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2. Dezember 2009, 22:15 Uhr

Die Tricks der Gedächtnismeister

Schneller lernen

Eine 100-stellige Zahl in fünf Minuten lernen: für Gedächtnissportler kein Problem. Besonders intelligent muss man dafür nicht sein - man muss nur ein paar Tricks beherrschen. Wer weiß, wie es funktioniert, steigert seine Gehirnleistung im Alltag.

Gedächtnis, Gesichter, Erinnern, Methode, Test

Kinderleicht: Informationen lassen sich mithilfe von Bildern besser speichern© Colourbox

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Können Sie sich vorstellen, sich diese Zahl innerhalb von fünf Minuten einzuprägen und dann ohne zu zögern wiederzugeben? "Das kann jeder normale Mensch schaffen", sagt Gedächtnistrainer Michael Gloschewski. Am Anfang dieser langen Zahlenkolonne steht für Erinnerungsprofis nicht etwa 2,3, ..., sondern: ein Kapitän. Denn 23 ist der Code für "Nemo" (2=N, 3=M), weiter geht’s mit "Rose" (=40), "Loch" (=56) und "Rock" (=47).

Das Grundprinzip, das sagenhafte Gedächtnisleistungen ermöglicht, ist einfach: Was auch immer man sich merken will, muss im Geiste mit Bildern verknüpft werden - und zwar möglichst kreativ, möglichst emotional. Das Gehirn behält Außergewöhnliches viel besser als Banales: Je merk-würdiger die Assoziation, desto besser das Erinnerungsvermögen.

Dieses Prinzip kann mit unterschiedlichen Techniken umgesetzt werden (siehe unten).

Ob es nun um Vokabeln büffeln, Geschichtsdaten pauken, Einkaufslisten merken, Geburtstage erinnern geht: Im Alltag gibt es viele nützliche Gelegenheiten für die Memorierungstechniken. Tatsächlich haben Studien immer wieder ergeben, dass sich mithilfe der "visuellen Assoziation" Informationen schneller, präziser und länger im Gedächtnis speichern lassen.

Und je mehr Wissen man gespeichert hat, desto leichter fällt einem auch die Aufnahme von neuen Fakten - weil sich die Assoziationsmöglichkeiten steigern. Wer beispielsweise die Jahreszahl der Französischen Revolution kennt, dem fällt wohl schnell ein, wie er sich seine Pin-Nummer 9871 merken soll.

1. Die Routenmethode

Die sogenannte Routenmethode ist wohl die beliebteste Technik, um sich in kurzer Zeit viele Fakten einzuprägen.

1. Zunächst muss man sich in Gedanken eine Route ausdenken, auf der sich markante Punkte befinden. Es hilft, sich eine Route zu überlegen, die man gut kennt, etwa in der eigenen Wohnung, auf dem Weg zur Arbeit etc. Zum Beispiel: Haustür - Badezimmer - Treppe - Wohnzimmerteppich - Zimmerpflanze - Bücherregal - Sofa - Spüle - Besteckschublade.

2. Möchte man sich nun beispielsweise eine Einkaufsliste merken, verknüpft man die Routenpunkte mit den Lebensmitteln auf der Liste. Beispiel: Haustür mit Orangensaft - Badezimmer mit Salat - Treppe mit Tomaten - Wohnzimmerteppich mit Eiern - Zimmerpflanze mit Milch - Bücherregal mit Kaffee - Sofa mit Brot - Spüle mit Möhren - Besteckschublade und Waschmittel.

3. Man sollte sich möglichst übertriebene und fantasievolle Bilder einprägen, die alle Sinne ansprechen. Beispiel: Über der Haustür werden 20 Liter Orangensaft ausgeschüttet - dann stopft man einen Salatkopf in die Toilette - eine Tomatenlawine rollt mit lautem Poltern die Treppe hinunter -etc.

4. Wenn man dann im Supermarkt steht, muss man seine Route nur noch in Gedanken abgehen. So wird man garantiert nichts mehr vergessen - egal, wie lang die Liste ist. Tipp: Am besten funktioniert dieses Gedächtnistraining, wenn Sie sich mehrere Routen zurechtlegen. Hat unser Gehirn nämlich einmal eine Route mit bestimmten Gegenständen verknüpft, kann es bis zu einer Woche dauern, bis man sie wieder vergessen hat.

2. Symbolsystem

Lieber als die Routenmethode benutzen manche Gedächtnissportler ein Symbolsystem, das nach dem gleichen Prinzip funktioniert. Statt bestimmter Routenpunkte legt man eine Reihe von Symbolen fest, die Zahlen ähneln: beispielsweise Kerze (1) - Schwan (2) - Dreizack (3) - Kleeblatt (4) - etc.

So verknüpft man die zu merkenden Informationen mit diesen Symbolen: Eine brennende Kerze schwimmt in einem See voller Orangensaft - der Schwan spuckt unentwegt Salatblätter aus - etc.

3. Zahlsystem

Um sich lange Zahlenreihen schnell merken zu können, entwickeln Gedächtnissportler einen Code, den sie immer wieder nutzen. Dabei werden einzelnen Ziffern zunächst Buchstaben zugeordnet, z.B.:

1=T (ein Strich nach unten),
2=N (zwei Striche nach unten),
3=M (drei Striche nach unten)

Danach können aus zwei Ziffern Worte gebildet werden, z.B.:

12=Tanne,
13=Team,
23=Nemo,


Für eine 100-stellige Zahl merken sich dann Gedächtnismeister die entsprechenden 50 Begriffe und setzen sie beispielsweise auf einer Route ab (siehe auch Routensystem). So entsteht im Geiste eine "merk-würdige" Reise, an die man sich leicht erinnert - und so lassen sich die Zahlen schnell wieder abrufen. Dafür allerdings muss man das festgelegte Zahlen-Begriffssystem (von 0 bis 99) einmal gelernt haben.

Weitere Informationen zu dieser Technik hier: www.memoryxl.de

4. Geschichten-Methode

Wenn es darum geht, sich eine Reihe von - zunächst zusammenhanglosen - Begriffen zu merken, denkt man sich am besten eine Geschichte aus, in der die Begriffe eine bildliche Rolle spielen.

Versuchen Sie es einmal bei diesem Test: Begriffe merken - leicht

Haben Sie allerdings wenig Zeit, ist die Routentechnik (siehe 1.) erfolgversprechender.

5. Gesichter und Namen erinnern

Wie prägt man sich möglichst schnell Namen zu Gesichtern ein? Clemens Mayer, mehrfacher Gedächtnisweltmeister, schafft es, sich bis 100 Vor- und Nachnamen innerhalb von 15 Minuten zu merken. Seine Tipps:

1. Nehmen Sie sich zunächst für Sie auffällige Gesichter vor.
2. Suchen Sie nach Besonderheiten, z.B. Brille, Frisur, Kette.
3. Stellen Sie sich ein Bild zu dem Namen vor, z.B. Stefan Raab = Rabe.
4. Verbinden Sie dieses Bild mit einer Besonderheit, z.B. ein Rabe stupst dem Mann die Brille aus dem Gesicht.
5. Sprechen Sie den Namen laut und deutlich aus.

Sie können die Tipps bei diesen Tests ausprobieren: Gesichter-Tests

Weitere Tipps von Clemens Mayer: www.memoryxl.de

6. Vokabeln lernen

Vokabeln lassen sich am besten mit der sogenannten Schlüsselwortmethode lernen. Dabei denkt man sich für das Fremdwort einen Begriff aus, der in der Muttersprache ähnlich klingt, z.B.

mice (engl.: Mäuse) = Mais,
chien (franz.: Hund) = Ski

Dazu bildet man ein prägnantes Bild, also z.B. wie sich viele Mäuse über Maiskolben hermachen oder ein skifahrender Hund.