Lea ist mittlerweile sechs Jahre alt. Das muntere und eigensinnige Mädchen kann heute selbstständig laufen und geht in den Kindergarten - doch nun musste Lea erneut operiert werden.

Bekommt eine neue Schädeldecke: der siamesische Zwilling Lea© stern TV
Ohne Helm in den Kindergarten: Die sechsjährige Lea Block ist überglücklich, dass sie endlich ohne den lästigen Kopfschutz herumtoben, spielen und Spaß haben kann. Bis vor kurzem war das undenkbar - denn Lea hatte keine Schädeldecke. In den USA hat sie in einer achteinhalbstündigen Operation nun eine künstliche Schädeldecke bekommen. Das Implantat aus Kunststoff schließt jetzt das Loch in Leas Schädel, das sie zuvor zum Tragen eines Schutzhelms gezwungen hat.
Im August 2003 kam Lea Block zur Welt - als siamesischer Zwilling. Mit seiner Schwester Tabea war das Mädchen am Kopf zusammengewachsen. Früh entschieden sich die Eltern: Wir lassen unsere Kinder voneinander trennen. Die schwere Operation, die in den USA stattfand, dauerte mehrere Tage. Tabea starb dabei: Sie hatte bei der Operation zu viel Blut verloren und die Ärzte konnten ihren Kreislauf nicht mehr stabilisieren.
Auch Lea hat durch die Operation bleibende Schäden davongetragen: Sie leidet seitdem an einer schweren Sehschwäche und an einer halbseitigen Lähmung. Doch Lea hat sich mit der Zeit gut von dem komplizierten Eingriff erholt - und macht ständig Fortschritte: Mit der Sehschwäche kommt sie heute gut zurecht, weil sie sich bereits früh daran gewöhnen musste. Und durch regelmäßige Physiotherapie hat sie sogar gelernt, eigenständig zu gehen.
Nur die fehlende Schädeldecke war bisher eine große Gefahr für die Sechsjährige: Ohne Helm hätte sie sich bei jedem Sturz lebensgefährliche Verletzungen zuziehen können. Deshalb entschieden sich ihre Eltern auch dazu, ihre älteste Tochter ein weiteres Mal operieren zu lassen.
Bei dem Eingriff in den USA passte die künstliche Schädeldecke, die mithilfe von computertomografischen Bildern von Leas Kopf hergestellt wurde, zwar auf Anhieb. Doch einige Tage später stellten die Ärzte fest, dass zu viel Gehirnwasser in Leas Kopf auf das Gehirn der Kleinen drückte. Sie musste erneut operiert werden. Und das machte Lea ganz schön zu schaffen: Nach dem Eingriff war sie ständig müde, hatte keine Lust aufzustehen. Mehrere Kanülen im Bein führten außerdem zu Schwellungen und Schmerzen. Deshalb traute sie sich zunächst auch nicht, alleine zu laufen.
Trotzdem: Die neue, künstliche Schädeldecke, die Lea jetzt in den USA bekommen hat, ist für sie ein weiterer Schritt in Richtung Normalität. Im Sommer kommt das Mädchen aus dem nordrhein-westfälischen Lemgo in die Schule. Bis dahin hat sie die Strapazen der Schädeldecken-OP hoffentlich gut verkraftet - und kann als ABC-Schütze mit Gleichaltrigen lernen und Spaß haben.