Uwe Glinka und Kurt Meier haben einen Kochplan entwickelt, der sich am Hartz-IV-Budget orientiert. Sie rechnen vor: Gesundes und leckeres Essen kostet nicht mehr als 4,40 Euro pro Tag. Hier sind 28 Rezepte - für alle, die sich ausgewogen ernähren und dabei sparen wollen.

Uwe Glinka und Kurt Meier (v.l.) haben einen günstigen Speiseplan entwickelt© stern TV
Resignieren ist nicht die Sache von Uwe Glinka und Kurt Meier: Die Misere, in der sie sich befinden, begreifen die beiden Niedersachsen als Herausforderung. Glinka, 53, früher Verkaufsleiter in einem Autohaus, ist seit 2001 arbeitslos; Meier, 54, früher Informationselektroniker, seit 2007. Sie müssen von Hartz IV leben, der Regelsatz beträgt 351 Euro. Auch sie hätten gern mehr Geld, aber in das allgemeine Wehklagen wollen Glinka und Meier nicht einstimmen: "Trotz Arbeitslosigkeit versuchen wir, produktiv zu sein und Geschäftsideen zu entwickeln."
Ein "Kochbuch für Arme"
Vor kurzem sorgten zwei Chemnitzer Professoren für Empörung, weil sie errechnet hatten, dass 132 bis 278 Euro monatlich zur Existenzsicherung reichten. Für die Wissenschaftler war das eine theoretische Abhandlung, aber für Hartz-IV-Empfänger wie Glinka und Meier stellt sich jeden Tag die Frage: Wie teilt man sich 351 Euro am besten ein?
Weil ein großer Betrag des Hartz-IV-Satzes, knapp 40 Prozent, für Essen und Trinken vorgesehen ist, fragten sich Glinka und Meier: Gibt es eigentlich ein Kochbuch für Arme? Eine Anleitung mit konkreten Angaben, wie man sich gesund ernährt und mit wenig Geld trotzdem gut über die Runden kommt? Ein paar Rezepte ließen sich zwar im Internet finden, aber nach einem kompletten Ernährungsplan fahndeten sie vergeblich. Und so machten sie sich daran, selbst einen zu entwerfen.
Von den Landfrauen gelernt
Am Anfang stand die Kalkulation: Nicht mehr als 4,40 Euro pro Tag und pro Person durfte die Verpflegung im Schnitt kosten. Dann die Preisrecherche: In acht Discountern notierten sie die Preise aller möglichen Produkte. Schließlich die Rezepte: Glinka und Meier fragten bei Landfrauenverbänden nach alten Kochbüchern - denn die Nachkriegsgeneration wusste, wie man sich gesund und preisgünstig ernährt. Im nächsten Schritt die Marktforschung: Als die erste Test-Broschüre erstellt war, bauten Glinka und Meier in der Fußgängerzone einen Tisch auf, befragten die Passanten - und erhielten durchweg positive Resonanz.
Einzig beim letzten Schritt, der Vermarktung, kam das Projekt ins Stocken: Die angefragte Verbraucherzentrale lehnte mit der Begründung ab, für so etwas setze man eigene Leute ein. Und die Agentur für Arbeit reagierte lange Zeit gar nicht; erst nach einer Anfrage von stern TV schickte die Behörde eine Absage. Dabei ist die Broschüre ist nicht nur für Hartz-IV-Empfänger interessant - sondern für alle, die sich kostenbewusst ernähren wollen.
söw