Das Comeback einer Boxerin

23. Januar 2013, 23:15 Uhr

Es schien das Ende einer aussichtsreichen Karriere, als Rola El-Halabi 2011 vor ihrem großen WM-Kampf niedergeschossen wurde. Doch sie kämpfte sich zurück ins Leben - und in den Boxring.

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Zurück im Boxring: Weltklasseboxerin Rola El-Halabi.©

Hinter ihr liegt ein harter Schicksalsschlag und ein langer, mühsamer Weg bis zu diesem Comeback: Im Januar stand Weltklasseboxerin Rola El-Halabi wieder im Boxring. Im Mai 2011 trifft stern TV Rola El-Halabi zum ersten Mal. Die junge Frau ist auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Notoperation konnte ihr das Leben retten, weitere Operationen folgten. Nun kann sich die Sportlerin nur mit Hilfe anderer fortbewegen. Die Ärzte wagen keine Prognose, ob die zweifache Weltmeisterin im Leichtgewicht je wieder richtig laufen oder gar boxen können wird. "Ich bin beeinträchtigt in meinem Alltag. Es gibt ein paar Dinge, die ich nicht machen kann. Aber ich lebe", sagt sie.

Vier gezielte Schüsse sollen die Karriere beenden

Rückblick: Es war der Tag ihres großen WM-Titelkampfs am 01. April 2011 in Berlin. Ihr Vater Hicham, genannt "Roy" El-Halabi, war zu der Veranstaltung nicht eingeladen. Zwischen ihnen hatte es in letzter Zeit immer wieder Streit gegeben. Denn die gebürtige Libanesin hatte sich in einen Mann verliebt, den ihr Vater nicht akzeptierte. Koste, der Mann, mit dem Rola noch immer zusammen ist. "Er hat gesagt: Wenn ich euch zusammen sehe, dann knall ich euch ab", erinnert sich die Boxerin.

Roy El-Halabi ist an diesem Tag trotzdem in die Halle gekommen. Er dringt gewaltsam zur Kabine seiner Tochter vor und verschanzt sich mit ihr. Dann feuert er vier gezielte Schüsse auf Rola ab. Die Kugeln treffen sie in die rechte Schlaghand, ins linke Knie und in beide Füße.

Ein langer, harter Weg zurück in den Ring

Warum tut ein Mann, der noch dazu lange ihr Manager war, so etwas? Für Rola ist es bis heute unvorstellbar. Er war für sie wie ein leiblicher Vater gewesen. Nach der Tat wird Roy El-Halabi verhaftet und einige Monate später zu sechs Jahren Haft verurteilt. In wenigen Minuten hatte er Rolas Boxkarriere zerstört. Beinahe. Denn: Rola El-Halabi ist eine Kämpferin. Und so kommt sie mit der Unterstützung ihrer Familie und ihres Verlobten Kosta auf die Beine, beginnt wieder zu trainieren. Schon fünf Monate nach den schweren Verletzungen nimmt sie an einem 5-Kilometer-Lauf teil. "Da habe ich gemerkt, ich kann noch beißen, auch wenn es wehtut, auch wenn ich das Gefühl habe es geht nicht mehr – da gehen noch immer ein paar Prozent."

Mit unglaublicher, psychischer Stärke nimmt sie den Kampf gegen ihr Schicksal auf. "Egal, was man sich in den Kopf gesetzt hat, man muss nur dran glauben", sagt sie im Mai 2012 zu Steffen Hallaschka im stern TV-Studio. Und auf die Frage des Moderators, ob sie an eine Rückkehr an die Weltspitze glaube, sagt Rola El-Halabi damals: "Jetzt noch mehr."

"Den härtesten Kampf habe ich gewonnen"

Dann ist es soweit: Rola tritt zu einem Comeback-Kampf an, auf den sie sich fünf Monate intensiv vorbereitet hat. Selbst organisiert in ihrer Heimatstadt Ulm. Es geht gleich um drei Weltmeistertitel der Leichtgewichtklasse. Es ist der 12. Januar 2012, 5000 Zuschauer jubeln Rola El-Halabi zu. Sie alle wünschen sich, dass die junge Frau ihr Trauma überwunden hat und den Ring als Weltmeisterin verlassen wird. "Gewonnen habe ich schon für mich. Ich bin aufgestanden und habe weitergemacht", sagt sie im Interview vor dem Kampf.

Doch ihre Gegnerin, die Italienerin Lucia Morelli, ist eine extrem starke Boxerin. Zehn Runden lang gibt Rola alles. Am Ende haben die Punktrichter das letzte Wort: Rola El-Halabi hat ihren Comeback-Kampf verloren. Die Enttäuschung ist ihr anzumerken. Dennoch gilt für Rola nach wie vor: "Ich habe meinen härtesten Kampf, den Kampf zurück ins Leben, gewonnen", sagt sie nach dem Kampf.

Buchtipp Stehaufmädchen: Wie ich mich nach dem Attentat meines Stiefvaters zur Boxweltmeisterschaft zurückkämpfe. Von: Rola El-Halabi und Felicia Englmann. mvg-Verlag 2012. ISBN-Nr.: 978-3868822779.