No-Angels-Star Nadja Benaissa hat ihr Schweigen gebrochen: Bei stern TV sprach die Sängerin, die wissentlich einen Mann mit HIV infiziert haben soll, über die Vorwürfe, vernichtende Schlagzeilen, das Leben mit dem Virus - und darüber, dass man versucht hat, sie deswegen zu erpressen.

No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa© DPA
Frau Benaissa, wie geht es Ihnen?
Ich bin HIV positiv. Das heißt: Ich trage diesen Virus in mir. Aber er ist nicht ausgebrochen. Ich nehme Medikamente, die verhindern werden, dass diese Krankheit ausbricht. Ich achte auf mich, ich treibe Sport, ich ernähre mich gut. Ich bin ein komplett gesunder Mensch, auch wenn ich HIV positiv bin.
Und wie gehen Sie damit um, dass die Infektion inzwischen öffentlich bekannt ist?
Es ist immer noch ein Ausnahmezustand. Ich kann immer noch nicht einfach so irgendwo hingehen und frei sein und einfach ein normaler Mensch sein. Ich habe jetzt diesen Stempel. Aber ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen.
Stichwort "Zwangsouting": Gab es böse Reaktionen auf die Medienberichte?
Es gab schon ein paar Situationen: Ich wurde mal im Flugzeug als "Schlampe" tituliert. (Red.: Jemand sagte): "Das ist doch die aus der Zeitung, diese Schlampe!". Da wundert man sich schon, dass erwachsene Menschen sich so verhalten.
Und wie ist Ihre Familie mit der Situation umgegangen? Speziell Ihre Tochter?
Meine Tochter wusste gar nichts von meiner Infektion, bis es in der Zeitung gestanden hat. Das war ein ganz schöner Schock. Meine Eltern haben versucht, die Schlagzeilen von ihr fernzuhalten. Sie ist dann auch erstmal nicht in die Schule gegangen. Wir haben versucht, sie so gut wie möglich zu schützen. Aber das war ja unmöglich.
Was sagen Sie zu dem Vorwurf, Sie hätten andere wissentlich infiziert?
Es existieren diese Vorwürfe, die versucht werden, aufzuklären. Es existiert ein Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft gegen mich. Ich arbeite mit den Behörden zusammen und versuche, diese Vorwürfe aufzuklären. Zu den Vorwürfen konkret kann ich mich nicht äußern, es gibt ein schwebendes Verfahren gegen mich und deshalb darf ich dazu nichts sagen. Aber ich kämpfe um mein Recht.
Sie saßen einige Wochen in Untersuchungshaft. Gab es Momente, in denen Sie den Mut verloren haben?
Da kamen dann manchmal so Sprüche: "Na, hast Du schon gehört, die wollen Dir zehn Jahre aufbrummen!" Da sitzt man dann drin und ist total wehrlos und hilflos. Da habe ich schon manchmal gedacht: "Mein Gott, was ist, wenn ich jetzt hier nicht mehr rauskomme?"
War es schwierig, Ihre HIV-Infektion vorher so lange geheim zu halten?
Es war immer sehr belastend - dieser Druck. Weil es immer Menschen gab, die wollten, dass das rauskommt. Und ich habe immer dafür gekämpft, dass das bei mir bleibt. Das war sehr anstrengend: Immer den Kopf hoch zu halten und weiter zu gehen, sich durchzukämpfen. Aber das hat sich ja jetzt erledigt. Jetzt kann mich keiner mehr erpressen.
Aids: Informationen im Netz Auf der Internetseite der Deutschen Aidshilfe gibt es eine Broschüre zum Download mit dem aktuellen Wissensstand zur Krankheit.
Hier geht es außerdem zur Homepage der Kampagne "Gib Aids keine Chance" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.