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2. April 2008, 23:16 Uhr
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Die Stasi-Methoden von Lidl

Stasi-Methoden bei Lidl: Monatelang haben Detektive im Auftrag des Discounters in Filialen Mitarbeiter ausspioniert und intimste Details aus deren Privatleben protokolliert. Der stern und stern.de deckten diesen Überwachungsskandal auf. Lidl hat mögliche Bespitzelungen eingeräumt.

Kassiererin bei Lidl: Systematische Bespitzelung© picture-alliance/dpa

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ließ voriges Jahr systematisch die Beschäftigten in zahlreichen Filialen überwachen. Dem stern und stern.de liegen mehrere Hundert Seiten interner Lidl-Protokolle vor, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur "introvertiert und naiv wirkt".

Der Hamburger Arbeitsrechtler Klaus Müller-Knapp, dem die Protokolle vorab gezeigt wurden, hält sie für "in höchstem Maße skandalös", weil es nicht um Arbeits-, sondern um Verhaltenskontrolle geht. "Das stellt einen klaren Verstoß gegen Artikel zwei Grundgesetz dar, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit schützt."

Videos sollten Vorwürfe gegen Mitarbeiter untermauern

Dass die Überwachung offenbar auch dazu genutzt wurde, um gegen Angestellte vorzugehen, zeigt der Fall von Ruth Koc. Die langjährige Lidl-Mitarbeiterin schilderte bei stern TV, wie ihr im Jahr 2006 fristlos gekündigt wurde. Vorgesetzte warfen ihr vor, sie hätte Pfandgeld unterschlagen, als angebliche Beweise legten sie Videoaufnahmen und Protokolle der Sicherheitsfirma HIS vor. "Ich habe mir nie erklären können, wo die da eine Pfandgeldunterschlagung gesehen haben. Ich setze doch nicht für 25 Cent pro Flasche meinen Job aufs Spiel", sagt Koc.

Sie klagte vor Gericht, nach drei Verhandlungen - ein Jahr nach der Kündigung - musste Lidl Gehalt nachzahlen und eine Abfindung zahlen. "Nach der Kündigung bin ich in ein tiefes Loch gefallen, ich habe an meinem Arbeitsplatz gehangen, Lidl war mein Leben."

Lidl selbst bestritt die Existenz solcher Protokolle gegenüber dem stern nicht, behauptet aber zunächst, sie "dienen nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens", so Lidl-Sprecherin Petra Trabert. Auch von den detaillierten Protokollen aus der Privatsphäre der Beschäftigten distanziert sich das Unternehmen im Nachhinein und erklärt, die "Hinweise und Beobachtungen entsprechen weder im Umgangston noch in der Diktion unserem Verständnis vom Umgang miteinander."

Mittlerweile räumte Lidl ein, dass in einzelnen Filialen Mitarbeiter möglicherweise mit Überwachungskameras bespitzelt wurden. "Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es dazu Aufträge gegeben hat", sagt das Mitglied der Lidl-Geschäftsführung, Jürgen Kisseberth, am Mittwoch in Neckarsulm. "Das war aber nicht der Auftrag der Geschäftsleitung." Die zwei Detekteien hätten den Auftrag gehabt, über Kameraanlagen vor allem Diebstähle von Kunden aufzudecken.

Alle Infos zum Lidl-Skandal Wie Lidl auf die Vorwürfe reagiert, was die Politik sagt, was Datenschützer nun unternehmen wollen - hier finden Sie alle ständig aktualisierten Infos zum Skandal: www.stern.de/lidl

KOMMENTARE (10 von 23)
 
melanix (05.04.2008, 20:02 Uhr)
Mitarbeiter dürfen nicht über "LIDL skandal" reden
Uns Mitarbeitern wurde nicht verboten über Lidl zu reden.Die aussage bei Stern TV,das wir nicht darüber reden dürfen,ist total falsch.Ich finde es echt nicht gut,wenn falsche aüsserungen gemacht werden.
mijosch (05.04.2008, 16:12 Uhr)
Falsches Sensationsthema

Auch wenn das Massenüberwachen von Mitarbeitern zu verurteilen ist, so frage ich mich doch, warum VERDI oder die Medien wie der STERN nichts gegen den Werteverlust in unserer Gesellschaft tun - wozu auch die immer stärker sinkende Arbeitsmoral wie Diebstahl und z.T. bewusst zweckentfremdete Arbeitszeit als Gehaltsgegenleistung bei einigen inzwischen gehören. Als Unbeteiligter meine ich, wir sollten Visionären wie Herrn Schwarz dankbar sein, dass er mit seinen Discountkonzepten LIDL und Kaufland (basierend auf niedrigsten Kosten) zum größten Arbeitsplatzbeschaffer/Arbeitgeber Deutschlands für Ungelernte/Gering ausgebildete Mitbürger geworden ist, für die in der Globalierung (z.B. in China wird fanatisch gelernt und gearbeitet) sonst sicher keine bezahlbare Arbeit mehr da wäre.
akasha28 (03.04.2008, 19:43 Uhr)
so ist es
ich habe für eine Drogeriemarktfirma gearbeitet, Namen könnt ihr euch denken. Tja, ich war Bezirksleitung, und ja es ist so die Leute werden zum Teil überwacht und zwar in den Läden die schlechte Inventuren haben. Irgendwo ein Grund aber auch nicht richtig, ich kann irgendwie beide Seiten verstehen, die Firmen aber auch die Mitarbeiter und ich persönlich möchte ich auch nicht überwacht werden. Vielleicht erschreckt es viele hier das ich das mal so knallhart reinschreibe aber ich denke hier mal die jetzigen Mitarbeitern denen jetzt wieder von ihrem Bl erzählt wird das das doch gar nicht stimmt.
Armbrster (02.04.2008, 23:57 Uhr)
Methoden der Discounter
Kann sich einer vorstellen was es heißt sich als Betriebsrat in solchen Unternehmen durchzusetzen.Um erfolgreich gegen solche Machenschaften vorzugehen.Dies ist nicht nur in Lebensmittelndiscounter,sondern auch im gesamten Baumarktsektor eine verdammt harter Job.Vielleicht auch mal einen Dank an verdiente Betriebsräte ,die sich erfolgreich gegen solche Machenschaften wehren.
Wolf75 (02.04.2008, 23:14 Uhr)
Lidl Skandal
Ich glaube,dass es völlig "normal"ist in großen Handelsbetrieben seine Mitarbeiter zu überprüfen.Nicht nur im Lebensmittelhandel sondern auch bei Elektrogroßhändlern wie z.B. Media Markt.Vielleicht sollte man auch dort mal nachbohren.
PunkyChicken (28.03.2008, 20:20 Uhr)
Dubios ist auch
... das wir vor wenigen Tagen, bevor dieser Skandal an die Öffentlichkeit kam, bei uns im ALDI einen Wisch unterschreiben mussten, indem wir uns einverstanden erklären und NATÜRLICH über eine Videoüberwachung bestens informiert wurden. Für meinen Geschmack ein kleines bisschen dubios . Man darf gespannt sein, was ggf. noch kommen sollte, ich für meinen Teil finde es schon äußerst grenzwertig, dass Unternehmen wie Aldi und Lidl mit eiserner Hand dafür Sorge tragen, dass auch ja (bei Lidl geringfügig) keine Betriebsräte zustande kommen... warum wohl ??!
kritischer123 (28.03.2008, 14:41 Uhr)
Lässt sich der Kunde....
...etwas vom toten Pferd erzählen???
Lidl-Entschuldigung hin oder her, die glaubt doch wohl kein mündiger Kunde!!! Die angeblichen Überwachungen seitens Lidl geschahen natürlich nur mit dem Zweck, verlustreiche Filialen zu beobachten, da das Geschäftsergebnis nicht stimmte! Die Erde ist sicher auch eine Scheibe!!! Es gibt doch eindeutige Belege für entsprechende Kommentare seitens der beauftragten Detekteien, die deutlich belegen, dass über das Ziel hinaus gegangen wurde und Mitarbeiter nach "Stasi-Manier" bespitzelt wurden. Der Geschäftsleitung sind solche Berichte sicher bekannt, stammen sie doch aus 2007. Doch es gab in diesem Zusammenhang wohl keinen Bedarf, darauf hinzuweisen, dass diese Berichte, welche sich auf das Privatleben der Mitarbeiter beziehen, für die Lidl-Geschäftsleitung uninteressant sind. Es wurde munter weiter gespitzelt und denunziert. Jetzt, nachdem die Machenschaften nach und nach ans Tageslicht gelangen, distanziert sich die Lidl-Geschäftsleitung plötzlich von den beauftragten Unternehmen. Vorher wurden die Notizen dankbar entgegengenommen. Es wäre leicht gewesen, die Detektive zu instruieren, dass nur hinsichtlich der Arbeit der Mitarbeiter zu ermitteln. Kein Detektiv kommt wohl von sich aus in die Situation, Mitarbeiter und deren Privatleben auszuspionieren, ohne einen konkreten Auftrag; schon gar nicht über einen längeren Zeitraum. Die Chefetage wusste sicher, dass es solche Notizen und Berichte gegeben hat. Jetzt sind natürlich alle unschuldig. Die Entschuldigung bei den Mitarbeitern und den Kunden ist blanker Hohn und die "Arroganz eines Großkonzerns". Kurz ein Zweizeiler und alles ist gut. Das Aufgedeckte entspricht nicht den Firmengrundsätzen. Es gibt meiner Meinung nach bei Lidl nur einen Grundsatz: Beute Deine Mitarbeiter aus und schaufel' Profit!! Anders ist dieses Verhalten nicht zu erklären!!!
Mainwiese (27.03.2008, 23:32 Uhr)
unglücklich gelaufen, aber ein bißchen Wahrheit ist dabei
Teilweise mögen die Kontrollen übertrieben sein - wer diese verursacht hat bzw. in Auftrag gegeben hat, das steht auf einem anderen Blatt.
Jeder schreit nun, dass die Arbeitnehmer ungerecht behandelt werden / Menschenrechte mißachtet werden usw. Wer schützt denn aber die Arbeitgeber ? Wenn ein Mitarbeiter nur noch am Zigarettenrauchen ist, schlechte Leistung ablegt usw. ? Dank dem lieben Kündigungsschutzgesetz ist es doch schier unmöglich, aus dem Rahmen fallende Arbeitnehmer ohne enorme weitere Kosten zu kündigen ? Wer schützt die Arbeitgeber, wenn die Arbeiter durch schlechte Laune, keine Lust zum arbeiten usw. die Kunden vergraulen ? Von Diebstählen möchte ich hier gar nicht reden. In jedem größeren Betrieb kann nicht alles geprüft werden, es muss Vertrauen vorhanden sein -> nur wird dieses leider sehr oft mißbraucht und ausgenutzt -> zu Schaden des Arbeitgebers.
Kuba25681 (27.03.2008, 23:23 Uhr)
Was man im Blut hat.................
Was man im Blut hat , ist schwer rauszukriegen.
Überall auf der Welt ist bekannt das die Deutschen Akribische Bürokraten sind ebenso gibt es viele Klischees mit denen bestimmten Völkern Eigenschaften zugeschrieben werden.
Den Deutschen liegen Spionage; Erfindungsreichtum und Stasi Methoden sonst wie könnte es sein das solch ein Klischee entsteht?
Weiterhin ist zu sagen das 99% der Menschen nur schwer aus Fehlern anderer ( vor allem aus den Fehlern in der Geschichte Lernen)Mann kann ja schließlich keinen Hund Konditionieren indem man ihm von einem solchen erzählt.
Deswegen :Immer und immer wieder kann sich die Geschichte wiederholen.
Abendwind10 (27.03.2008, 12:27 Uhr)
Lidl Skandal
Nicht nur im Laden sind Überwachung Kameras sonden auch in Lager und in den Toiletten.Ich raucht mal eine Zigarette auf der Toilette und meine Bezirksleiterin die garnicht da war wußte davon. Kommt die frage auf woher wohl????
War selber auch wegen mobbing aus den Arbeitsvertrag raus.
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