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26. November 2008, 22:15 Uhr

Aus der Bahn geworfen

Kinder ohne Fahrkarte

Die Bahn spricht immer von bedauerlichen Einzelfällen, vom Fehlverhalten weniger Zugbegleiter, und dass so etwas bestimmt nicht wieder vorkommt: Es geht um Kinder und Jugendliche, die ohne gültigen Fahrschein im Zug erwischt werden und dann unterwegs aussteigen müssen.

Schaffner werfen Kinder aus dem Zug: Solche Fälle häuften sich in letzter Zeit© dpa/ picture-alliance

Oft haben die Kinder nicht ausreichend Geld für ein Taxi oder sie sind ratlos, wie sie mit anderen Verkehrsmitteln nach Hause kommen können. Kaum hat ein Bahnsprecher wieder zu einem solchen Einzelfall Stellung genommen, passiert schon der nächste. Während Recherchen stieß stern TV auf mehrere sogenannte Einzelfälle, die sich alle erst vor kurzem ereigneten.

Und die haben vor allem zwei Dinge gemeinsam: Die jugendlichen Opfer konnten immer glaubhaft darlegen, dass sie nicht absichtlich schwarzgefahren sind. Dennoch ließen sich die Bahnbediensteten nicht erweichen und setzten die Kinder aus. Links in der Spalte sind einige Beispiele.

Wenn Ihnen weitere Fälle bekannt sind, schreiben Sie uns: bahn@sterntv.de

25. Oktober 2008: Martina (12), München

Gegen 17 Uhr war Martina mit der S-Bahn auf dem Weg von Fürstenfeldbruck nach München. Sie hatte eine Streifenkarte bei sich, die extra für Kinder gültig war und die sie vor Fahrtantritt entwertet hatte. Allerdings gab es im Sommer eine Tariferhöhung, von der weder Martina, noch ihr Vater, der ihr die Streifenkarte mitgegeben hatte, etwas wussten.

Der Kontrolleur verlangte 40 Euro als erhöhtes Beförderungsentgelt, die das Mädchen aber nicht bei sich hatte. Also musste sie die Bahn an der nächsten Haltestelle verlassen und war mehr als eine Stunde Autofahrt von ihrer Heimat München entfernt.

06. September 2008: Lena, Vera, Lara (alle 14), Billerbeck/Münsterland

Vor Fahrtantritt wollten die Mädchen Tickets an einem Fahrkartenautomat lösen, doch der war kaputt. Bei einem Bahnmitarbeiter im einem Kassenhäuschen hatten sie auch kein Glück - da dieser "beschäftigt" war, riet er ihnen, die Tickets direkt im Zug zu lösen.

Der Schaffner wollte ihnen aber keine Fahrkarte verkaufen. Stattdessen legte er ihnen nahe, entweder das erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro zu zahlen, oder am nächsten Bahnhof auszusteigen. Lena, Lara und Vera haben den Zug schließlich verlassen. Sie riefen ihre Eltern an. Diese waren erbost und beschwerten sich schriftlich bei der Deutschen Bahn: In deren Antwortschreiben war von einer Entschuldigung allerdings keine Spur.

15. August 2008: Johanna(16), Augsburg

Johanna war mit Freundinnen auf dem Weg von Augsburg nach Hause. Bis auf Johanna hatten alle einen Fahrschein – die 16-Jährige fuhr mit einer Streifenkarte. Als sie die Karte abstempeln wollte, funktionierte der Entwertungsautomat nicht. Auch der Automat auf dem Nachbargleis war defekt (das waren sie auch während des stern TV-Drehs noch!).

In diesem Moment fuhr der Zug ein. Dort sprachen die Mädchen direkt zwei Kontrolleure an, ob die ihnen die Karte abstempeln könnten, da am Bahnhof der Apparat defekt sei. Das aber lehnten die Schaffner ab. Johanna solle stattdessen am nächsten Bahnhof aussteigen und die Karte dort entwerten. An der nächsten Station befindet sich aber kein Abstempelautomat am Gleis. Das wusste Johanna und fragte die Schaffner, ob sie nicht eine Station weiter fahren könne, denn dort befände sich ein Automat direkt am Bahnsteig. Aber darauf ließen sich die Kontrolleure nicht ein.

Also stieg Johanna beim nächsten Halt aus und rannte zum Abstempeln ins Bahnhofsgebäude. Als sie zurück zum Gleis kam, war der Zug bereits weg und sie musste über eine Stunde auf die nächste Bahn warten. Ihre Freundinnen sind derweil weiter gefahren und berichteten später, wie sich die beiden Kontrolleure noch darüber lustig machten, dass Johanna den Zug nicht mehr rechtzeitig erreicht hat.

22. Dezember 2007: Rebecca und Michelle (beide 13), Worms/Mainz

Die beiden Mädchen waren in einem Regionalzug von Worms in Richtung Mainz unterwegs. Sie hatten Schülertickets, die allerdings nicht bis Mainz gültig waren. Trotzdem sind in den Zug gestiegen ohne sich Gedanken zu machen. Vier Kontrolleure ließen die Tickets gelten, der fünfte schmiss die Mädchen drei Haltestellen vor Mainz-Hauptbahnhof aus dem Zug. In der Aufregung übersahen sie den einzigen Fahrkartenautomaten am Bahnhof.

Sie hatten Angst, ohne Tickets wieder in den Zug zu steigen, und wollten knapp vier Kilometer zur letzten Bahnstation (Bodenheim) laufen, um dort Fahrscheine zu lösen. Unterwegs fragten sie an einer Tankstelle nach dem Weg. Eine aufmerksame Frau erklärte sich bereit, die Mädchen schnell zum Bahnhof Bodenheim zu fahren. Dort gab es zwei Fahrkarten-Automaten: Einer war kaputt, der andere funktionierte nur mit EC-Karte.

Sie konnten wieder keinen Fahrschein kaufen und fragten den Schaffner eines Zuges nach Worms, ob er sie ohne Ticket wieder mit zurück nehmen würde. Es wären nur vier Stationen zum Geltungsbereich ihrer Schülertickets gewesen, doch der Schaffner schloss die Tür und fuhr ab. Es war kalt, es regnete und schneite am 22. Dezember 2007. Die Mädchen schlichen in den Vorraum einer Sparkasse, um sich aufzuwärmen und gaben schließlich auf. Sie wollten eigentlich ohne die Hilfe ihrer Eltern zurückkommen, doch dann griffen sie doch zu ihren Handys.

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