Die häufigsten Fragen und Antworten

1. Oktober 2008, 22:15 Uhr

Sie passt sich der Haarfarbe ihres Wirtes an, krallt sich hartnäckig an den Haaren fest und krabbelt mit Vorliebe auf Kinderköpfen herum: die Kopflaus.

"Das große Krabbeln": Genervte Eltern, kratzende Kinder©

Eine geschlechtsreife weibliche Kopflaus legt jeden Tag bis zu zehn Eier. Diese klebt sie in der Nähe der Kopfhaut seitlich an die Haare an. Die Larven schlüpfen nach etwa acht Tagen und sind nach weiteren zehn bis zwölf Tagen geschlechtsreif. So kann etwa alle drei Wochen eine neue Läuse-Generation entstehen. Weibchen werden ungefähr vier, Männchen nur zwei Wochen alt.

Kopfläuse ernähren sich ausschließlich von Blut. Rund alle drei Stunden saugen sie es über einen Rüssel und geben dabei - ähnlich wie Mücken - Speichel ab, um das Blut flüssiger zu machen und es langsamer gerinnen zu lassen. Auf den Speichel reagieren wir allergisch. Dadurch entsteht der Juckreiz. Außerhalb des Kopfes kann eine Laus nicht überleben, sie würde nach spätestens drei Tagen ohne Blut sterben.

Läuse können nicht springen. Sie krabbeln blitzschnell von Haar zu Haar, von Kopf zu Kopf. Daher werden sie fast ausschließlich dann übertragen, wenn Menschen ihre Köpfe buchstäblich zusammenstecken.

Falsche Vorurteile Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass die Verbreitung der Parasiten mit der sozialen Herkunft, der Wohnsituation oder Hygiene zu tun hat. Dem ist allerdings nicht so: Läuse wimmeln auf den Köpfen von Kindern aller Schichten, von Läusen kann wirklich jeder befallen werden. Effektiv dagegen schützen kann man sich leider nicht.

Selbst wenn man sich täglich die Haare wäscht, kann man die Tierchen nicht bekämpfen. Man hat bloß "sauberere" Läuse auf dem Kopf. Deswegen sollte es Eltern und Kindern auch nicht unangenehm sein, wenn in der eigenen Familie ein Lausbefall bekannt wird. Besser ist es, offen damit umzugehen und den Befall richtig zu behandeln.

Läuse sind zwar lästig, doch wenn man bestimmte Richtlinien beachtet, kann man sie loswerden. Die Antworten auf die häufigsten Fragen können Sie links in der Spalte nachlesen.

1. Woher kommen Kopfläuse? Treten sie zu bestimmten Zeiten auf?

Läuse tauchen vor allem im September auf, wodurch Viele davon ausgehen, dass die Parasiten aus dem Urlaub "importiert" werden. Dies ist jedoch umstritten. Sicherlich spricht einiges dafür, dass Ferienlager o.ä. die Ausbreitung der Leute begünstigen. Erwiesen ist diese Vermutung aber nicht.

Kopfläuse treten generell vor allem im Herbst und Winter auf. Allerdings hat ihre Ausbreitung prinzipiell nichts mit dem Wetter oder der Jahreszeit zu tun. Die falsche Diagnose oder die falsche Behandlung fördern ihre Ausbreitung dagegen umso mehr.

Auch Haustiere sind keine Überträger: Es gibt zwar Tierläuse, doch die können mit dem menschlichen Blut nichts anfangen. Umgekehrt können Menschenläuse das Blut von Tieren nicht verdauen. Am häufigsten übertragen werden Läuse über den Haar-zu-Haar-Kontakt, z.B. wenn Menschen ihre Köpfe zusammenstecken.

2. Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Anti-Läuse Mittel lassen sich in zwei Gruppen trennen: Insektizide und Mittel auf Silikon-Öl Basis. Bei richtiger Anwendung helfen beide Gruppen gleich. Zusätzlich zu einem Mittel raten Experten zum Einsatz von Läuse- bzw. Nissenkämmen.

Der Wirkstoff, der in den Insektiziden enthalten ist, nennt sich Pyrethroid. Es ist giftig, aber in den empfohlenen geringen Dosierungen nicht schädlich für Kinder. Man sollte aber nicht nach dem Motto "viel hilft besser" vorgehen, da diese Insektizide dann doch die Kopfhaut schädigen können. Die Insektizide vergiften die Läuse. Bei richtiger Anwendung gibt es aber so gut wie keine Nebenwirkungen. Die neueren, auf Silikon-Öl basierenden Mittel wirken rein physikalisch: Das enthaltene dünnflüssige Öl verstopft die Atemwege der Läuse und sie ersticken.

Egal für welches Mittel sich Eltern entscheiden: Das Entscheidende ist die richtige Anwendung. Experten empfehlen, dass am ersten Behandlungstag das jeweilige Mittel in die Haare einmassiert wird. Die Läuse sterben dann normalerweise ab. Die Eier in den Nissen können diese Prozedur allerdings überstehen. Zusätzlich sollte man mit einem speziellen Kamm die Läuse herauskämmen. Das Problem an den Kämmen ist, dass man die Läuse direkt an der Kopfhaut nur sehr schwer erwischt. Deshalb sollte man nicht versuchen, nur mit einem Kamm aber ohne Medikamente die Insekten loszuwerden.

Nach acht Tagen muss die Prozedur dann wiederholt werden. Dann sind nämlich die Larven geschlüpft, aber noch nicht selbst geschlechtsreif. Es können also noch keine neuen Eier entstanden sein. Nach einer weiteren Woche sollten Eltern mit einem Nissenkamm die Läuse und Nissen auskämmen. Laut Robert-Koch Institut wird man durch eine Kombinationsmaßnahme aus Anti-Läuse-Mittel und gleichzeitigem regelmäßigen Auskämmen in fast allen Fällen die Läuse wieder los.

Auf jeden Fall sollte man - egal, welche Behandlungsform man wählt -, sein Kind niemals in den Arzneimitteln baden! Die Kopfläuse sitzen nur auf dem Kopf.

3. Welche Maßnahmen sollte man noch ergreifen?

In jedem Fall sollte man den Läusebefall richtig behandeln. Experten sagen nämlich, dass das Hauptproblem bei der Behandlung von Kopfläusen ist, dass die Eltern die Anwendungshinweise der Hersteller nicht richtig beachten. Die meisten halten die 8-Tage Regel nicht ein, sondern nehmen die Mittel entweder nur einmal, oder das zweite mal zu früh oder zu spät.

Familienmitglieder müssen nicht automatisch mitbehandelt werden, erst dann, wenn auch sie von Läusen befallen sind.

Was das Wegwerfen von Mützen, Stofftieren etc. betrifft, so sollte man folgendes beachten: Läuse leben von unserem Blut. Ohne Blut gehen sie nach ein bis zwei Tagen ein. Deshalb sollte man auch nicht panisch alle Mützen, Kissen oder die Bettwäsche wegschmeißen, wenn das Kind Läuse hatte. Verschiedene Studien zu diesem Thema belegen, dass auf Gegenständen, mit denen der Kopf eines befallenen Kindes in Berührung gekommen ist, keine Läuse gefunden wurden.

Bürsten und Kämme sollten Sie hingegen schon reinigen. Kopfläuse könnten beim Kämmen darin eingeklemmt und wieder ausgestrichen werden. Und wenn Sie generell auf Nummer Sicher gehen wollen, dann waschen Sie Kleidung und Bettzeug bei 60 Grad. Das reicht aus, um eventuell vorhandenes Ungeziefer abzutöten.

4. Warum sind Kinder häufiger betroffen als Erwachsene?

Das liegt vermutlich daran, dass Kinder einfach häufiger die Köpfe zusammenstecken als Erwachsene - etwa wenn sie spielen, raufen oder schmusen. Dann krabbeln die Läuse von Wirt zu Wirt. Studien zeigen auch, dass Mädchen öfter befallen sind als Jungen. Da der Läusebefall erwiesenermaßen nichts mit der Haarlänge zu tun hat, geht man davon aus, dass Mädchen einfach häufiger die Köpfe zusammenstecken als Jungs.

5. Sind Läuse gesundheitlich gefährlich?

Nein, Läuse übertragen keine Krankheiten.

6. Sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen?

Prinzipiell sind Läuse kein Grund, zum Arzt zu gehen. Nur, wenn sich die Kopfhaut entzündet, sollte man einen Arzt aufsuchen.

7. Woher kommt das Jucken?

Das Krabbeln auf dem Kopf nimmt man nicht wahr, dafür sind die Parasiten zu winzig (etwa so groß wie ein Sesamkorn). Auch den ersten Biss bemerkt man nicht direkt. Erst nach mehreren Stichen nimmt man einen Juckreiz wahr: Grund dafür ist der Speichel der Insekten. Darauf reagieren wir allergisch.

8. Was sind erste Symptome, die klar für Lausbefall sprechen?

Läuse kommen in Abständen an fast allen Kitas, Kindergärten und Schulen vor. Daher sollte man sein Kind auch regelmäßig untersuchen. Die Läuse selbst sind schwer zu finden, die Nissen findet man hingegen schneller. Vor allem hinter den Ohren, an den Schläfen und im Nacken legen Läuse bevorzugt ihre Eier ab. Deshalb sollte man insbesondere diese Stellen beobachten, und mit Lupe und unter Licht genau untersuchen.

Wenn man eine Diagnose stellen will, kann man folgendes tun: Die Haare mit einer Pflegespülung waschen und danach mit einem speziellen Läusekamm Strähne für Strähne durchgehen. Danach den Kamm an einem Tuch ausstreichen: Sind sesamkorngroße Insekten zu erkennen, liegt ein Befall vor.

9. Was genau sind Nissen?

Als Nissen bezeichnet man die Hüllen, in die die Eier hineingelegt werden. Sie werden von der weiblichen Kopflaus an das Haar geklebt. Schlüpft die Larve, bleibt die Nisse immer noch am Haar kleben. Wenn Kinder einige Wochen Läuse haben, sind die Nissen aufgrund ihrer Menge gut zu erkennen. Selbst wenn die Läuse erfolgreich bekämpft wurden, sind die Nissen oft noch Monate sichtbar. Sie wachsen dann einfach raus.

Nissen sehen aus wie Schuppen. Den Unterschied kann man dadurch feststellen, dass man mit den Fingern versucht die Nissen oder Schuppen abzuziehen. Wenn das einfach geht, sind es Schuppen. Wenn die kleinen Dinger am Haar kleben bleiben, sind es Nissen.

10. Ist der Lausbefall meldepflichtig?

Ist ihr Kind von Kopfläusen befallen, sollten sie das unbedingt der Schule oder dem Kindergarten melden. Sie machen sich sonst strafbar. Läuse kann wirklich jeder bekommen, deswegen sollten sie in keinem Fall davor zurückschrecken oder sich dafür schämen! Wichtig ist, dass natürlich auch die Eltern derjenigen Kinder informiert werden, mit denen das befallene Kind Kontakt hatte.

11. Welche Mittel helfen kaum oder sind nicht zu empfehlen?

Weder häufiges Haarewaschen, noch Hausmittel wie Mayonnaise, heißes Föhnen oder Saunagänge sind effektiv gegen Läuse. Wirksam sind nur die gängigen Arzneien in Verbindung mit Auskämmen.

12. Gibt es einen präventiven Schutz?

Nein, gegen Läuse kann man sich nicht schützen. Jeder Mensch kann Läuse bekommen, ein Befall hat nämlich nichts mit Hygiene zu tun: Läuse fühlen sich auf einem häufig gewaschenen Kopf genauso wohl wie auf einem ungepflegten.

13. Hat der Befall in jüngster Zeit zugenommen? Entwickelt die Kopflaus Resistenzen?

Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Läusefälle in Deutschland in den letzten Jahrzehnten tatsächlich stark erhöht hat. Ob das daran liegt, dass Läuse Resistenzen gegen die gängigen Mittel gebildet haben, es immer mehr Schüler pro Klasse oder noch andere Gründe gibt, weiß niemand genau.

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