Außer Rand und Band

10. Juli 2013, 22:15 Uhr

Darian ist ein Schreibaby. Der Säugling schreit bis zu acht Stunden am Tag - und nachts. Seine Eltern stehen am Rande des Nervenzusammenbruchs. Doch ihnen und anderen Familien kann geholfen werden.

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Darian war ein Schreibaby. Er schrie bis zu acht Stunden am Tag. Und auch in der Nacht.©

Kerstin und Kevin Schulz sind mit den Nerven am Ende. Sie können nicht mehr schlafen. Unter ihren Augen haben sich dunkle Ringe gegraben. Die jungen Eltern werden terrorisiert. Ausgerechnet von dem kleinen Menschen, den sie über alles lieben: von ihrem Sohn Darian. Der Kleine ist ein Schreibaby. Als Schreibaby gilt ein Kind, das mehr als drei Stunden am Tag, mindestens drei Mal die Woche und seit mehr als drei Wochen exzessiv schreit. So war ist es auch bei Darian: Ob Tag oder Nacht – der Kleine brüllt ohne Pause. Mal vier Stunden, mal fünf oder sechs Stunden am Stück. Das Paar war mit dem Säugling bei zig Hebammen, Ärzten und Osteopathen – doch keiner konnte ihnen helfen. Körperlich ist Darian gesund.

Ordnung im Tagesablauf

In der Schreiambulanz der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen findet die gestresste Familie Verständnis und Hilfe. "In unserer Behandlung steht immer an oberster Stelle, den Eltern das Gefühl der Schuld an dem Zustand des Kindes zu nehmen", sagt Sozialarbeiterin Gabriele Grühn. "Sie machen nichts falsch. Sie versuchen ihrem Kind zu helfen und tun alles dafür, dass es ihren Kleinen besser geht." Die Schulzes sollten im ersten Schritt über den Tagesablauf von Darian Buch führen: Wann schläft, isst und schreit der Junge wirklich? Dann bringt Familie Schulz Ordnung in den Tagesablauf. Fortan gibt es geregelte Essenszeiten, feste Schlafenszeiten und weniger Reizüberflutung für das Kind. Die Tipps der von Gabriele Grühn zeigen nach und nach Wirkung.

Eine Schreibaby-Beratung wird üblicherweise von der Krankenkasse bezahlt und kann zwischen zwei und zwölf Wochen dauern. Bei Darian wird schon nach drei Wochen eine große Veränderung sichtbar - und vor allem hörbar. Seinen Mittagsschlaf will der Kleine zwar immer noch nicht machen. Doch seine Mutter hat gelernt, ihn schreien zu lassen. Erst wenn er aufhört, darf Kerstin zu ihm hingehen. Viele Mütter finden das hart. Doch die Therapeutin weiß: Nur so kann das Baby sein erlerntes Verhalten ändern.

Einen Gang runterschalten

Grundsätzlich gilt: weniger ist oft mehr. Unruhige Kinder brauchen keinen Stress, sondern Ruhe. Wenn ihr Baby eine Störung entwickelt, sollten Eltern einen Gang runter schalten und beispielsweise eher im Park spazieren gehen, anstatt im Einkaufscenter. Für Kerstin und Kevin Schulz hat sich durch die Beratung viel geändert. Zwar schreit Darian noch immer mehr als andere Babys. Der stundenlange Nerventerror ist aber vorbei und Kerstin und Kevin Schulz haben viel mehr Zeit, mit ihrem Jungen zu spielen – und zu lachen.

Hilfe für Eltern Eine Übersicht mit zentralen Schreiambulanzen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Eine umfassende Liste mit Anlaufstellen - nach Postleitzahlen sortiert - finden Sie auf dieser Internetseite.

 
 
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