Wie Kinder über Online-Spiele abgezockt werden

4. Juni 2013, 12:15 Uhr

Viele kostenlose Online-Spiele locken bewusst Kinder in ihre Welten. Doch wer weiterspielen will, muss zahlen! Wie Eltern durch In-Game-Käufe abgezockt werden und was Verbraucherschützer empfehlen.

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Nur einen Klick und ein paar Euro entfernt ist die schillernde Spielewelt noch schöner!©

Offiziell richten sie sich an Volljährige. Doch die kostenlosen Online-Spiele locken scharenweise Kinder in ihre Welten und werben mit attraktiven Extras - gegen bares Geld. Sie nennen sich "Free to Play"-Spiele und verfolgen ein durchschaubares Geschäftsmodell: Die Spiele werden im Internet oder als Spiel-App zunächst kostenlos angeboten. Doch nach einer Weile Spielspaß stoßen sie an ihre Grenzen. Um im Spiel mithalten zu können, kann der Spieler per Klick virtuelle Güter dazu kaufen: Bonuspunkte, Schwerter, Schutzschilde oder schicke Kleidung für den Spielcharakter. Gerade für Kinder ist dann die Versuchung groß. Hinzu kommt der Konkurrenzgedanke bei einem gerade angesagten Spiel. "Das Ansehen, das Kinder im Spiel erlangen, trägt auch zum Ansehen in der realen Welt bei", weiß IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel. "Kinder unterhalten sich in der Schule darüber, wer beispielsweise mehr Punkte hat und sind so schnell auch beliebter bei den Mitspielern. Das animiert auch andere zum Kauf von 'Beliebtheit'."

600 Euro für virtuelle Güter

Viele Spieleanbieter setzen auf genau diese Motivation unter Kindern – und auf ihr Taschengeld. Die zwölfjährige Michelle hat in dem Spiel "Moviestar Planet" auf diese Weise über 600 Euro verspielt, mehr als ihr Taschengeld. "Sie ist süchtig", sagt Jürgen Fleischer über seine Tochter. "Wenn wir ihr das Internet verbieten, dann spielt sie bei Freunden weiter, wenn die Kreditkarte weg ist, nimmt sie sich das Handy. Und wenn wir kurz unachtsam sind, dann langt sie bei der Kreditkarte wieder zu.“ Das Mädchen ist kein Einzelfall. Denn die Spiele sind geradezu auf die Bedürfnisse dieser Altersgruppe ausgerichtet. Kleidung, Accessoires und ein toller Status in der virtuellen Freundinnen-Welt lassen sich erkaufen.

Mit Prepaid-Karten das Taschengeld verspielt

Auch der zehnjährige Hendrik kaufte in seinem Lieblingsspiel "Brick-Force" kräftig ein, um besser zu spielen, als seine Freunde. Dafür braucht er bessere Waffen und Schutzkleidung. Er wird zum Bezahlen aufgefordert. "Dort konnte man mit Kreditkarte bezahlen, die hatte ich nicht. EC-Karte auch nicht", berichtet der Junge. "Aber man konnte auch mit einer Pay-Safe-Karte zahlen. Dann bin ich zur Bank und habe dort mein Taschengeld abgehoben." An der Tankstelle kaufte er sich eine solche Prepaid-Karte für 50 Euro. Im Spiel musste er nur noch die PIN eingeben. Das machte Hendrik zwei Mal. Für insgesamt 70 Euro, die er zur Kommunion bekommen hatte, kaufte er sich Waffen und Schutzkleidung. Als seine Eltern die Ausgaben bemerken, legen sie sofort Widerspruch ein. Doch die Firma hinter Brick-Force.com, namentlich Infernum Production AG, weigert sich das Geld zu zurückzuzahlen. Die Ware sei ausgehändigt und verbraucht, somit bestünde kein Rückgaberecht. Verbraucherschützer Thomas Bradler ist sich jedoch sicher: "Hier ist kein Vertrag zustande gekommen, das Geld muss in jedem Fall zurückgezahlt werden."

Widerspruch einlegen lohnt

Die Gefahren der Online-Spiele und die Problematik der In-Game-Käufe ist Verbraucherschützern längst bekannt. Sie helfen Eltern bei den erforderlichen Schritten, wenn ein Kind bereits in die Kostenfalle getappt ist. Denn: In vielen Fällen sind die Käufe und Verträge der Kinder unwirksam und können angefochten werden. Es sei denn, die Eltern haben dem Vertrag zugestimmt. Ein Blick in die AGBs der Spiele zeigt oftmals, dass sich die Anbieter sehr wohl bewusst sind, dass sie Kinder ansprechen. Selbst wenn sie sich offiziell an Volljährige wenden. Eine tatsächliche Altersprüfung findet selten statt. Verdächtig werden solche Online-Spiel-Seiten laut Experten, wenn insbesondere Informationen für Eltern zu finden sind. „Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die Betreiber sehr wohl wissen, dass unter ihren Kunden auch Kinder sind“, sagt Tobias Schrödel. Wohl nicht nur aus diesem Grund zeigt sich "Moviestar Planet" betont kooperativ, wenn es um die Rückerstattung der Gelder geht. Eine Beschwerde oder ein Widerspruch lohnt in jedem Fall. Michelles Eltern bekommen das Geld wieder. Und glücklicherweise sagt auch die Zwölfjährige selbst inzwischen: " Mir wird das Spiel jetzt langweilig."

Der Taschengeld-Paragraph Oft berufen sich Anbieter auf den so genannten "Taschengeldparagraph". Im Bürgerlichen Gesetzbuch wird der unter der Überschrift „Bewirken der Leistung mit eigenen Mitteln“ geführt (§110). Demnach kommt ein Vertrag auch ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters mit einem Minderjährigen ab sieben Jahren zustande, wenn das Kind die Leistung mit Mitteln bewirkt, die ihm zu diesem Zweck oder zur freien Verfügung stehen. Zum Beispiel Taschengeld oder ein Geldgeschenk. Hier lässt sich jedoch argumentieren, dass das ausgegebene Geld zweckgebunden und nicht für die Ausgabe in Online-Games gedacht war.

Diese Programme schützen Kinder vor Käufen in Online-Spielen Mit so genannten Kinderschutzprogrammen können Sie bestimmte Online-Spiel-Seiten auf dem Computer blocken oder nur bestimmte Seiten zulassen. Manche Programme können auch die Internet-Surf-Dauer beschränken.

Eine Liste von einfach zu nutzenden Programmen finden Sie auf der Kindersicherheitsseite fragfinn.de.

stern TV hat beispielhaft die Schutzsoftware K9 (englisch) vorgestellt. Hier ist vorab eine kurze Registrierung notwendig. Alternative Programme dazu finden Sie auf dieser Internetseite. Doch nicht jedes Programm ist für jeden Rechner und jedermann gleich gut geeignet. Deshalb kann kein bestimmtes Schutzprogramm empfohlen werden.

Übrigens: Viele Viren-Schutz-Programme bieten ähnliche Funktionen automatisch mit an.

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