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17. Februar 2013, 22:15 Uhr

Auf der Suche nach dem leiblichen Vater

Sarah P. wurden die Daten über ihren biologischen Vater zugesprochen. Ist das richtig? Hat sie den Spender nun gefunden? stern TV hat sie und weitere Spenderkinder, wie auch Samenspender getroffen.

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Wie viele andere Kinder von Samenspendern möchte Sarah P. wissen, wer ihr leiblicher Vater ist.©

Drei Jahre lang hat Sarah P. dafür gekämpft, den Namen ihres biologischen Vaters zu erfahren. In der vergangenen Woche wurden ihr die Informationen zugesprochen. Doch das Rätsel um den Samenspender, der vor etwa 22 Jahren in der Essener Zentrum für Reproduktionsmedizin seinen Samen abgegeben hatte und damit ihr leiblicher Vater ist, war mit dem Gerichtsurteil nicht gelöst. Der Samenbank lägen diese Informationen nicht mehr vor, hieß es. Sarahs Auftritt bei stern TV aber löste eine Welle an Reaktionen aus: Hunderte Zuschauer meldeten sich nach der Sendung. Darunter auch einige Männer, die glauben, der Gesuchte sein zu können.

"Ich glaube, wenn ich den Spender kennenlernen würde, irgendwann, dann würde ich mich komplettiert fühlen. Dann hätte ich das gefunden, was mir gefehlt hat, die andere Hälfte", sagte die 21-Jährige zu stern TV. Und mit diesem Gefühl ist Sarah P. offenbar nicht alleine. Neben all den Vorwürfen, die der jungen Frau gemacht werden – darüber, was sie losgetreten habe und welche Konsequenzen das Urteil ihres Prozesses für Samenspender haben könne – bekam Sarah P. auch viel Zuspruch. Zahlreiche E-Mails waren von jungen Erwachsenen, die wie Sarah erfahren haben, dass ihr biologischer Vater ein Samenspender ist. Darunter auch die 24-jährige Viktoria: Als ihre Eltern sich trennten, erzählte die Mutter ihr und ihrem jüngeren Bruder, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Viel mehr noch: Die beiden seien Kinder zweier verschiedener Samenspender. Für die damals 13-Jährige und neunjährigen Simon war die Nachricht ein Schock. All die Jahre hatten sie nichts davon geahnt.

Das Urbedürfnis, seine Wurzeln zu kennen

Die biologische Herkunft der beiden Kinder verschärfte den Ehestreit des Paares. Der Vater wendete sich von ihnen ab, selbst die Großeltern wollten sie nicht mehr als Enkel akzeptieren - für Viktoria und Simon eine schwere Zeit. Der Junge wird auffällig, die Familie ist zerrüttet. Beide Kinder wünschen sich, ihren Erzeuger kennenzulernen. Nicht, um eine innige Beziehung aufzubauen. Sie wollen lediglich abschließen mit der Frage nach ihrer biologischen Herkunft, die seit der Scheidung ihrer Eltern offen ist. "Die Frage nach dieser Herkunft beschäftigt die Menschen ein Leben lang", weiß Dr. Petra Thorn. Die Familientherapeutin beschäftigt sich seit Jahren mit den spezifischen Problemen, die Spendersamenkinder und -familien betreffen. Zu seinen Wurzeln zu finden sei ein Urbedürfnis. Es falle aber auf, dass Mädchen ein stärkeres Bedürfnis verspüren, als Jungen, sie suchen intensiver und können weniger leicht abschließen.

Gesetzlich darf eine Anonymität nicht mehr zugesichert werden

Als Viktoria volljährig wird, startet sie den Versuch: Sie ruft im Zentrum für Reproduktionsmedizin in Essen an, schreibt dann einen Brief. Doch ihre Nachfragen bleiben ergebnislos. Wie im Fall Sarah seien die Spenderdaten nicht so lange aufbewahrt und eine Spendernummer nicht vergeben worden, so die Klinik. Viele Samenbanken sicherten den Männern Anonymität zu. Bis 2007 durften Dokumente über die Samenspender nach 10 Jahren vernichtet werden. Erst seitdem ist gesetzlich eine Dokumentation von mindestens 30 Jahren erforderlich und Samenspender erhalten keine Anonymitätszusicherung mehr.

Die Samenbank in Erlangen wirbt damit, dass Daten von Spendern und Empfängern 100 Jahre lang aufbewahrt werden. "Wir klären die Samenspender von Anfang an bereits über unsere Internetseiten auf, und dann nochmal im persönlichen Gespräch, dass eine Anonymität nicht zugesichert werden kann", sagt der Leiter des Instituts Dr. Andreas Hammel. "Damit ist sichergestellt, dass jeder Samenspender von Anfang an weiß, dass ein Kind später Kontakt zu ihm aufnehmen kann." Vor einer Unterhaltsklage durch das Kind kann die Erlanger Samenbank den Spender nicht schützen. Allerdings, so Andreas Hammel, habe es bislang noch keinen Fall gegeben, da der Klageweg extrem schwierig sei. Die meisten Kinder suchen nach ihrer Herkunft.

"Ich freue mich drauf, das ein oder andere Kind kennenzulernen"

Frank Alpisch ist einer der Samenspender, die sich genau darüber gründlich Gedanken gemacht haben – und den Vertrag dann unterschrieben. Der 26-jährige Bäckergeselle ist seit drei Jahren Spender in der Erlanger Klinik. "Mir war von Anfang an klar, dass ich nicht anonym bleiben werde und auch nicht will", sagt Alpisch. "Dass ich den Kindern, die daraus hervorgehen, auf jeden Fall die Möglichkeit bieten würde, dass Sie mich kennen lernen, sofern sie es wünschen, und sofern sie es überhaupt wissen. Und ja, ich freu mich darauf, in circa 18 Jahren vielleicht das eine oder andere begrüßen zu dürfen." Wäre er nicht dazu bereit, genau das auf sich zukommen zu lassen, dann wäre er nicht Samenspender, sagt er.

Frank Alpisch bekommt von der Klink pro geeignete Spende 110 Euro, insgesamt bisher 3600 Euro. Das Geld sei aber nicht der Hauptgrund, sagt Alpisch, vielmehr mache er gerne andere Familien glücklich und es mache ihn stolz, dass es Kinder von ihm gibt. "Wie oft hat man schon die Chance, Leben zu spenden? Das war wohl der größte Anreiz." Mit seinem Samen wurden bereits eine Tochter und zwei Söhne gezeugt, zwei weitere Kinder kommen in Kürze auf die Welt. Eine feste Freundin hat Frank Alpisch zurzeit nicht. Wenn es mit einer eigenen Familie nicht klappen sollte, habe er aber trotzdem Kinder, auf die er stolz ist. Dass seine Spenden später eine eigene Beziehung belasten könnten, sieht er nicht. Allerdings wünscht auch er sich mehr Klarheit – für die Samenspender und für Spenderkinder: "Ich hoffe, da kommt noch ein Stein ins Rollen, rechtlich gesehen, um den Spendern auch zu helfen" sagt er. "Dass geregelt wird, dass Kinder keine Unterhaltsforderungen an Spender stellen können. Das schreckt sicherlich viele ab. Nicht mal die Anonymität, sondern die Angst, dass man nach 15, 18 Jahren, wenn die ersten Kinder kommen, man wirklich Angst haben muss um sein Erspartes."

Informationen im Netz Aktuelle Informationen zur Rechtlage und rund um das Thema Spenderkinder, Austauschmöglichkeiten und sowie die Möglichkeit, per Profil nach Spendern oder Geschwistern zu suchen, bietet die Internetseite von Sarah P. www.spenderkinder.de

Vor etwa 10 Jahren haben sich interessierte Paare und Eltern mit einer Spendersamenbehandlung (Dogene Insemination) unter dem Namen "Information donogene Insemination“ (IDI) zusammengetan unter www.spendersamenkinder.de

Auf der Seite www.di-familie.de gibt es für Familien die Möglichkeit, nach einer Spendersamenbehandlung regional mit anderen Familien in Kontakt zu treten.

Die Amerikanerin Patricia Sarles hat auf ihrer Website viele Kinderbücher (international) zusammengestellt, die die Themen Samenspende, Eizellspende und Leihmutterschaft erklären.

Der Arbeitskreis für Donogene Insemination e.V. ist ein Zusammenschluss von Ärzten und andere Fachkräften, die Spendersamenbehandlungen durchführen und Richtlinien erlassen haben (unter anderen Dr. Andreas Hammel und Dr. Petra Thorn). Die Internetseite informiert über die Arbeit, die entsprechenden Richtlinien sind online einsehbar.

Familienberatung und Informationen zu Spendersamenbehandlung sowie Hilfestellung in vielen anderen Fragen rund um das Thema gibt Dr. Petra Thorn.

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