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28. Januar 2009, 22:15 Uhr

Brust-Amputation aus Vorsorge

Krebs

"BRCA 1/2": Mit diesem Kürzel verbinden viele Frauen eine schreckliche Prognose. So wird ein Gen genannt, an dem man die Veranlagung für Brustkrebs ablesen kann. Ist es mutiert, liegt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei 80 Prozent.

Brustkrebs: Bis zu 10 Prozent der Erkrankungen sind erblich bedingt© Colourbox

Brustkrebs kann auch vererbt werden, fünf bis zehn Prozent aller Fälle gehen auf die Veranlagung zurück. Haben Eltern einen bestimmten Gendefekt, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auf die Kinder überträgt, bei 50 Prozent. Wenn in einer Familie mehrere Brustkrebserkrankungen bekannt sind, kann das ein Anzeichen für eine erbliche Veranlagung sein. Ein Gentest kann Gewissheit schaffen, aber er sollte erst nach intensiver psychologischer Beratung erfolgen.

Denn das Finden des mutierten BRCA-Gens ist für jede Frau eine Horrorprognose: Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sie an Krebs erkranken, meistens in frühen Jahren. Und dann gilt es, die nächste schwere Entscheidung zu treffen: Eine vorsorgliche Amputation der Brust als radikalste Methode, um dem Krebs zu entgehen? Sie rettet unter Umständen das Leben der Betroffenen.

In den USA ist dieser Eingriff mittlerweile weit verbreitet, in Deutschland ist man noch sehr viel zurückhaltender. Zwei Frauen schildern bei stern TV die schwerste Entscheidung ihres Lebens.

Wie gefährlich ist Brustkrebs?

An keiner anderen Krebserkrankung sterben so viele Frauen wie an Brustkrebs. In Deutschland werden jedes Jahr knapp 60.000 Neuerkrankungen registriert; die Wahrscheinlichkeit für eine Frau, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei zehn Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei den Erkrankten liegt bei 30 Prozent.

Wie wahrscheinlich ist eine erbliche Veranlagung?

Zwischen fünf und zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind auf erbliche Faktoren zurückzuführen. Vor allem die Mutation von zwei Genen (genannt BRCA 1 und BRCA 2) kann familiär weitergegeben werden. Liegt sie bei der Mutter vor, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Weitergabe an die Kinder unter Umständen bei 50 Prozent.

Was sind die sogenannten Brustkrebsgene?

Verantwortlich für viele Fälle von erblich weitergegebenen Brustkrebs sind die Mutationen von zwei Genen: BRCA 1 und BRCA 2 (engl.: "Breast Cancer"). Sind diese Gene "gesund", schützen sie den Organismus vor Schädigungen durch potenzielle Tumorzellen. Sind diese Gene hingegen mutiert, besteht ein erhöhtes Risiko der Tumorbildung. Durch einen Gentest kann festgestellt werden, ob Frauen eine mutierte Form von BRCA 1 oder 2 haben.

Wann ist ein Gentest medizinisch angeraten?

Die Anzahl und die Art der Krebsfälle in der Familie sind ein Indikator dafür, ob bei einem selbst eine Mutation des Brustkrebsgens vorliegen könnte. Mediziner empfehlen eine Untersuchung nur, wenn folgende Fälle bekannt sind:

- bei drei oder mehr an Brustkrebs erkrankten Frauen in der Familie
- bei zwei Frauen, wenn eine davon bei Ausbruch unter 51 Jahre alt war
- bei einer an beidseitigem Brustkrebs erkrankten Frau
- bei einer an einseitigem Brustkrebs erkrankten Frau, wenn sie bei Ausbruch jünger als 36 Jahre war
- bei einem an Brustkrebs erkrankten Mann und zusätzlich einer erkrankten Frau in der Familie (unabhängig vom Alter)


Da auch Eierstockkrebs ein Hinweis auf die Mutation sein kann, empfiehlt sich ein Gentest auch in folgenden Fällen:

- bei einer an Brustkrebs und einer weiteren an Eierstockkrebs erkrankten Frau in der Familie
- bei einer Frau, die sowohl an Brust- wie auch an Eierstockkrebs erkrankten Frau
- bei zwei an Eierstockkrebs erkrankten Frauen (unabhängig vom Alter)

Wie hoch ist bei einer Mutation das Risiko einer Erkrankung?

Sollte eine Mutation bei BRCA 1 oder 2 festgestellt werden, beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Brustkrebserkrankung im Laufe des Lebens zwischen 70 und 80 Prozent. In vielen Fällen tritt der Brustkrebs schon im jüngeren Lebensalter auf.

Zentren für familiären Brustkrebs

Bundesweit gibt es Zentren für familiären Brustkrebs, wo man nicht nur die genetischen Tests durchführen lassen kann, sondern auch psychologische Beratung erhält.

Berlin Brustzentrum der Charité - Zentrum "Familiärer Brustkrebs"
Leiter: Prof. Dr. Achim Schneider
Charitéplatz 1, 10117 Berlin
Termine für Betroffene: Telefon 0 30 - 450 564 272

Köln/Bonn Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Rita Schmutzler
Kerpener Str. 34, 50931 Köln
Termine für Betroffene: Telefon 02 21 - 4 78-86 509

Dresden Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden an der TU Dresden,
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Wolfgang Distler
Fetscherstr. 74, 01307 Dresden
Termine für Betroffene: Telefon 03 51 - 4 58-28 64

Düsseldorf Frauenklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf
Zentrumssprecher: Dr. Carolin Nestle-Krämling, Dr. Dieter Niederacher
Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
Termine für Betroffene: Telefon 02 11 - 8 11 75 40

Hannover Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Zell- und Molekularpathologie
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover
Termine für Betroffene: Telefon 05 11 - 5 32-45 29

Heidelberg Institut für Humangenetik der Universität Heidelberg
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Claus R. Bartram
Im Neuenheimer Feld 344a, 69120 Heidelberg
Termine für Betroffene: Telefon 0 62 21 - 56 50 87

Kiel Universitätsfrauenklinik Kiel
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Walter Jonat, Prof. Dr. Norbert Arnold
Michaelisstr. 16, 24105 Kiel
Termine für Betroffene: Telefon 04 31 - 5 97 20-71

Leipzig Institut für Humangenetik der Universität Leipzig
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Ursula Froster
Philipp-Rosenthal-Str. 55, 04103 Leipzig
Termine für Betroffene: Telefon 03 41 - 9 72 38 00

München Frauenklinik rechts der Isar der Technischen Universität München
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Marion Kiechle, Prof. Dr. Alfons Meindl
Ismaningerstr. 22, 81675 München
Termine für Betroffene: Telefon 0 89 - 41 40-24 46 oder 0 89 - 41 40-74 06

Universitätsfrauenklinik im Klinikum Großhadern an der Ludwig-Maximilians-Universität
Marchioninistr. 25, 81377 München
Termine für Betroffene: Telefon 0 89 - 70 95-75 71

Münster Institut für Humangenetik der Universität Münster
Zentrumssprecher: Prof. Dr. P. Wieacker
Vesaliusweg 12-14, 48149 Münster
Termine für Betroffene: Telefon 02 51 - 8 35 54-24
Beratung: Telefon 02 51 - 8 35 54-13

Ulm Frauenklinik und Poliklinik der Universität Ulm
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Rolf Kreienberg
Prittwitzstr. 43, 89075 Ulm
Termine für Betroffene: Telefon 07 31 - 50 02-76 06

Würzburg Abt. für Medizinische Genetik im Institut für Humangenetik der Universität Würzburg und Frauenklinik der Universität Würzburg
Zentrumssprecher: Prof. Dr. Tiemo Grimm (Humangenetik) und Prof. Dr. Johannes Dietl (Frauenklinik)
Biozentrum, Am Hubland, 97074 Würzburg
Termine für Betroffene: Telefon 09 31 - 888-40 84

Weitere Informationen

Patienteninfo der Uniklinik Köln: Zentrum für familiären Brustkrebs

Brustkrebs-Forum für Betroffene und Angehörige auf der Internetseite der Zeitschrift Brigitte: bfriends.brigitte.de/foren/brustkrebs/

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