Freigelassene Femen-Aktivistin Josephine

3. Juli 2013, 22:15 Uhr

Mit nackten Brüsten wollen die Aktivistinnen von Femen für die Rechte von Frauen kämpfen. Die deutsche Studentin Josephine kam dafür in ein tunesisches Gefängnis. Bei stern TV spricht sie darüber.

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Nach einem Monat Haft wurde Femen-Aktivistin Josephine Witt aus dem Gefängnis in Tunesien auf Bewährung freigelassen.©

In den vergangenen Monaten haben die Aktivistinnen von Femen immer wieder mit gewagten Aktionen von sich reden gemacht - ihre Forderungen auf die nackten Brüste gepinselt. Darunter die Philosophiestudentin Josephine: Vor dem Justizpalast in Tunis entblößte sie ihre Brüste, um für die Freilassung der inhaftierten Aktivistin Amina Sbou zu demonstrieren. Die Aktion brachte Josephine und zwei Mitstreiterinnen aus Frankreich für einen Monat in ein tunesisches Gefängnis. "Es war die Hölle", sagt die Hamburgerin jetzt. Gemeinsam mit 27 anderen Frauen lebten Josephine und die beiden Französinnen in einer Zelle. Sie musste auf dem Boden schlafen. Während der 29 Tage Haft konnte Josephine nur ein einziges Mal duschen. "Wir wurden jeden Tag erniedrigt, wir mussten uns jeden Tag ausziehen vor den Aufsehern und beweisen, dass wir nichts an unserem Körper verstecken", erinnert sich Josephine.

Während der Haftzeit seien sie komplett abgeschottet von der Außenwelt gewesen, sagt sie. "Wir hatten nicht die Möglichkeit, jemanden zu kontaktieren. Alles was wir nach draußen transportieren wollten, zur Botschaft, wurde kontrolliert, wir konnten nicht frei sprechen." Es herrschte Willkür, so die Studentin. "Wir wussten nicht, was mit uns gemacht wird. Wir wurden in andere Räume gebracht ohne zu wissen, was wir da machen sollten. Wir mussten andauernd irgendwelche Dinge unterschreiben, die wir nicht verstanden haben." Das Gefühl der Hilflosigkeit sei schlimm gewesen. "Wir hatten manchmal wirklich Angst, dass wir nie wieder aus dem Gefängnis kommen."

29 Tage Haft unter katastrophalen Bedingungen

Nach zwei Wochen brach Josephine wegen der katastrophalen Zustände und dem ständig wachsenden psychischen Druck zusammen. "Ich konnte nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Für eine halbe Stunde war ich einfach weg", sagt die 20-Jährige. "Ich hab mich nur noch übergeben, die Mädchen haben mir Wasser gegeben. Ich hab am ganzen Körper gezittert und geschwitzt. Erst drei Stunden später ist ein Arzt gekommen."

Nach 29 Tagen kamen Josephine und ihre beiden Mitstreiterinnen am vergangenen Donnerstag endlich frei - völlig überraschend, wie sie sagt: "Mitten in der Nacht kam eine Aufseherin in unsere Zelle und hat gesagt, dass wir jetzt gehen können. Wir waren wirklich überrumpelt von den Neuigkeiten – und natürlich überglücklich." Doch ein Gedanke lässt Josephine keine Ruhe: "Wir machen uns immer noch Sorgen um Amina, die alleine im Gefängnis sitzt und weiterhin den Qualen dort ausgesetzt ist."

"Wir bereuen nichts"

Um freizukommen, mussten sich Josephine und die beiden französischen Aktivistinnen für ihren Protest entschuldigen. "Das heißt aber nicht, dass ich mit Femen breche und bereue, dass ich diese Aktion gemacht habe", stellt Josephine klar. Die Art und Weise ihres Protests ist für die Aktivistinnen der richtige Weg. Doch es erheben sich immer mehr kritische Stimmen, insbesondere zu den barbusigen Auftritten in Tunesien und anderen islamisch geprägten Ländern. Selbst von anderen feministischen Gruppierungen: Die tunesische Oppositionspolitikerin Maya Jribi beklagte, dass Femen alles kaputt mache, wofür die Frauenbewegung im Land jahrzehntelang gearbeitet habe. Denn Femen mache aus der Emanzipation eine Identitätsfrage und einen Kulturkampf und spiele damit den Islamisten in die Hände.

 
 
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