Der Nepp mit den DSL-Verbindungen

20. Juni 2013, 10:15 Uhr

Highspeed-Surfen und ultraschnelle Downloads per DSL 16000 - damit locken Internetanbieter ihre Kunden. Die Realität sieht anders aus, wie Tests beweisen. Selbst eine Brieftaube könnte schneller sein.

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Knoten im Kabel? Viele Kunden surfen langsamer im Internet, als von den Anbietern angepriesen.©

Eine drahtlose Internetverbindung gibt es fast in jedem Haushalt. Filme streamen, Videos und Musik aus dem Netz herunterladen, Dateien verschicken – all das gehört mittlerweile zum Freizeitalltag. Mit einer leistungsstarken Internetleitung soll das komfortabel sein. Anbieter von "Highspeed-Surfen" und "Turbo-Geschwindigkeiten" per DSL 16.000 oder gar 50.000 gibt es auch genügend. Doch: "Diese Versprechen werden von keinem Anbieter eingehalten", weiß Alexander Krug von der Computer Bild. Die Zeitschrift hatte über einen Zeitraum von einem Jahr Tarife und Geschwindigkeitsleistungen der populärsten DSL-Anbieter getestet und Tausende Messungen durchgeführt. Das Ergebnis: Statt der angepriesenen 16.000 oder 32.000 Kilobit pro Sekunde leisten die Verbindungen oft nur gut die Hälfte. Und das bundesweit, ob Telekom, Alice, O2 oder Unitymedia.

Halbe Leistung – voller Preis?

stern TV überprüft die These direkt beim Endkunden: Der Anbieter von Heinz Dieter Michels aus Köln verspricht ihm eine Bandbreite von bis zu 18 Mbit pro Sekunde. Ein Testprogramm zeigt schnell: Er surft nur mit knapp 6.000 Kilobit pro Sekunde – ein Drittel der versprochenen Leistung. Ein zweiter Test: Sebastian Roch aus Dresden hat eine 16 Mbit-Leitung bei 1&1 gebucht. Doch seine Leitung sei deutlich schwächer, sagt er. stern TV macht auch hier den DSL-Speed-Check: Am Laptop des 32-Jährigen kommen deutlich weniger als 16 Mbit pro Sekunde an. Ergo: In diesen Fällen liefern die Leitungen tatsächlich weit weniger als versprochen.

Werbeversprechen werden nicht eingehalten

André Beste aus Köln wollte sich das nicht länger gefallen lassen. Seine Familie ist seit Jahren Kunde beim DSL-Anbieter Netcologne. Laut Vertrag aus 2008 bekommt Beste eine Bandbreite von bis zu 18.000 Kilobit pro Sekunde für 39,90 Euro monatlich. Der Ingenieur hat aber wiederholt den Eindruck, dass er nicht so schnell surft, wie er eigentlich sollte. Auf Nachfrage bei Netcologne wird ihm versichert, dass zumindest 14 Mbit ankommen. "Dann dachte ich mir: Okay, 14.000. Da kannst du ja eigentlich auch noch mit leben", so der Kölner. Doch als die DSL-Leitung wieder Probleme macht, überprüft er die Geschwindigkeit selbst. Zunächst mit einem Internet-Speed-Test, dann lässt er sogar einen Techniker kommen. Die Messungen ergeben: André Beste hat nicht einmal 5 Mbit pro Sekunde.

Als er den Anbieter damit konfrontiert, antwortet Netcologne überraschend, dass die angebotenen 18 Mbit technisch gar nicht erreicht werden können. Netcologne stuft den Vertrag daraufhin herunter und André Beste muss fünf Euro weniger im Monat bezahlen. Allerdings: Nur auf Drängen des Kunden und fünf Jahre nach Vertragsabschluss.

Das Geld für den überteuerten Tarif will Net-Cologne rückwirkend erst einmal nicht erstatten. "Das ist aus meiner Sicht Betrug", sagt Christan Somecke, Spezialist für Internet- und Medienrecht. "Bei allen Prüfungen ist herausgekommen, dass hier nur 6 Mbit am Anschluss unseres Mandanten zur Verfügung stehen. Und wenn man 18 Mbit verspricht, aber nur sechs Mbit liefert, dann klafft da eine so große Differenz, dass es erstens ein Recht zur sofortiger Kündigung und zweitens auch einen Schadensersatzanspruch gibt", so der Anwalt.

Internet vs. Brieftaube

stern TV startet ein weiteres Experiment: Könnte eine Brieftaube einen Datentransfer womöglich schneller erbringen, als eine DSL-Leitung? Taubenzüchter Karl-Josef Wachendorf und sein Nachbar Hans-Josef Pelm sollen es ausprobieren: Wer kann ein gedrehtes Heimvideo von sieben Minuten Länge schneller transportieren? Pelm wird es mit seiner 16.000er Internetleitung übertragen, Wachendorf soll dafür eine seiner Brieftauben losschicken.

Teil Eins des Versuchs: Brieftaube Flo fliegt am Mittwochmittag mit der Datei auf einem Chip vom stern TV Studio in Hürth zurück in ihren Taubenschlag nach Fritzdorf – etwa 40 Kilometer. Nach 66 Minuten und 5 Sekunden hält Karl-Josef Wachendorf die Speicherkarte wieder in den Händen. Wie wird die DSL-Leitung dagegen abschneiden?

Während der stern TV-Sendung wurde das Duell final ausgetragen: Das Video sollte vom Rechner des Nachbarn Hans-Josef Pelm zurück ins Fernseh-Studio übertragen werden. Doch nach 1:06 Stunde war der Transfer noch immer nicht ganz abgeschlossen.

Testen Sie hier Ihre DSL-Leitung Liefert Ihr Anbieter die abgerechnete Geschwindigkeit? Hier können Sie Ihre Leitung testen: Der DSL-Check auf der Internetseite der Computer Bild liefert sofort die Grunddaten wie Down- und Uploadrate Ihrer Internetverbindung.

Hinweis: Führen Sie den Test am besten mehrmals zu unterschiedlichen Zeiten durch. Sollten Sie Zweifel an der Leistung haben, können Sie hier nachlesen, was Sie für die Verbesserung Ihrer DSL-Geschwindigkeit tun können.

 
 
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