Der Krieg der Motorradrocker

12. März 2013, 12:15 Uhr

Mit mehreren Schüssen endete ein Konflikt in Duisburg: Die Rockerclubs Hells Angels und Satudarah MC kämpfen um Macht und Geschäftsreviere. Zwei Insider erzählen, wie die Bandenkriminalität eskaliert.

Seit Wochen liefern sich rivalisierende Rockerclubs in Duisburg erbitterte Kämpfe. Mitten in der Nacht fallen mehrere Schüsse. Die Anwohner sind verstört, die Polizei alarmiert. Die Ermittler wissen längst, worum es hier geht. Denn im Ruhrgebiet brodelt es seit längerem. Bis vor einigen Monaten wirkten hier allein die Hells Angels und die verfeindeten Bandidos, die sich ihre Geschäftsreviere streitig machten. Doch inzwischen mischt ein dritter Motorradclub mit: Satudarah MC.

Der Satudarah Motorclub wurde 1990 in Moordrecht in den Niederlanden gegründet. Die ersten Mitglieder waren Angehörige der Molukken, Einwanderer aus einer ehemaligen Kolonie der Niederlande im heutigen Indonesien. Aktuell zählt der Motorradclub in Holland rund 400 Mitglieder. Einem Polizeisprecher zufolge sind fünf der zehn meistgesuchten Verbrecher der Niederlande Mitglieder in diesem Motorradclub. Im Chapter Duisburg sind etwa 30 Mitglieder organisiert. Mit ihren Brüdern in Tilburg bei Eindhoven beraten sie sich regelmäßig über "Strategien" für Deutschland: "Die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben, geben wir an unsere Brüder in Deutschland weiter", erklärt Angelo, ein Sprecher des Clubs den stern TV-Reportern. "Ich gehe davon aus, dass die Hells Angels ihren Brüdern genau das Gleiche sagen: 'Hey, passt auf die auf. Denn sonst werden die immer mächtiger und mächtiger' - und dann ist ihr Einfluss in Deutschland vielleicht ganz schnell weg." In den Niederlanden ist diese Strategie aufgegangen, die Satudarahs sind dort die stärkste Rockerkraft.

Können Provokationen friedlich sein?

Vergangenen Sommer gründete der holländische Rockerclub ein eigenes Chapter in Duisburg. Seitdem sind die Provokationen zwischen den Clubs deutlich zu spüren. Deutsche und niederländische Satudarah-Brüder sammeln sich dort im Rotlichtviertel und postieren sich in unmittelbarer Nähe der Hells Angels-Etablissements. Man gibt sich betont friedlich. Doch den ansässigen Hells Angels, auch unter dem Namen „Rot-Weiß“ bekannt, sind die Satudarahs ein Dorn im Auge. Der ehemalige Hamburger Saunaclub-Besitzer und Satudarah-Sprecher Jan Sander alias "Miami Gianni" weiß, wie vehement die Hells Angels ihr Revier verteidigen: "Rot-Weiß haben generell das Denken 'Wir sind hier die Platzhirsche‚ wir haben nur einen einzigen Feind. Und das sind alle anderen MCs'", sagt Gianni. Über seine Erfahrungen hat er jetzt das Buch "Rotlichtkrieg" geschrieben.

Bereits in der Hamburger Rotlichtszene machte er den Hells Angels Konkurrenz. Elf Mal, so Sander, sei auf ihn schon geschossen worden. Mehrfach wurde er ins Bein getroffen, doch bisher ging es für ihn glimpflich aus. "Es geht immer ums Geld verdienen. Nur darum geht es. Hartes Geschäft, tödliches Geschäft", weiß Sander. Doch der Satudarah MC hat beschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Ihrer Meinung nach ist auch in Duisburg noch Raum für einen weiteren Motorradclub. Das sagt auch der Duisburger Satudarah-Präsident Ali Osman: "Eins muss klar sein. Wir sind hier – wir bleiben hier. Egal wer schießt, wer bombt. Und wir lassen und nicht einschüchtern." Er und Jan Sander wollen gegen die Anfeindungen der Hells Angels ankämpfen. Doch das mündet möglicherweise in einem Bandenkrieg, fürchtet auch die Polizei.

Zum Thema