4. Juli 2012, 22:15 Uhr

Miese Arbeitsbedingungen bei Billigfriseuren

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und werben mit Haarschnitten ab zehn Euro: Billigfriseure. Doch die Niedrigpreise gehen auf Kosten der Mitarbeiter. stern TV hat mit Betroffenen gesprochen.

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Waschen, Schneiden, Legen für zehn Euro: Die Friseure stehen unter Druck.©

Fast eine Viertel Million Menschen arbeiten in Deutschland in der Friseurbranche. Dennoch existieren für diese Arbeitnehmer nur in vier Bundesländern Tarifverträge, in denen eine Lohnuntergrenze festgesetzt ist. Friseurläden in Bundesländern ohne derartige Tarifverträge sind nicht gebunden. Ein Grund, warum die Zahl der Billigfriseurläden weiter steigt.

Bereits jeder zehnte Friseur in Deutschland ist mittlerweile ein Discounter. Und dort waschen, schneiden und föhnen die Angestellten tagtäglich im Akkord. Doch das hat gravierende Folgen: "Lohndumping ist in der Friseurbranche an der Tagesordnung. Recht und Gesetz werden nicht eingehalten. Überstunden werden nicht bezahlt und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist die Ausnahme", sagt Andrea Becker von der Dienstleistungsgesellschaft Verdi. Wer da nicht mitmacht, wird einfach gekündigt.

Hartz IV für voll arbeitende Friseure

Den meisten Angestellten in den Billigfriseurläden reichen die Löhne nicht einmal zum Leben. Vielfach müssen sie durch staatliche Aufstockungsleistungen unterstützt werden. "Wer zu einem Friseurladen geht, an dem das Schild hängt '10 Euro pro Haarschnitt', der muss wissen, dass er letztendlich als Steuerzahler mit zahlt, denn für einen 10 Euro-Haarschnitt kann kein Lohn gezahlt werden, von dem man leben kann", so Andrea Becker.

Ein Beispiel ist die ausgebildete Friseurin Mira R. Anfangs war sie froh über ihre erste Stelle bei einem Discount-Friseur. Doch trotz einer 50 Stunden-Woche lebte die Berlinerin am Existenzminimum. Netto blieben ihr im Monat nur 675 Euro. Nachvollziehbar, dass sie sagt: "Das reicht hinten und vorne nicht, man kann sich nichts leisten. Da kann man nicht sparen." Von der Agentur für Arbeit bekam sie ergänzend 176 Euro Hartz IV.

Zuschauer würden mehr zahlen

Damit ausreichende Löhne gezahlt werden können, müsse ein Haarschnitt 25 bis 30 Euro kosten, sagte René Krompholz, Friseurmeister aus Düsseldorf und Begründer der Internet-Initiative "Der faire Salon" zu stern TV. Dabei sind viele Bundesbürger tatsächlich bereit, mehr für einen Haarschnitt zu bezahlen, wie eine stern TV-Online-Umfrage während der Live-Sendung am 04.07. ergab: An der Abstimmung beteiligten sich über 2.100 Personen. Demnach sind Männer im Durchschnitt bereit, 23,30 Euro für ihre Frisur auszugeben, Frauen ist ihr Haarschnitt durchschnittlich sogar 33,70 Euro wert - weitere Leistungen wie Färben oder Dauerwellen noch nicht eingeschlossen.

Die stern TV-Zuschauer liegen (Männer und Frauen zusammengenommen) mit einem Durchschnitt von 28,50 Euro für einen Haarschnitt demnach im grünen Bereich - eine mögliche Perspektive, dass sich langfristig an der Discouter-Philosophie unter den Friseursalons doch noch etwas ändern könnte? Voraussetzung: Politik und Arbeitgeber arbeiten gemeinsam an einer marktrealistischen Lösung.

 
 
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