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9. Januar 2013, 22:15 Uhr

So schnell wird Privates öffentlich

Bleibt Privates bei Facebook wirklich privat? stern TV hat den Test gemacht und mit wenig Aufwand eine Anwendung programmiert, die unbemerkt Postfächer öffnen könnte. Wie sich User schützen können.

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Mit wenig Programmieraufwand kann eine App bei Facebook Privatnachrichten zugänglich machen.©

In Deutschland gibt es fast 25 Millionen Facebook-Nutzer. Sie fühlen sich dort privat, verschicken persönliche Nachrichten im Sekundentakt. Doch bleibt Privates bei Facebook wirklich privat? Cedric Wetzel, Wirtschaftsinformatik-Student und nebenberuflicher Programmierer, glaubt nicht daran – und will es beweisen. Als er vor einem Jahr für ein namhaftes Unternehmen ein Facebook-Gewinnspiel entwickelte, entdeckte er eine offizielle und legale Seite von Facebook für Entwickler. Neben Tipps und Tricks zum Programmieren fand er einen besonderen Hinweis: Wer einen spezifischen Programmierbefehl einsetzt, kann Facebook-Nutzer um Berechtigung bitten, auf ihr persönliches Postfach zuzugreifen.

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Über die Anwendung hatte Wetzel dadurch Zugriff auf die Daten von insgesamt 5000 Facebook-Nutzern und hielt das zunächst für einen Fehler von Facebook. "Ich habe abgewartet, ob mir die Berechtigung genommen wird, so etwas zu machen oder mein Account gesperrt wird", erinnert sich der Student. Doch nichts passierte. "Also das war kein Fehler und vollkommen von Facebook gewollt", sagt Cedric Wetzel.

Gemeinsam mit Wetzel will stern TV testen, ob man noch immer mit wenig Aufwand an die Daten von Facebook-Nutzern kommt. Der Programmierer entwickelt eine Anwendung, eine sogenannte App, mittels der Facebook-User kostenlos Weihnachtsgrüße verschicken können. Um eine Karte zu verschicken, muss der Anwender die App zulassen: Die Nutzer müssen der Anwendung die Erlaubnis geben, auf ihre Facebook-Daten zuzugreifen. Das ist keine Seltenheit. Die meisten Apps bei Facebook wollen persönliche Informationen wie Namen, Geburtsdatum oder Freundesliste nutzen. Doch stern TV geht noch weiter: Die App bittet die Nutzer um Zugriff auf ihr persönliches Facebook-Postfach. "Wenn sich dieses Fenster öffnet, werden im Hintergrund schon die Facebook-Nachrichten geladen.", erklärt Wetzel. "Das heißt, wir haben alle Facebook-Nachrichten gespeichert und der Nutzer hat nichts davon mitbekommen."

Kontonummern, Telefonnummern, persönliche Daten

Tobias Schrödel ist IT-Sicherheitsexperte und überwacht das Experiment. Bei ihm landen die Nachrichten - es sind Tausende. "Hier haben wir die Daten eines Kosmetikstudios, hier schickt jemand seine Kontonummer, hier eine Telefonnummer", erklärt Schrödel bei der Durchsicht der Nachrichten von den rund 600 Nutzern, die die Weihnachtsgrüße-App benutzt haben.

stern TV konfrontiert Facebook-Nutzer mit den gesammelten Daten. Dank der App wissen wir nun beispielsweise, dass Ilona B. gerne backt und vor kurzem bei einem Eishockeyspiel war. "Das ist der Hammer", realisiert die junge Frau. Sie hatte sich erst im Oktober bei Facebook angemeldet und war besonders vorsichtig bei der Weitergabe ihrer Daten. "Dass es gerade mir passiert ist, ist erschütternd", sagt Ilona B. "Dass man das Kleingedruckte einfach überliest, nur gucken will und es gleich so ein Ausmaß hat." Auch Dianne D. kann kaum glauben, dass stern TV so leicht an ihre Daten gekommen ist. "Das ist mein halbes Privatleben", sagt sie.

Verstoß gegen Datenschutzrecht

Christian Solmecke ist Fachanwalt für Internet und Medienrecht. Er kritisiert seit langem die Datenschutzbestimmungen von Facebook. Die Ergebnisse des stern TV-Tests verwundern den Spezialisten dennoch: "Das ist ein klarer Verstoß gegen Persönlichkeitsrecht und gegen Datenschutzrecht." Rund 30.000 dieser so genannten Apps kursieren derzeit bei Facebook, werden von den Nutzern oft und gerne genutzt. Viele davon viele können offenbar auf sehr private Daten zugreifen. Gerade das persönliche Postfach bei Facebook sei wie ein E-Mail-Account, für einige User sogar ein E-Mail-Ersatz, erklärt Solmecke. "Besondere Vorschriften sind hier von Nöten, eine einfache Datenschutzerklärung reicht nicht aus."

IT-Experte Schrödel rät allen Facebook-Nutzern, stets genau durchzulesen, was sie anklicken, selbst wenn es eine Minute mehr in Anspruch nimmt. Facebook wolle natürlich nicht, dass Nutzer die Bedingungen genau lesen, erschweren es den Nutzern zum Teil sogar, sich gegen Dateneinsicht zu schützen – etwa durch versteckte Einstellungen oder un- oder missverständliche Formulierungen. "Daher ist der "Jetzt spielen"- oder der "Zur Anwendung"-Button groß, die Schrift der Nutzungsbedingungen klein und grau", erklärt Schrödel.

Dennoch gibt es ein paar einfache Einstellungen und Kniffe, wie Sie Ihr Facebook-Profil gegen Spionage-Apps schützen können.

Häufig gestellte Fragen Medienrechtler Christian Solmecke und IT-Experte Tobias Schrödel haben im Experten-Chat Zuschauerfragen beantwortet. Ihre Antorten auf die häufig gestellten Fragen können Sie hier noch einmal nachlesen.

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