Ihre Geschichte wurde bereits verfilmt: Die einjährige Inhaftierung einer Deutschen in Tansania. Sie sollte ihren Mann ermordet haben - und dafür die Todesstrafe bekommen. Wie es mit ihr weiter ging.

Seit Oktober 2011 verheiratet: Kerstin Cameron und Karlheinz Kutschenreiter© stern TV
Hand in Hand gehen sie in ein neues Leben: Kerstin Cameron und Karlheinz Kutschenreiter. "Ich hätte niemals für möglich gehalten, dass ich mich noch einmal verlieben würde", sagt die 52-Jährige. Denn Kerstin Cameron hatte das Vertrauen verloren: in die Menschen, in die Justiz. 370 Tag saß sie unschuldig im Gefängnis im afrikanischen Tansania. Einzelhaft. Der Vorwurf: Sie sollte ihren Mann erschossen haben.
Rückblick: Kerstin Cameron heiratet 1994 in zweiter Ehe den Neuseeländer Cliff Cameron. Sie bekommen zwei Söhne, Tell und Lachlan. Gemeinsam betreiben sie eine Charterfluggesellschaft für Safaritouristen und Geschäftskunden in Tansania. Doch die Ehe beginnt zu kriseln, die Fluggesellschaft geht pleite, Cliff Cameron hat Millionenschulden. Am 5. Juli 1998 passiert es: Cliff Cameron kommt angetrunken nach Hause. Der Waffennarr schießt sich im Ehebett in den Kopf - vor den Augen seiner Frau.
Die Polizei stellt den Selbstmord des Mannes eindeutig fest. Doch Cliff Camerons Eltern wollen nicht akzeptieren, dass sich ihr Sohn umgebracht haben soll. Sie schalten Privatdetektive ein, die gegen die Schwiegertochter vorgehen. Knapp zwei Jahre nach dem Tod von Cliff Cameron wird Kerstin Cameron am 4. Mai 2000 überraschend verhaftet. Die Anklage lautet: Mord. Ihr droht die Todesstrafe.
Martina Gehrken, die selbst in Tansania lebt, erlebt die Verhaftung ihrer besten Freundin Kerstin Cameron hautnah mit, kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. "Der Mann war unberechenbar. Wenn er betrunken war, spielte er mit Waffen", erinnert sie sich an den Mann ihrer Freundin.
Der Fall macht weltweit Schlagzeilen. Auch Karlheinz Kutschenreiter erfährt davon und erkennt in Kerstin Cameron sofort seine alte Schulfreundin. Er nimmt Kontakt mit ihren Eltern auf, will helfen.
Unterdessen sitzt Kerstin Cameron in einem heruntergekommenen Gefängnis und wartet auf den Tag ihres vermeintlichen Todes-Urteils. Dann die Erlösung: Freispruch! Zu viele Indizien belegten den Selbstmord des Mannes. Kerstin Cameron verlässt umgehend das Land, will endlich ihre Kinder wiedersehen. "Ich kam mir vor, als ob ich träume", erinnert sie sich. In einem Buch schreibt sie sich das Erlebte von der Seele. Ihre lebensgeschichte verfilmte die ARD mit Veronika Ferres in der Hauptrolle.
Zurück in Deutschland treffen sich Kerstin Cameron und Karlheinz Kutschenreiter nach 30 Jahren wieder. Und aus Freundschaft entsteht Liebe. Doch bis sie sich auf eine neue Beziehung einlassen kann, vergehen weitere sieben Jahre. Dann endlich heiraten die beiden doch. "Wir sind fast Seelenverwandte. Wir sehen die meisten Sachen gleich", sagt sie nun glücklich. Elf Jahre sind seit dem Freispruch vergangen. Und endlich kann Kerstin Cameron wieder lachen.
Buchtipp Kein Himmel über Afrika: Eine Frau kämpft um ihre Freiheit. Von: Kerstin Cameron. Erschienen im Ullstein Taschenbuchverlag. ISBN-Nummer: 978-3548364377. Preis 8,95 Euro.
Mehr Informationen über Kerstin Cameron, ihr Buch und ihr Hilfsprojekt in Tansania finden Sie auf ihrer Internetseite.