Ich werde nun erstmal auf Antwort warten. Werde natürlich auch heute Abend wieder die Sendung verfolgen. Meiner Meinung nach muss gegen Herrn Rasch und seine Kollegen vorgegangen werden.
Gruß Maik
predator256 (16.10.2007, 20:26 Uhr)
Alles nur Abzocke und völliger Schwachsinn
Hallo erstmal.
Ich muss ganz einfach sagen, dass alles was dieser Rasch macht Kinderkake ist.
1. Herr Rasch ist Geschäftsführer der Promedia, der ja angeblich nix daran hat wenn einer von denen erwischt wird.
2. Die Promedia arbeitet im Dienste der Plattenindustrie. Die so wie man sich denken kann auch Herrn Rasch und seine Firma bezahlt.
3. D.h. DICKE ABZOCKE!!!
4. Kaum fragt ihn der Jauch ob das nicht abzocke wäre da kommt er schon ins Stottern.
5. D.h. wiederholt ABZOCKE!!!
So nun mal einen kleinen Gruss an den Günther. Also ich hoffe das du diesen Text hier vorliest. Die Plattenindustrie sagt:(Zitat Rasch:)Wir wollen keinen in den Ruin stürzen sondern nur einen Denkzettel verpassen! Ok alles klar. Am sonntag bei SpiegelTV wird eine Mutter mit Tochter gezeigt die 3000€ zahlen soll aber selber nix hat. Die Mutter sagt; "Das ist unser Ruin"! Also mal ganz erhlich 3000€ sind ne harte Nuss für jemanden der kaum Geld hat. Da lässt sich bestimmt über anderes Reden. Denn mein Motto ist an die Plattenindustrie: "Der Beste Kopierschutz und Filesharingschutz ist ein färer Preis ihrerseits". Und noch eins: Raupkopierer bekommen bis zu 5 Jahre haft und Geldstrafe (auch von HERRN RASCH) und Kinderficker kommen 2 Jahre in Haft und machen WEITER!!!!!!!!
Das sollte mal zu denken geben.
ICH HOFFE DAS RTL DAS MAL VORTRÄGT!
Gruss der .... aus ....
(Bevor ich noch Post bekomme)
333111222 (15.10.2007, 16:44 Uhr)
was soll das ganze
auch ich habe den Beitrag verfolgt. Kann nur sagen, das die Musikindustrie sich nun einmal Gedanken machen sollte, ob es nicht an der Zeit ist CDs rauszubringen, die die Menschen auch höhren wollen. Vorallen müssen die Preise gesenkt werden, dann werden viele diese auch wieder kaufen und nicht illegal downloaden.
Vergleich: 1995 waren es überwiegend 18 Titel auf einer CD - 2007 sind es fast überall nur noch 10 bis 12.
Und das alles zu höheren Preisen als in den 90zigern. Dort sollte man zuerst ansetzen und nicht die Leute die sowieso kein Geld haben auch noch abzockken.
Known (15.10.2007, 12:20 Uhr)
Daneel
Es ist etwas entschieden anderes!
ein Packen Butter muss man für jeden Menschen der die Butter haben will produzieren. Ein Musikstück wird in massen von Leuten geschrieben und einmal aufgenommen und dann zu hauf verkauft.
Wenn man du sagst das is das gleiche dann müsste man sich ja auf die CD beziehen. Also so ne CD kostet die im Maximalfall 10Cent (Wenn es eine kleine Auflage ist). Also ist es eine CD für 19.90 ca 19900% dieses Preises. Natürlich könnte man noch sagen en Teil davon geht ja an die Künster ... aber das is bei diesem Beispiel nich so wichtig da es ja um Lebensmittel im Supermarkt und dem "Raupkopien" geht.
Das Argument man braucht keine Musik zum Leben ist definitiv nicht richtig.
Ach ja ich tausche Musik natürlich nicht auf legalem Wege.
Daneel (15.10.2007, 11:54 Uhr)
Warum nicht so?
Ich bin der Meinung, dass viele
Sachen im Supermarkt überteuert sind.
Ich habe noch Platz in meinem
Kühlschrank und habe nicht genug
Geld, ihn voll zu kriegen. Außerdem
verdient der Besitzer vom Supermarkt
mehr als ich. Ich werde also Sachen
aus dem Supermarkt klauen. Ich
erwarte, dass die ganzen
Musiktauscher mich solidarisch
unterstützen.
Mit solchen Schwachsinnsargumente
meinen manche Musiktauscher bzw.
-Diebe, man sollte "Verständnis"
für sie haben. Für eine Straftat.
Leute, wenn ihr meint, das Angebot
ist nicht in Ordnung, dann
KAUFT ES NICHT. Aber ihr habt nicht
das Recht, zu klauen. Keiner braucht
Musik; es ist nicht so, als ob man
von überteuertem Krankenhaus oder
so spricht.
Ich wünsche jedem, der illegal
Musik bezieht, eine Gefängnisstrafe,
genau so wie ich dies jedem Dieb
wünsch. Punkt. Fertig. Aus. Und
ich zeige Leute an, von denen ich
weiß, dass sie Diebe sind.
Amiga4000-060 (14.10.2007, 02:57 Uhr)
Verluste der Medienindustrie
Ich will gerne glauben, daß die Umsätze der Medienindustrie in den letzten Jahren zurückgegangen sind - aber lag das wirklich am Kopieren via Tauschbörsen? Oder stellen nicht die Tauschbörsen die letzte, wirksame Werbeplattform dieser Branche dar, seit im Musikfernsehen keine Musik mehr gespielt wird und alle Radiosender nur noch Einheitsbrei dudeln?
Die Medienindustrie wiederholt gebetsmühlenartig die Behauptung, daß sie durch die Internet-Tauschbörsen Milliardenverluste erlitten hätte und weiter erleidet. Zum "Beweis" werden dann oft die aktuellen Umsatzzahlen mit denen aus der Mitte der 90er Jahre verglichen. Das ist aber aus mehreren Gründen unzulässig:
- Damals haben die Menschen aus der ehemaligen "DDR" und dem ganzen ehemaligen Ostblock mit ihrem Nachholbedarf an "Westmusik" der Industrie einen ungeheuren Boom beschert. Jetzt ist eben auch dort eine Sättigung eingetreten.
- Inzwischen haben die meisten Jugendlichen, die die Haupt-Zielgruppe der Plattenindustrie bilden, ein "Handy" und die Rechnungen dafür müssen auch bezahlt werden. Infolgedessen bleibt weniger Geld für CDs übrig.
- Spätestens im Zuge der Rentendiskussion haben wir erfahren, daß es immer weniger Kinder und Jugendliche gibt, d.h., die Zielgruppe ist kleiner geworden.
- Der Einzelhandel und die Automobilindustrie haben heute ebenfalls Absatzprobleme - liegt das daran, daß die Leute mit raubkopierten Golfs durch die Gegend fahren?
- Es gibt inzwischen ein weiteres Unterhaltungsmedium auf dem Markt: Die Video-DVD. Teilweise feiern dieselben Konzerne, die über die Umsatzrückgänge bei Musik-CDs jammern, Umsatzzuwächse von 70% und mehr bei DVDs. Zusammenhänge will man aber nicht erkennen.
sweetlife (12.10.2007, 21:03 Uhr)
UE
habe eine UE an die besagten firmen geschickt,obwohl ich keine abmahnung oder dergleichen bekommen habe.nun die frage,die haben ja jetzt meine adresse,-werden die sich nicht fragen und anchforschen ob ich in der vergangenheit filesharing gemacht habe??oder was kommt jetzt von denen als antwort??ich grübel schon die ganze zeit....
willgatt (12.10.2007, 18:02 Uhr)
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