22. August 2012, 22:15 Uhr

Fußpflegerinnen im Test

In offenen Sommerschuhen zeigt sich, was sonst von Socken verhüllt wird. Manche Füße könnten deshalb durchaus vorab eine Generalüberholung brauchen. Was professionelle Fußpflege bringt und kostet.

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Bei der Fußpflege unterscheidet sich die medizinische von der kosmetischen Pflege.©

Eingewachsene Nägel, Hornhaut, Nagelpilz - nicht wenige Menschen haben mit derartigen Fußproblemen zu tun. In Zeitungen und im Internet bieten deshalb viele kosmetische und medizinische Fußpfleger ihre Dienste an. stern TV hat mit versteckter Kamera mobile Fußpflegedienste getestet.

Als Lockvögel haben sich Frauen und Männer mit kleinen und größeren Fußproblemen zur Verfügung gestellt. Sie möchten sie sich in unserer Testwohnung von einer Fachkraft behandeln lassen. Hinter den Kulissen beurteilt Expertin Ilona Beer, Berliner Vorsitzende des Zentralverbands der Podologen und Fußpfleger Deutschlands, die Vorgehensweisen und Ergebnisse der bestellten Fußpflegerinnen. Sie hat die Füße unserer Lockvögel vorab eingehend untersucht und weiß, welche Stellen einer besonderen Behandlung bedürften.

Keine Sonderbehandlung für Problemstellen

Schon die erste Fußpflegerin fällt auf ganzer Linie durch: Ohne Voruntersuchung macht sie sich bei Lockvogel Sabrina an die Arbeit. Dass diese zwei Hühneraugen hat, die bei Nichtbehandlung große Schmerzen verursachen können, bemerkt die Frau nicht. Dabei gehört das Erkennen und Entfernen von Hühneraugen zum Standard-Repertoire eines Profis. Das Ergebnis: Schlecht gefeilte Nägel und übersehene Hühneraugen, dazu unhygienisches Arbeiten. Teure 26 Euro waren hier definitiv fehlinvestiert.

Zweiter Versuch: Die Füße von Lockvogel Thomas sind fußpflegerisch betrachtet eine echte Herausforderung. Der 43-Jährige hat eingewachsene Nägel, dicke Hornhaut und am großen Zeh einen Nagelpilz. Für seine Problemfüße sucht er sich eine ausgebildete medizinische Fußpflegerin aus, die sich angeblich auf die Behandlung pilzgeschädigter Nägel versteht. Bevor sie loslegt, nimmt sich die Frau Zeit für ein ausführliches Anamnese-Gespräch. Unsere Expertin lobt das: "Man sollte sich auf jeden Fall im Vorfeld erkundigen: Was habe ich zu erwarten, was bringt mein Kunde für Krankheiten mit?" Für den Nagelpilz empfiehlt die Fußpflegerin aber dann lediglich eine Eigenbehandlung mit einem Lack, anstatt Thomas zum Hautarzt zu schicken. Auch in ihrer Vorgehensweise zeigt sie sich anschließend eher laienhaft. Das Ergebnis: unsauber und einfach erschreckend. Auch hier: 25 Euro rausgeschmissenes Geld.

Enttäuschende Testausbeute

Drei weitere Fußpflegerinnen enttäuschen mit ihrer Leistung. An den Füßen unserer Lockvögel bleiben unbehandelte Problemstellen, stehengebliebene Nagelecken und Hornhaut zurück. Dazu wurde vielfach unhygienisch gearbeitet. "Jemand der das tagtäglich macht und professionell, der sollte ordentliche Arbeit leisten", findet Ilona Beer. Mit Preisen von knapp unter 30 Euro waren die meisten Dienste sogar recht teuer. "Ein normaler Preis liegt zwischen 20 und 30 Euro – bei 30 Euro sollten die Füße anschließend aber schon sehr ansehnlich aussehen", sagt die Expertin.

Das stern TV-Testergebnis: Von sieben mobilen Pediküre-Diensten waren zwei ganz passabel, drei von ihnen waren ihr Geld nicht wert. Lediglich zwei Fußpflegen waren sehr gut. Ilona Beer ist überrascht von der miserablen Testausbeute: "Rund geschnittene Fußnägel oder stehen gebliebene Nagelecken verursachen oft Entzündungen und das Einwachsen der Nägel. Zuviel abgetragene Hornhaut macht sehr empfindsam und übersehene Hornhautstellen und Hühneraugen verursachen zum Teil große Schmerzen", erklärt Ilona Beer. "Bei Patienten, deren Haut- und Nagelpilze nicht erkannt wurden, können sich die Infektionen auf andere Fußregionen ausbreiten."

Die Testsiegerin

Die Testsiegerin leistet ganze Arbeit: Lockvogel Andreas bestellt für seine Problemfüße eine medizinische Fußpflegerin. Franceska Oppel, so heißt die Frau, ist die erste, die auch Arbeitslicht mitbringt. Über die Herausforderung, den verdickten Problemnagel an Andreas Zeigezeh zu behandeln, freut sich die Fußpflegerin geradezu. Gekonnt rückt sie der Problemstelle zu Leibe. Und bei der abschließenden Fußmassage gibt sie nebenbei Pflege-Tipps. "Schönes Gespräch, schöne Füße, was will man mehr?", so Andreas Urteil. Und mit 20 Euro war die junge Frau sogar die günstigste: unsere Testsiegerin.

Eine medizinische Fußpflege, wie Franceska Oppel sie anbietet, unterscheidet sich von der kosmetischen Fußpflege in einigen Punkten. Bei der medizinischen Pflege handelt es sich um ausgebildete Fachkräfte, die eine mehrjährige Vollzeitausbildung hinter sich haben: Die so genannten Podologen benötigen eine staatliche Zulassung, müssen unter anderem ihre Instrumente professionell sterilisieren und ihre Behandlungen - wie ein Arzt - dokumentieren. Wer den Titel Podologe nicht trägt, darf lediglich die kosmetische Fußpflege anbieten. Dabei werden gesunde Füße gepflegt und verschönert. Es geht im Wesentlichen um das Hornhaut abtragen, Nägel schneiden und lackieren. "Bei 'Härtefallen' sollte man auf jeden Fall einen medizinischen Fußpfleger mit mehr Fachwissen kommen lassen, auch wenn er teurer ist als ein kosmetischer", rät Ilona Beer deshalb. Dass "teurer" aber gar nicht sein muss, beweist unserer Testsiegerin.

Das sind die häufigsten Problemstellen: Fuß-/Nagelpilz
So genannte Mykosen sind weit verbreitet. Jeder dritte bis vierte Fußpflegekunde hat mit einem Nagelpilz zu tun. Nagelpilze sind ansteckend und eine ernst zu nehmende Erkrankung. Die Infektion findet meist erst im feuchten Milieu zwischen den Zehen statt - ein Hautpilz, der unbehandelt auf den Nagel übergreift. Spätestens wenn sich der Nagel verändert, dicker und gelblich wird, sollten Sie eine Hautarztpraxis aufsuchen.

Hühneraugen
Hühneraugen entstehen durch Druck. Sie sind mitunter sehr schmerzhaft und stechen, da ein Hornhautkeil tief ins Gewebe drückt. Frauen, die Pumps tragen, haben Hühneraugen häufig am kleinen Zeh oder zwischen den Zehen. Doch auch bei flacheren Schuhen - wenn der Fuß breiter als der Schuh ist - können sich leicht Hühneraugen bilden. In einer Behandlung müssen die Hornstückchen vollständig ausgeschält werden.

Eingewachsene Nägel
Die häufigste Ursache für eingewachsene Nägel ist das unsachgemäße Nagelschneiden. Wer seine Nägel jahrelang rund schneidet, züchtet sich einen so gewachsenen Nagel regelrecht heran. Auch zu enges Schuhwerk oder gesundheitliche Probleme (etwa Stoffwechselerkrankungen) sorgen ebenfalls für eine Deformation der Nägel, die dann ins Fleisch einwachsen.

 
 
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