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News am 14.02.2012
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28. November 2007, 22:15 Uhr

Nachbarn können Leben retten

Der Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie schockiert die Öffentlichkeit. Für misshandelte Kinder sind aufmerksame Nachbarn oft die letzte Chance. Wenn sie rechtzeitig Alarm schlagen, können Leben gerettet werden.

Schwerin: In diesem Haus lebte Lea-Sophie© Jens Büttner/DPA

Im Fall der verhungerten Lea-Sophie war der Alarmruf vergeblich: Am 12. November hatte sich jemand anonym beim Jugendamt gemeldet, dass man sich Sorgen um die Nachbarskinder mache. Doch die daraufhin losgeschickten Mitarbeiter trafen die Familie nicht an. Am 21. November dann alarmierte offenbar der Vater von Lea-Sophie einen Notarzt. Das Mädchen stirbt wenig später im Schweriner Klinikum. Kurz vor ihrem Tod soll Lea-Sophie nur 7 Kilogramm gewogen haben - normal wären in diesem Alter 15 bis 20 Kilogramm.

Kriminalhauptkommissarin Gina Graichen, die schon bei stern TV zu Gast war, sagt: "Es gibt eine Vielzahl solcher Kinder" mit ähnlichem Schicksal. Oft seien aufmerksame Nachbarn oder Bekannte deren einzige Chance.

Indizien für Misshandlungen

Was sind Anzeichen für eine Misshandlung? Physische Gewalt ist meistens deutlich sichtbar: blaue Flecken, Blutergüsse, Platzwunden, Striemen oder kahle Stellen auf der Kopfhaut, die vom Ausreißen von Haarbüscheln herrühren. Wenn ein Kind auf Nachfrage unzureichende oder unlogische Erklärungen zu den Verletzungen abgibt, sollte man nachhaken und Hilfe anbieten.

Weitere Hinweise auf eine mögliche Vernachlässigung:
- verschmutzte oder nicht wetterfeste Kleidung des Kindes,
- extreme Kontaktscheu und Schüchternheit,
- auffallende Aggressivität,
- Sprachstörungen,
- Betteln,
- Herumlungern auf der Straße bis spät abends,
- Eltern sind häufig alkoholisiert,
- Gestank dringt aus der Wohnung,
- Fenster sind zugeklebt, Vorhänge immer geschlossen, Rolläden heruntergelassen,
- das Kind fehlt häufig im Kindergarten oder in der Schule,
- Eltern gehen grob mit dem Nachwuchs um,
- aus der Wohnung hört man oft Schreien oder Wimmern, kindliche Geräusche, obwohl die Eltern sagen, das Kind sei nicht da,
- nicht altersgerechte Aufgaben, zum Beispiel wenn Siebenjährige ständig ihre jüngeren Geschwister versorgen müssen.

Die Polizei reagiert schnell

Kommissarin Graichen empfiehlt, bei Anhaltspunkten für eine Misshandlung oder Vernachlässigung Anzeige bei der Polizei zu erstatten - das geht notfalls auch anonym. Die Beamten können sofort eingreifen, wenn ein Kind einen psychischen oder physischen Schaden erlitten hat. "Dann können wir auch direkt in die Wohnung gehen und ein Kind herausholen, wenn es nötig ist", sagt Graichen. Behörden wie zum Beispiel das Jugendamt reagieren manchmal langsamer.

Hilfe für Opfer Polizei
Die Polizei greift bei Hinweisen auf eine psychische oder physische Misshandlung von Kindern ein - häufig schneller als Behörden.

Jugendämter
Wenn das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet ist, können die Jugendämter intervenieren.

Kinderschutzbund
Der Kinderschutzbund bietet vor Ort viele Beratungsstellen, um Gewalt gegen Kinder zu unterbinden. Überforderte Eltern erhalten hier Hilfe, therapeutische Angebote für Kinder und Eltern werden vermittelt:
www.kinderschutzbund.de

Weißer Ring
Die Opferschutz-Organisation übernimmt in vielen Fällen die Betreuung von Opfern, gibt Rat im Umgang mit Behörden und vermittelt weitere notwendige Hilfe je nach Fall: www.weisser-ring.de