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6. Januar 2009, 10:21 Uhr

"Mehr Geld für die Armen"

Der Auftritt von Uwe Glinka und Kurt Meier bei stern TV bewegt die Gemüter: Die einen sind begeistert von den Rezepten, die anderen sehen darin eine falsche Botschaft. Im Interview sagt Kurt Meier: "Wir wollen den Menschen nur helfen".

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Uwe Glinka, Kurt Meier, kochen, Kochbuch

Kurt Meier: "Aus einem Discounter sind wir rausgeflogen"© stern TV

Herr Meier, sind Sie ein leiderschaftlicher Koch?

Um ehrlich zu sein: Meine Kochkünste halten sich in Grenzen, an schwierige Rezepte traue ich mich nicht heran. Meine Lebensgefährtin kann das besser.

Wie kamen Sie dann auf die Idee, eine Kochbroschüre für Arme zu entwickeln?

Bei Fortbildungsmaßnahmen haben Uwe Glinka und ich viele Arbeitslose kennengelernt. Die meisten sagen, dass sie mit dem Hartz-IV-Geld nicht zurechtkommen. An diversen Fixkosten kann man nichts ändern, aber daneben hat man die größten Ausgaben für die Verpflegung. So fragten wir uns: Gibt es eine Anleitung für kostenbewusstes Kochen? Konkrete Tipps für Hartz-IV-Empfänger, wie man günstig und eben auch gesund kocht?

Sie haben nichts dergleichen gefunden?

Nicht wirklich. Im Internet gibt es ein paar Rezeptvorschläge, aber keinen richtigen Plan für einen ganzen Monat. Dort steht dann auch nur "ist günstig", doch wie viel genau die einzelnen Zutaten kosten, ist nicht vermerkt. Diese Angaben braucht man aber.

Da Sie kein Küchen-Experte sind: Woher haben Sie die Rezepte in Ihrem Kochplan?

Wir haben uns an unsere Großmütter erinnert. Diese Generation musste hart arbeiten und brauchte gesunde Kost. Damals gab es kein Fastfood, keine Tiefkühlgerichte. Das hatte einen Vorteil: Man wusste noch, wie man gesund und gut kocht. So haben wir Landfrauenverbände in ganz Deutschland angeschrieben.

Wie war die Resonanz?

Enorm. Von überall her sind uns Rezepte geschickt worden, manchmal ganze Kochbücher, einige davon noch in altdeutscher Schrift. Von den insgesamt 200 Rezepten haben wir eine Auswahl nach bestimmten Kriterien getroffen, zum Beispiel sollte die Zubereitung eines Gerichts nicht länger als eine Stunde dauern. Außerdem sollte eine große Vielfalt geboten werden.

Allerdings konnten Sie zunächst nicht die Kosten absehen.

Das war für uns eine spannende Phase des Projekts: Wir hatten keine Ahnung, ob man wirklich für 4,33 Euro - wie im Hartz-IV-Satz vorgesehen - die gesamte Tagesverpflegung bestreiten kann. So haben wir in allen großen Discounter emsig die Preise notiert, ohne etwas zu kaufen. Das hat in den Supermärkten für viel Aufregung gesorgt: Überall sind wir vom Personal angesprochen worden, man wollte uns zunächst die Recherche verbieten. Aber als wir denen unser Anliegen erklärt hatten, ließ man uns gewähren. Nur in einem Discounter hat man das nicht zugelassen.

Und wo gibt es die günstigsten Lebensmittel?

Das war eine erstaunliche Erkenntnis: Die Preise sind bei allen nahezu identisch, als ob die sich abgesprochen hätten. Wenn Sie sich zwei der großen Discounter vornehmen, bekommen Sie 90 Prozent der Zutaten zu den Preisen, die wir in unserem Kochplan vermerkt haben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Warum die Behörden keine Unterstützung gewährten, wie Glinka und Meier auf Kritik reagieren.

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