Was sind erste Anzeichen für eine Magersucht? Wie geht man mit Betroffenen um? stern TV-Experte Carl Leibl hat im Chat Zuschauer-Fragen beantwortet. Hier können Sie seinen Rat noch einmal nachlesen.
Der Chat ist nun beendet.
jule19: Hallo. Ich bin 167cm groß. Und wiege 55 kg. Meine Mutter sagt immer ich wäre zu dick. Ich denke immer ich soll abnehmen. Aber hat meine Mutter recht? Bin ich wirklich zu dick?
Carl Leibl: Ihre Mutter hat sicher nicht recht! Nach offiziellen wissenschaftlichen Kriterien (BMI) liegen Sie im schlanken bis sehr schlanken Bereich!
Liesa: Gibt es einen Mindest BMI für die Aufnahme in die Schön-Klinik?Für meine Tochter ist das Zuneehmen momentan nicht vorstellbar (1,60 m 31 kg).
Carl Leibl: Es gibt keinen Mindest-BMI in der Schön Klinik Roseneck. Allerdings müssen die Betroffenen in der Lage sein, an verschiedenen Gruppentherapien aktiv teilzunehmen. Im Zweifelsfall wird mit Ihrer Tochter ein Telefonat geführt oder sie wird zu einem Vorgespräch eingeladen.
nina19: Hallo, ich bin 1,67 groß und wiege 42,4 kg ich fühle mich normalgewichtig werde allerdings immer auf mein gewicht angesprochen und als magersüchtig bezeichnet. Stimmt das?
Carl Leibl: Gewichtsmäßig erfüllen Sie die Kriterien der Magersucht. Wenn nocht die Regelblutung ausbleibt, ohne dass Sie die Pille nehmen, ist dies ein echtes Alarmzeichen. Auf jeden Fall sollten Sie mit einem Spezialisten sprechen.
Moni 66: hey bin seit ein paar jahren Magersüchtig habe auch schon einige therapieen so wie ein Klinik besuch hinter mir nun habe ich seit einiger zeit das problem wenn ich was esse wir mir schlecht und deshalb versuche ich auch so wenig zu essen wie es ebend geht wie kann ich das ändern denn ich habe deswegen meine arbeit schon verloren
Carl Leibl: Zunächst sollten Sie sich untersuchen lassen, warum Ihnen andauernd schlecht ist. Allerdings darf es kein Grund sein, weniger zu essen und abzunehmen, da die Magersucht eine der gefährlichsten Krankheiten im jungen Erwachsenenalter ist.
Trine: Meine Tochter ist 14, 1,59 m groß und wiegt 41 Kilo. Seit ein paar Wochen isst sie kaum noch etwas. Ein halbes Brötchen zum Frühstück und zum Abendbrot und ihr Mittagessen passt auf eine Untertasse. Sie sagt, sie hätte keinen Hunger, doch sie wird immer dünner. Könnte sie in eine Ess-Störung hineingeraten? Sie trinkt auch nur noch Wasser.
Carl Leibl: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass Ihre Tochter auf dem direkten Weg in eine Magersucht ist. Allerdings wäre eine ausführliche Untersuchung und ein Gespräch bei einem Experten nötig!
Franziska: Hallo. Ich bin 1.72m und Wiege 49.9kg bin ich magersüchtig? Ich esse nur nachts und das nur süsses! Immer so gegen 22 Uhr!
Carl Leibl: Körperlich liegt Ihr Body-Mass-Index im magersüchtigen Bereich. Auch Ihr Essverhalten scheint deutlich gestört. Sie sollten sich dringend ambulant untersuchen lassen! Eine Liste mit hilfreichen Adressen finden Sie hier: http://www.stern.de/tv/sterntv/essstoerungen-hier-finden-betroffene-hilfe-1688548.html
Birgit: Lieber Herr Leibl, meine Tochter ist fast 16 Jahre alt. Sie ist magersüchtig und z.Zt. in stationärer Behandlung. Ich habe auch in der Schön-Klinki nach einem Therapieplatz nachgefragt., mir wurde mitgeteilt, dass eine Aufnahme in so einem jungen Alter in der Schönklink nicht möglich ist. Warum ist das so ? Herzliche Grüße
Carl Leibl: Hier kann ich Ihnen eine erfreuliche Mitteilung machen: Seit Anfang des Jahres 2012 gibt es bei uns eine Abteilung für Jugendliche ab 14 Jahre. Zudem ist ein weiterer Ausbau geplant, weil ein früherer Therapiebeginn sehr wichtig erscheint.
Anni007: Ich mache mir Sorgen um eine gute Freundin, die in kurzer Zeit erheblich abgenommen hat und nun sehr abgemagert ist. Wie kann ich ihr als Freundin helfen / wie sie darauf ansprechen? Was tun, wenn keine Krankheitseinsicht nach außen gezeigt wird, sich jedoch gesundheitliche Probleme bemerkbar machen?
Carl Leibl: Sie sollten offen und objektiv Ihre eigenen Sorgen über den Zustand Ihrer Freundin äußern und auch darauf hinweisen, dass Sie wissen, dass es in Deutschland ausreichend professionelle Hilfe gibt. Zunächst sollte allerdings grundsätzlich geklärt werden, ob Ihre Freundin Kriterien für eine Essstörung erfüllt.
Lana : Meine Schwester, 37 und seit 21 Jahren erkrankt an Magersucht wiegt zurzeit 29 kg bei 1,70m. Zahlreiche Therapien und Klinikaufenthalte haben statt gefunden. Momentan auf einer geschlossenen Station. Aber auch nur bis sie außer Lebensgefahr ist. Haben sie Tipps für besondere Therapiemöglichkeiten oder Kliniken?
Carl Leibl: Ihre Schwester ist derzeit so schwer krank, dass zunächst der lebensbedrohliche Zustand im Vordergrund steht. Es gibt allerdings Kliniken, wie auch die Schön Klinik Roseneck, die solche Patientinnen behandeln, wenn eine ausreichende Therapiemotivation besteht und der körperliche Zustand die Teilnahme an Therapien zulässt. Leider ist es so, dass selbst Schwerkranke ihren Zustand nicht realistisch einschätzen. Dann sind u.U. Maßnahmen gegen den Willen der Patientin nötig.
Tani: Kann man von angehender Magersucht in eine Esssucht geraten und haben Sie so eine Situation schon erlebt oder mitbekommen?
Carl Leibl: Dies ist nicht selten der Fall, da es bei vielen Essstörungserkrankungen um Kontrolle (klassische Magersucht) und Kontrollverlust (Bulimie) aber auch andere Essstörungen geht.
unbekannt: Was sind die Anzeichen für die Magersucht? Wie merk ich, ob ich Magersüchtig bin?
Carl Leibl: Die Diagnosekriterien können Sie im Internet leicht abrufen. Maßgeblich ist natürlich selbst herbeigeführtes Untergewicht durch wenig Essen oder gegensteuernde Maßnahmen (exzessive Bewegung, Abführmittel etc.), zum anderen eine inhaltliche und gedankliche Fixierung auf erlaubte und unerlaubte Lebensmittel (Kalorien) und häufig ein herabgesetztes Selbstwertgefühl unter anderem.
Gina79: Ist es normal, dass wenn man in der 'Regenerationsphase' ist, also an dem Punkt angekommen wo man weiß das man zunehmen muss, dass man dann in regelmäßigen Abständen Fressanfälle bekommt? Also alles mögliche in sich rein stopft. Und nur Zeug mit viel Kalorien? Ist das normal?
Carl Leibl: Das passiert häufig. Allerdings es damit zusammen, dass nicht ausreichend genügende Mahlzeiten in den gewissen Zeitabständen genommen werden, damit der Körper wieder Vertrauen zu einem normalen Essverhalten bekommt. Ich rate dringend zu drei geregelten Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten. Wenn Sie keine Essstörung mehr haben, können Sie auch anders essen.