Radeln bis zum Umfallen

4. Juni 2013, 12:15 Uhr

Die erlaubte Alkoholgrenze für Radfahrer liegt bisher bei 1,6 Promille. Doch kann man in dem Zustand überhaupt noch Fahrrad fahren? stern TV hat den Test gemacht - mit überzeugenden Resultaten.

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Alkohol am Fahrradlenker: Bisher lag die Grenze bei 1,6 Promille.©

Das letzte Bier war oft doch eins zu viel. Da scheint an Sommerabenden nach dem Biergarten oder dem Grillfest das Fahrrad die richtige Wahl für den Heimweg. Doch auch Radler unterschätzen ihre Fahrtüchtigkeit nach dem Alkoholgenuss oft gewaltig.

Deshalb fordern die Innenminister der Länder und Verkehrsminister Ramsauer nun, die geduldete Blutalkoholgrenze für Radfahrer von bislang 1,6 Promille auf 1,1 Promille zu senken. Grund für die Verschärfung ist die hohe Zahl an Fahrradunfällen, bei denen Alkohol im Spiel war. Auch Radfahrer sollen mit 1,1 Promille nun als absolut fahruntüchtig gelten. "Bei 1,6 Promille sei das Unfallrisiko für Radfahrer um das 36-fache erhöht", sagt Markus van Stegen, Leiter des Verkehrsbereichs im Polizeipräsidium Berlin.

stern TV im Selbstversuch

stern TV hat in der Fahrradstadt Münster einen Selbstversuch gemacht. Nach dem Genuss von diversen Bieren, einem Whisky Cola und einem Schnaps hat sich Reporter Hinrich Lührssen in den Sattel gesetzt. Schnell stellt er fest: "Ich bin definitiv nicht mehr verkehrstauglich. Das hier ist nicht zum Nachmachen geeignet, Freunde!" das weiß auch die Polizei in Köln. Regelmäßig werden hier Radfahrer aufgegriffen, die auch mit 1,1 Promille nicht mehr Fahrrad fahren sollten. Auch Christoph-Felix Hahn geriet 2008 mit dem Fahrrad in eine Polizeikontrolle. Der Student trank auf einer Party einige Biere und machte sich gegen vier Uhr morgens mit seinem Rad auf den Heimweg. Er fuhr Schlangenlinien und übersah eine rote Ampel. Grund genug für die Beamten ihn anzuhalten. Die Blutprobe ergab 1,71 Promille. Deutlich über dem erlaubten Wert von 1,6. Die Konsequenz: Ein Bußgeld von 500 Euro und er soll zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung gehen – zum so genannten Idiotentest. Als er sich weigert, wird ihm kurzerhand die Fahrradfahrerlaubnis entzogen. Christoph-Felix Hahn darf so lange nicht Fahrrad fahren, bis er den Test macht oder die Aufforderung zur MPU verjährt ist. Das wäre im Jahr 2024.

Immerhin: Wer mit 1,6 Promille oder mehr auf dem Fahrrad unterwegs ist, begeht eine Straftat. Das sagt auch der Bußgeldkatalog für Radfahrer: "Das Radfahren im betrunkenen Zustand ist keine Ordnungswidrigkeit aus dem Bußgeldkatalog, sondern eine Straftat: Wegen absoluter Fahrunsicherheit – ab 1,6 Promille – oder geringerer Alkoholisierung in Verbindung mit Ausfallerscheinungen (Fahrfehler, Unfall) kann der Radler vor Gericht angeklagt werden. Bei Radfahren mit 1,6 Promille oder mehr wird die Straßenverkehrsbehörde außerdem eine medizinisch-psychologische Untersuchung verlangen und je nach Ergebnis die Fahrerlaubnis für Kraftfahrzeuge entziehen oder sogar ein Radfahrverbot anordnen." (Quelle: ADFC)

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club steht hinter der Forderung nach einer niedrigeren Promilletoleranz bei Radfahrern. Die Stufe der Ordnungswidrigkeit, die bei Autofahrern zwischen 0,5 und 1,1 Promille gilt, soll auch bei Radfahrern eingezogen werden. "Ab 1,1 Promille sollte die Alkoholfahrt als Ordnungswidrigkeit gelten", heißt es.

So wirken sich 1,6 Promille aus Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zeigen sich zwischen 1,0 und 2,0 Promille folgende Symptome:

- weitere Verschlechterung der Sehfähigkeit und des räumlichen Sehens - erheblich gestörte Reaktionsfähigkeit - Gleichgewichtsstörungen - Verwirrtheit und Sprechstörungen - Orientierungsstörungen - gesteigerte Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit - erhöhte Aggressionsbereitschaft

 
 
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