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4. März 2009, 22:15 Uhr

Opfer von Bahn-Willkür

Schon mehrmals hat stern TV über Zugbegleiter berichtet, die Kinder aus der Bahn warfen - was streng untersagt ist. Doch nicht nur Minderjährige werden Opfer von Schaffner-Willkür. Auch Schwangere und Behinderte berichteten stern TV von unglaublichen Bahn-Erlebnissen.

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Verärgert: Kunden sind unzufrieden mit dem Bahn-Service© stern TV

Ganz normaler "Bahnsinn"? Inzwischen sind stern TV über 100 Kinder bekannt, die von Zugbegleitern wegen angeblichen Schwarzfahrens aus der Bahn geworfen wurden. Dabei ist die Vorschrift der Bahn unmissverständlich: Minderjährige dürfen niemals ausgesetzt werden. In den Fällen, die stern TV recherchierte, war keines der Kinder absichtlich schwarzgefahren. Das ließ sich immer belegen.

Doch nicht nur Kinder werden Opfer von Schaffner-Willkür. Über 1200 Zuschauer meldeten sich bei stern TV und berichteten von ihren Ärgernissen mit der Bahn.

Schwangere als Schwarzfahrerin

Im Herbst 2007 ist Stephanie J. hochschwanger, sie kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 25 Minuten stehen. Als es ihr auf dem Weg zur Arbeit nicht gut geht, setzt sie sich im Gang auf die Stufen im Eingangsbereich zur 1. Klasse. Prompt brummt ihr der Schaffner ein Ticket über 40 Euro wegen Schwarzfahrens auf: Schon der Aufenthalt im Zugangsbereich zur 1. Klasse sei nicht erlaubt. Nach einer Beschwerde erlässt die Bahn die Hälfte der Strafe, eine Entschuldigung gibt es nicht.

Ungültiger Spitzname

Gabrielle E. hat eine namensgebundene Fahrkarte, auf der sie als "Gaby E." vermerkt ist - wie in ihrem Führerschein und auf ihrer Kreditkarte. Das wird ihr im November 2008 auf einer Fahrt nach Freiburg zum Verhängnis. Der Schaffner erkennt die Kurzform nicht an - nur der Name im Personalausweis sei maßgeblich.

Zu lange nach Fahrschein gesucht

Caro Kovac ist Pendlerin. Bei einer Kontrolle findet sie ihre Monatskarte nicht auf Anhieb, der Zugbegleiter verpasst ihr sofort ein Ticket wegen Schwarzfahrens. Als sie wenige Sekunden danach doch noch die Karte vorzeigen kann, ist es für den Schaffner zu spät: Er beharrt auf 40 Euro als Strafzahlung.

Schon seit Jahren gibt es Gerüchte, dass hinter dem Übereifer einiger Schaffner "Kopfprämien" stecken, die für erwischte Schwarzfahrer gezahlt wird. Tatsächlich liegt stern TV eine Betriebsvereinbarung über "Provisionierung von Fahrpreisnacherhebungen" in Baden-Württemberg vor. Dort beträgt die "Kopfprämie" 90 Cent. Manche Bahn-Angestellte, die netto deutlich unter 10 Euro pro Stunde verdienen, können mit diesen Provisionen ihren Verdienst etwas aufbessern.

Eine Studie der Berufsgenossenschaft Bahnen bemerkte zu diesem Provisionsmodell schon vor Jahren kritisch: "Die Regelung einer Vergütung nach Anzahl der ermittelten Schwarzfahrer (Kopfprämien) führt erfahrungsgemäß zu rigorosen, den Unternehmensinteressen entgegenstehenden Kontrollmethoden, zu Übereifer und häufig zur Überschätzung der eigenen Möglichkeiten."

söw

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