Wie oft wechseln Sie den Küchenlappen aus? Wie regelmäßig werden Kühlschrank oder Spüle gereinigt? stern TV hat sich in deutschen Haushalten umgeschaut. Die Ergebnisse und Tipps von Experten.

In der Küchenspüle lauern - je nach Reinlichkeit im Haushalt - Milliarden Bakterien.© Colourbox
Spüle, Arbeitsflächen, Zahnbürsten, Hundefressnäpfe ... In Deutschland herrschen ganz unterschiedliche Auffassungen von Hygiene und Sauberkeit im Haushalt. Zusammen mit dem Mikrobiologen Fritz Titgemeyer von der Fachhochschule Münster hat stern TV den Test gemacht: In neun privaten Haushalten haben wir in die Ecken, vor allem aber in die Küchen geschaut und Proben genommen. Darunter die Wohngemeinschaft der Studentinnen Viktoria und Johanna. Sofort fällt auf: Ihr Spülschwamm hat schon bessere Zeiten gesehen. "Der hat schon ein paar Monate hinter sich", gibt Viktoria auf die Frage nach dem Alter des Schwamms zu. Auch im Abfluss der Spüle wird der Mikrobiologe fündig: "Das ist ja hier Schleimbildung schlechthin." Mit einem Wattetupfer nimmt Titgemeyer eine Probe fürs Labor. Die Methode: "Ich drücke ihn in dieses Nährmedium. Da kleben die Keime dran und nach zwei Tagen kann man sehen, ob da irgendwas gewachsen ist", erklärt der Mikrobiologe. Bei einer Ausbreitung der Bakterien über das Nährmedium wäre bewiesen: Die Keimkonzentration an der Probe muss hoch gewesen sein.
In einer reinen Herren-Wohngemeinschaft finden wir ebenfalls verdächtige Spüllappen sowie eine Zahnbürste, die lange nicht gewechselt wurde. Im Haushalt von Inken T. dagegen blitzt die Küche. Auf der Arbeitsplatte hält die Hausfrau und Mutter für ihre drei Kinder den ganzen Tag Trinkbecher mit farbigen Strohhalmen bereit. Klingt praktisch, aber ist das auch hygienisch unbedenklich? Auch die Strohhalme kommen mit uns. Interessant wird es bei Familie H. Hier leben zwei Erwachsene, ein Baby - und zwei Hunde. Das Kinderspielzeug ist auch bei den Haustieren beliebt. Hundesabber auf dem Kuscheltier? Mikrobiologe Titgemeyer nimmt eine Probe vom Spielzeug.
Alle eingesammelten Proben werden im Labor der Fachhochschule Münster untersucht: Die Strohhalme, mehrere Zahnbürsten, Proben von Seifenspendern sowie die Spüllappen aus allen Haushalten. Insgesamt werden mehr als 80 Einzeltests gemacht. Dabei untersuchen die Wissenschaftler vor allem, wie viele gesundheitsgefährdende Keime sich auf den Proben befinden. Denn von einem Gegenstand zum nächsten übertragen sich Bakterien und Krankheitserreger überall hin - auch von den Händen ins Gesicht, an Mund und Nase.
Die gute Nachricht für alle Hundebesitzer: Das Kinderspielzeug mit Hundesabber ist überraschend keimfrei. Auf dem untersuchten Teddy sind kaum Keime zu finden. Auch die eingesammelten Hundenäpfe waren beinahe frei von Bakterien. "Das zeigt, dass Hundespeichel dazu beiträgt, Keime abzutöten", erklärt Fritz Titgemeyer. Gesunde Hunde dürfen Kinder also durchaus einmal näher kommen und abschlecken.
Insgesamt jedoch ist das Ergebnis des Hygiene-Tests erschütternd: In fast zwei Dritteln aller Proben sind viel zu viele Bakterien. Aus den neun getesteten Spülbecken sind nur zwei akzeptabel, die anderen wiesen bis zu zweieinhalb Milliarden Keimen pro Quadratzentimeter auf. Eindeutig gesundheitsgefährdend. Auch auf zwei Küchenarbeitsplatten befanden sich bedenklich hohe Keimzahlen, auf einer davon sogar gefährliche Darmbakterien. Vermutlich durch einen verkeimten Lappen verteilt. "Ich finde das Resultat schon gravierend", so Titgemeyer, "vor allem, da die meisten Haushalte eben doch optisch gut aussahen."
Selbst die Strohhalme aus den Kindertrinkbechern sind stark mit Keimen belastet. Der Tipp des Experten: Die Strohhalme nicht den ganzen Tag über benutzen, sondern alle zwei bis drei Stunden gegen frische eintauschen. Der Grund für die hohen Keimzahlen an einigen Proben ist, dass sich Bakterien in einem feuchten Milieu rasend schnell vermehren und ausbreiten. So war von den eingesammelten Spüllappen kein einziger unbedenklich. Titgemeyer zählte im Labor bis zu neun Milliarden Keime pro Lappen! Ein Wert, der höchst gesundheitsgefährdend ist, denn vom Lappen übertragen sich die Keime in der gesamten Küche und auch auf die Hände. Auf Spüllappen läuft das Bakterienwachstum besonders schnell: Nach 24 Stunden werden aus 10.000 Keimen leicht eine Milliarde. Fritz Titgemeyer rät deshalb unbedingt: "Der Spüllappen sollte täglich ausgewechselt werden, bei 60 Grad gewaschen oder eine Minute lang in der Mikrowelle erhitzt werden, um die Keimvermehrung in Schach zu halten."
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