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8. Mai 2008, 11:49 Uhr
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"Ein Monster hätte anders gehandelt"

Gehört der Inzest-Vater von Amstetten nicht ins Gefängnis, sondern in psychiatrische Behandlung? Mit seiner Ankündigung, auf Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten zu plädieren, hat Josef Fritzls Anwalt Rudolf Mayer für Empörung gesorgt. Bei stern TV berichtete Mayer, warum sich Fritzl auf die Gerichtspsychiaterin freut.

Amstetten: Überall herrscht Fassungslosigkeit über Fritzls Taten© APA

Morddrohungen hat er bekommen, aus aller Welt, per Brief und am Telefon, selbst Kollegen schütteln den Kopf über ihn: Rudolf Mayer, Anwalt von Josef Fritzl. Beim kommenden Prozess wird die Weltöffentlichkeit auf ihn schauen und wissen wollen, was er zur Verteidigung des Inzest-Vaters vorbringen will. Wie kann man sich für jemanden einsetzen, der so perfide Taten begangen hat wie Josef Fritzl? Der seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem Verlies einsperrte, sie immer wieder vergewaltigte und drei der im Inzest gezeugten Kinder ebenfalls in dem Keller hielt.

"Natürlich sehe ich die Ungeheuerlichkeit und Abscheulichkeit dieses Falles", sagte Mayer zu stern TV, aber als Anwalt müsse man die Emotionen von der Aufgabe trennen. "Sonst verbrennt man innerlich." Um das Mandat für Fritzl habe er sich nicht bemüht, stellt er klar. Er sei von dem Zivilrechtsanwalt Fritzls darum gebeten worden und wollte die Hilfe nicht versagen. Das gehöre zum Berufsethos der Verteidiger. "Ein Chirurg muss auch einen Diktator operieren und darf ihn nicht verbluten lassen."

"Fritzl wirkt emotional zerbrochen"

Bislang viermal hat Mayer mit seinem prominenten Mandanten gesprochen. Fritzl wirke stark gealtert, viel älter als auf den bekannten Fotos. "Er wirkt emotional zerbrochen und sitzt gottergeben vor mir." Vielleicht werde ihm jetzt erst bewusst, was er getan habe und leide mit seinen Opfern, mutmaßt Mayer. Oder Fritzl merke, dass er krank sei.

Dass er auf Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten plädieren wolle, sei kein Winkelzug von ihm, sagte Mayer bei stern TV. "Das war die Idee der Staatsanwaltschaft, ihn psychiatrisch begutachten zu lassen. Meine Verteidigungsstrategie ist nun zu klären, ob er schuldfähig ist oder nicht."

Ein Monster jedenfalls, wie Fritzl viele bezeichnen, sei der 73-Jährige nicht. "Er hätte alle töten und verbrennen können, keiner wäre ihm auf die Schliche gekommen, und er wäre in Frieden gestorben", sagte Mayer im Studiogespräch mit Günther Jauch. "Stattdessen hat er seine Tochter aus dem Keller gelassen, obwohl er wusste, was passiert, wenn sie spricht. Als Monster hätte er ganz anders handeln können." Hätte er nur eine "Sexsklavin" haben wollen, hätte er auch die Geburt der Kinder nicht zugelassen. "Kinder bedeuten Entdeckungsgefahr und unglaublich viel Arbeit."

"Ich danke Gott für neutrale Geschworene"

Den Zorn der Menschen auf Fritzl könne er gut verstehen, sagte Mayer, auch für ihn sei es eines der abscheulichsten Verbrechen, mit dem er bislang zu tun hatte. "Aber jeder kultivierte Mensch muss die Emotionen unterdrücken, um dem Fall gerecht zu werden. In einer Lynchkultur kann immer der Falsche getroffen werden." An den heftigen Reaktionen erschüttert Mayer vor allem, dass die Rechtsstaatlichkeit vielen Bürgern plötzlich nichts mehr bedeute und auch er als Anwalt zur Zielscheibe der Empörung werde. "Wenn für den Prozess unvoreingenommene Geschworene gefunden werden, dann danke ich Gott", sagte Mayer.

Für Reinhard Haller, ein Gerichtspsychiater, der schon über 300 Mörder untersucht hat, ist klar, dass jemand wie Fritzl nicht geistig schwachsinnig sein könne. "Dagegen spricht die hohe Logistik, die Planungsfähigkeit und der Verstand, mit dem das Verbrechen durchgeführt worden ist", sagte Haller zu Günther Jauch. Für den Psychiater gibt es neben "normal" und "nicht normal" noch eine dritte Kategorie: "Das Böse."

Er habe Fritzl nicht geraten, vor der Staatsanwaltschaft zu schweigen, sagte Anwalt Rudolf Mayer, die Entscheidung habe er ganz seinem Mandanten überlassen. Doch eines wisse er: "Das ist nicht zynisch gemeint, aber Fritzl freut sich auf die vom Gericht bestellte Psychiaterin, bei der er sich nun erst einmal alles von der Seele reden kann."

söw

KOMMENTARE (7 von 7)
 
Sublucem (08.05.2008, 08:27 Uhr)
Einmal in die Runde gefragt
Ist der, der einem Menschen, der wiederum Täter ist, übelst misshandelt und in den Tod treibt besser als jener, der die Grausamkeit begangen hat? Ist der einzige Unterschied die Moral?
Na Prost Neujahr. Mit dem Argument lassen sich einige Dinge durchsetzen, so ist das nicht. Gerade der Begriff der "Moral" ist wandelbar, höchstgradig. Das bedeutet nicht, dass ich das, was geschehen ist, als "gut" erachte.
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Es heißt aber, dass das Messer, dass jenen tötet, der mit dem Messer tötet, eben auch ein Messer ist - egal was die Motive sein mögen.
-ich- (08.05.2008, 08:21 Uhr)
Es gibt viele Fritzls
Wenn man so manchen Kommentar hier liest muss man leider feststellen, dass anscheinend einige mit Fritzl geistig auf der selben Stufe stehen.
Der Unterschied ist nur, dass Fritzl seine kranken Fantasien schon seit vielen Jahren in die Tat umgesetzt hat...
1253sarah (08.05.2008, 07:29 Uhr)
Er soll kein Monster sein???
Ich finde es unglaublich, wie man sagen kann, der Mann sei kein Monster sondern krank. Er hat alles minutiös jahrelang geplant, konnte ein perfekt einstudiertes Doppelleben führen und jetzt sei er unzurechnungsfähig? Bitte, wo kommen wir denn hin? Ist es so schwer zu sagen, dieser Mann gehört lebenslänglich hinter Gitter? ICh verstehe unser Rechtssystem nicht. Denkt man auch mal darüber nach, was er seiner eigenen Tochter und den KIndern angetan hat? Sie werden wahrscheinlich nie mehr ein normales Leben führen können, müssen eine neue Identität annehmen. Elisabeth wird sicher nie wieder einen Mann lieben können. Denkt man darüber mal nach? Und dann sagt der Anwalt noch, Fritzl würde "gottergeben da sitzen und langsam würde ihm das alles klar werden, was er getan hat". Dieser Mann ist ein Monster, gehört weggesperrt oder besser noch hingerichtet. Ein Mensch, der andere Menschenleben zerstört und systematisch ruiniert und so grausame Dinge tut, hat kein Recht auf einen "fairen Prozess", geschweige denn ein Leben.
Mir hat gefallen, was der Gerichtspsychiater gesagt hat. Dass es neben "normal" und "unnormal" auch schlichtweg "böse" gibt und das ist Fritzl nunmal. Sollte sich hinterher rausstellen, dass er doch "unzurechnungsfähig" ist, heißt es wieder, die psychisch Kranken sind alle gefährlich und zu solchen Taten fähig!
Das sind Gründe, warum Psychiatrie und alles, was damit zu tun hat, verschrieen sind!
Sublucem (08.05.2008, 06:22 Uhr)
Ich verstehe es nicht
Jeder Mensch verdient die Chance auf einen fairen Prozess. Der ganze Umfang der grausamen Tat wird doch hierdurch nicht relativiert.
fr1951 (08.05.2008, 01:36 Uhr)
briefe von Elisabeth
Ich habe gerade die "sun online" gelesen. Die zitieren Briefe von Elisabeth geschrieben kürzlich bevor ihrer Gefangenschaft. "Dungeon girl's letters to friend". Es ist sehr berührend. Sie war ein sehr nettes Mädchen.
lexi6 (07.05.2008, 23:18 Uhr)
Ist Josef Fritzl unzurechnungsfähig??
Es ist eine unglaubliche Frechheit der Medienschaffenden immer wieder zu behaupten oder den Sachverhalt in diesem Licht erscheinen zu lassen, das ein Schwerverbrecher auch nur ein Schwerverbrecher ist oder wurde, weil er Unzurechnungsfähig und/oder psychisch Krank war oder ist.
Ich, selber bin psychisch Krank, und weiss haargenau, dass wenn es nur psychisch Kranke gäbe, gäbe es bereits seit über hundert Jahren keinen Krieg mehr!
Es sind die "normalen" die einen Ersten und Zweiten Weltkrieg mit Millionen von Toten geführt haben. Vietnamkrieg, Hungersnöte Korruptionen, etc.
Im Nachhinein dan Adolf Hitler zu einem psychisch Kranken zu machen ist wohl das einfachste für die sogenannt "Normalen". Ganz nach dem Motto: Wir sind Gesund, krank sind die Anderen. Eigentlich ist dieses Verhalten der "Normalen" ja geradewegs krank! ;-]
Sei's drum, aber dies soll hier nun mal gesagt sein.
Wie auch folgendes:
Denken Sie, dass es ein wahnsinnig schönes Gefühl ist, wenn man während eines psychiatrischen Aufenthaltes, wo man mit sich selber schon genug Probleme hat, erfährt, dass ein Mitpatient, der denselben Klinikaufenthalt macht, nur hier ist, weil er eine ganze Familie sexuell missbraucht hat???
Meines Wissen's aus den Statistiken sind sogenannt psychisch Kranke im Grunde der Dinge weniger kriminell als sogenannte Gesunde.
Also hört doch endlich auf aus jedem kriminellen "normalem" Menschen einen psychisch Kranken machen zu wollen.
Die Öffentlichkeit ist ja schon fast darauf eingeschossen in jedem kriminellen einen psychisch Kranken und dann eben auch in jedem psychisch Kranken einen Krîminellen zu sehen.
Und dies merk' ich, wenn ich jemandem über mein psychische Angeschlagenheit erzähle.
Der meint dann eventuell ich könnte ja auch kriminell sein. Und das ist nicht förderlich um die Kluft zwischen den psychisch Kranken und den "Normalen" kleiner zu machen.
Friede mit Euch
lexi6
Junetwin (07.05.2008, 23:15 Uhr)
Unglaublich
Plädieren auf Unzurechnungsfähigkeit! Damit hätte wohl niemand gerechnet, oder? ;-) Ich schätze mal jeder, der von diesem Fall erfahren hat, weiß, dass dieses Verhalten nicht der Norm entspricht?
Nicht der Norm entsprechen: Was ist mit Dieben, Vergewaltigern, Steuerhinterziehern?? Sind die alle unzurechnungsfähig?
Wer so eine unglaubliche Tat wie der Fritzl begangen hat, ist meiner Meinung nicht!!! unzurechnungsfähig. Der erste Raum wurde vor der Entführung gebaut, die anderen Räume später geschickt um das Gebäude gebaut. Es gehört einiges an gesundem Menschenverstand dazu um so etwas zu planen, ohne dass es die Umwelt (angeblich) mit bekommt. 24 Jahre lang unzurechnungsfähig 2 Leben parallel gestalten? Wie bitte soll das denn gehen?
Ich kann den Verteidiger nicht verstehen, der dieses behauptet und überhaupt so einen Mandanten freiwillig vertritt. Das beste Gehalt der Welt kann doch nicht aufwiegen, was der Fritzl seiner Tochter, seinen Enkeln/Kindern, seiner Frau und dem Rest der Familie angetan hat!
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