28. November 2012, 22:49 Uhr

Ratschläge zum Thema Mobbing

In der Schule, bei der Arbeit oder im Internet - Mobbing ist ein ernst zu nehmendes Problem, das auch viele Zuschauer betrifft. Im Chat hat Sozialpädagoge Thomas Sonnenburg hilfreiche Tipps gegeben.

Der Chat ist nun beendet.

abc

Alle Zuschauerfragen

Alissa: Wie kann man sie sonst noch kantaktieren da ich langsam wirklich nichtmehr weiter weis da ich Hilfe brauche . Aber meinen Eltern sind meine Probleme , seitdem ich drogen nehme und mich ritze, egal ich lebe seit Jahren mit Depressionen und selbstmordgedanken. Ich wuerde mich ueber rueckmeldung freuen.

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: mobbing@rtl.de oder schauen Sie auf meine Internetseite unter www.thomas-sonnenburg.de. Schreiben Sie mir über den Kummerkasten!

Justin: Hallo Herr Sonnenburg. Ich Heisse Justin, bin 14 Jahre Alt Ich werde in der Schule Gemobbt, ich soll für einen 10 klässler immer was von der Cafetaria Kaufen, wenn ich das nicht mache droht er mir mit todesschläge, er würde auch meine Mutter töten. Meine Mutter hat auch schon mit dem derektor ein Gesprächgehabt er meinte das ist in "neukölln" normal. Könnten Sie mir sagen wie ich auf solche Drohungen Reagieren soll Ein schönen Arbend Ihnen Noch. Liebe Grüsse: Justin

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Meines Erachtens liegt hier der Tatbestand einer Nötigung vor. Nötigung ist eine Straftat und kann angezeigt werden. Um die von Dir geschilderten Vorfälle zu beenden wäre es vielleicht eine Überlegung wert - da Dir ja der Täter bekannt ist - eine Anzeige zu machen. Natürlich solltest Du das mit Deinen Eltern besprechen.

Anonym : Guten Abend Herr Sonnenburg Ist Ignoranz, wie Luft behandeln, ständige Beleidigungen und nieder machen auch eine Form des Mobbings? Dies ging über Jahre, Folge: Isolation, Selbsthass, Selbstkritik, Minderwertigkeitskomplexe, (ergo; gesamtes Selbstbewusstsein verloren), schließlich gab sie sich selbst an allem die Schuld, Schulverweigerung, monate lange körperliche Beschwerden, die auf nichts zurückzuführen waren, als auf die Psyche des Kindes. Eines Tages kam sie nach Hause und meinte, dass ihre Mitschülerin meinte, dass sie übertreibt und das bloße ignorieren, beleidigen, etc kein Mobbing sei. So stellt sich mir nun die Frage; ist es Mobbing?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Wiederkehrende, fortlaufende und sich ein einem längerfristigen Prozess gegen eine Person gerichtete Handlungen (auch nonverbal) bezeichnet man als Mobbing. Aus Ihren Zeilen lese ich, dass es sich eindeutig um Mobbing handelt.

Jennifer: Ich (weiblich) wurde vor 5 Jahren in der Schule gemobbt. Es war so schlimm das ich mich selbst verletzt habe und versucht habe mir das Leben zu nehmen. Es wurden von mir private Bilder ins Internet gestellt und an alle Leute meines Jahrgangs geschickt. Somit war ich in der ganzen schule bekannt. Ich wurde öfters geschlagen und fertig gemacht. Ich habe es irgend wie geschafft das teils zu verarbeiten. Aber ich leide immer noch stark drunter. Meine Angst schränkt mich oft ein, weil ich immer Angst habe das jemand die alte Geschichte wieder ausgräbt und alles wieder von neu anfängt. Pyschologische Hilfe hatte ich schon, aber ich habe immer noch Probleme damit. Werden ich mein Leben lang noch damit Probleme haben oder können Sie mir noch einen Tipp geben ?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Liebe Jennifer, bitte schreiben Sie mir konkreter an mobbing@rtl.de. Vielleicht kann ich Ihnen helfen.

Freya: Hallo! Wir haben grad einen Sohn 13J. zu Hause, den es grad hart getroffen hat. Er ist von seiner Klasse gemobbt worden und geht nun nicht mehr in die Schule. Er ist von seiner Psychologin krankgeschrieben und das schon seit drei Wochen. Wir sind mit ihm in Behandlung.Sein Selbstbewusstsein ist völlig im Keller. Wir wissen nur bedingt, was ihm in der Schule alles passiert ist. Jetzt suchen wir eine neue Schule und das ist verdammt schwer.- Dazu ist er noch ADHSler und hat wahrscheinlich auch Asperger ( in schwacher Form). Wir sind grad ziemlich überfragt. Wo holen wir uns hilfe...wer kann uns da Rat geben....? Mit dem hiesigen Jugendamt haben wir sehr schlechte Erfahrungen. Gibt es Sorgentelefone, wo wir beraten werden könnten. Danke fürs zulesen. Lieben Gruß

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Wenn Sie keinen Erfolg beim Jugendamt haben und das Jugendamt auf stur schaltet, bleibt Ihnen nur der Gang zum Anwalt. Bitte sich einen Fachanwalt für Familienrecht und lassen Sie sich dort beraten. Auf jeden Fall gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Hilfe und den kann man zur Not auch einklagen.

Stephanie Deiters: Meine Nachbarn - diesen zwei Großfamilien, hatten mich nicht nur mehrfach tätlich angegriffen , sondern pöbelten und schrieen mich immer wieder lauthals an, ich wäre eine Kinderhasserin und würde auf Kinderpornografie stehen, würde versuchen , von deren Kindern Kinderpornos zu machen. Diese Leute haben mir und meiner Colliehündin (gestorben vor 2 Monaten) das Leben hier zu einer absoluten Hölle gemacht, ich konnte nicht umschulen und war nur noch fertig und krank, mein Leben - beruflich und auch privat ist ruiniert. ich habe keinen Ausweg/Lichtblick mehr.

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Nehmen Sie sich einen Anwalt! Gehen Sie aktiv gegen diese Vorwürfe vor (Verleumdungen - wenn es welche sind) und wehren Sie sich.

Frau B.: Ich habe einen Sohn,der seit 2 Jahren (seitdem er ins Gymnasium geht) gehänselt wird.Ich bin von einigen Eltern angesprochen und darauf hingewiesen worden,aber mein Sohn verharmlost das Problem. Auch das er wegen eines Vorfalls selbst beim Klassenlehrer um Hilfe gebeten hatte,haben wir nur von dem Vater eines beteiligten Jungen erfahren,der sich für das Verhalten seines Sohnes entschuldigt hat. Unser Sohn hat in Gesprächen mit mir und meinem Mann immer behauptet,dass die Jungen ihn seitdem in Ruhe lassen.Erst jetzt, nachdem unser jüngerer Sohn,der nun seit einem halben Jahr in die gleiche Schule geht,uns täglich erzählt,wie der Größere ständig als"Schwuchtel" und dergleichen beschimpft wird,und dass ihm auch Schokolade vor die Füße geworfen wurde mit den Worten:"Friss, du schwuler Hund",da machen wir uns ernsthaft Gedanken.Nur unser großer Sohn streitet alles ab und weint,wenn ich sage,dass wir Hilfe brauchen.Was kann ich tun,damit mein Sohn wieder so fröhlich wird,wie er einmal war?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Vielleicht können Sie Ihrem Sohn die Möglichkeit anbieten, sich jemand Vertrautem anzuvertrauen, wie der Oma, einer Tante oder erwachsenen Freunden. Das ist oft eine Möglichkeit, wenn das eigene Kinder keinen Zugang zu eigenen Eltern findet.

Sindy: Hey ich bin die sindy aus oelsnitz im Vogtland. Ich bin 17jahre alt... Ich musste auch schon durch mopping durch und das war auch nicht nur in Grenzen... Ich wurde als stulpiss bezeichnet weil ich von anderen Mädchen auf dem Schulklo mit Wasser bespritzt worden bin und dann meine Hose hinten ganz nass War... Und aus der Sache kommt ich mich auch nur retten weil ich die schule dann gewechselt hab... Aber aus einer Sache werde ich wohl nie raus kommen das hat sich bis heute nochnicht.geändert die scheiß rassistischen Anspielungen mit scheiß ffffffffffff

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Liebe Sindy, bitte schreiben Sie mir doch eine Mail an mobbing@rtl.de.

anonym: Guten Abend, unser Kind und wir als Eltern werden von dem Erzieher der Kindergartengruppe gemobbt. Trotz eindeutiger Beweislage in Form von schriftlichen Beschuldigungen und Beleidigungen und diversen Gesprächen mit dem Erzieher und auch mit hoch angesiedelten disziplinarischen Vorgesetzten passieren diese Dinge ungestraft und ungeahndet weiter. Gibt es eine Stelle für Betroffene, an die man sich in solchen Fällen wenden kann?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Einige Institutionen wie z.B. die Caritas, einige Krankenkassen oder der Malteser-Hilfsdienst bieten Beratungen zu diesem Thema an. Oft haben sich auch Sozialarbeiter der Jugendämter auf dieses Thema spezialisiert. Ein Tipp von mir: Suchen Sie den direkten Kontakt zum Jugendamt und fragen Sie nach konkreter Hilfe.

HannaEmmaPaula: Die Freundin meiner Tochter (10 Jahre, 4. Klasse Grundschule) wird gemobbt, weil sie als sehr kleines Kind einen Fixateur zur Beinverlängerung bekommen hat. Durch die vielen OP´s ist sie sehr zierlich und auch nicht so sehr selbstbewusst. Einige Mitschüler nennen sie z..B. Skelett, Frankenstein oder Franzistein (sie heißt Franziska). Ich sag meiner Tochter immer (sehr selbstbewußtes Mädchen), dass sie den Jungs sagen soll, dass das sehr gemein ist was sie mit franzi machen. Wie kann sie ihrer Freundin noch helfen, ausser natürlich für sie da zu sein? Haben sie Tipps uns Anregungen für mich?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Vielleicht ist ein Tipp von mir in dem Fall eine Elterninitiative anzustreben. Als engagierte Mutter sollten Sie dieses Thema offen auf der nächsten Klassenkonferenz oder Elternversammlung ansprechen. Wichtig ist auch hierbei, nicht über die Vorwurfsebene zu kommen, sondern Mitstreiter und Sympathisanten zu finden.

Bettina: Guten Abend Herr Sonnenburg,meine Tochter (14) wird seit jahren gemobbt und letzte Woche brach sie mir in der Schule zusammen und da etliche Gespräche mit Klassenlehrer und Schulleiterin nichts gebracht haben,habe ich sowohl gegen die Mobbingtäter als auch gegen die Schulleiterin und dem Klassenlehrer Anzeige erstattet,weil in meinen Augen die Problematik meiner Tochter nicht richtig ernst genommen wurde und sie sich meiner Meinung nach nicht ausreichend drum gekümmert haben! Meinte Tochter äusserte schon,das sie so nicht weiter Leben wolle und ich habe große Angst sie könnte es mal wahr machen! Was kann ich noch tun um meiner Tochter wieder ein normales Leben in der Schule zu ermöglichen???

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Dies ist die schlimmste Auswirkung von Mobbing. So schlimm wie das jetzt auch klingt, manchmal ist die beste Lösung ein Schulwechsel. Darüber sollten Sie mit Ihrer Tochter offen reden und dies sehr ernsthaft in der gesamten Familie problematisieren. Ihre Anzeige sollten aufrecht erhalten, aber glauben Sie mir, Ihrer Tochter wird das wenig helfen. Deshalb läuft es aus meiner Sicht auf einen Schulwechsel hinaus. Im Mittelpunkt Ihres gesamten Handels steht das Wohl Ihrer Tochter. Viel Glück!

Susanne B.: Welche Möglichkeit habe ich als Grundschullehrerin gegen mobbende Kinder in der Klasse (zzt. 3. Klasse), wenn intensive Schüler- und Elterngespräche erfolglos bleiben und sich gewisse Kinder durch keinerlei Maßnahmen nicht längerfristig von ihrem Verhalten abbringen lassen? In der Klasse gibt es nicht "das Mobbingopfer", sondern ein gegenseitiges mobben und "niedermachen" von unterschiedlichen Kindern...

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Die Schule als Institution hat durchaus die Möglichkeit auch verschärfte Sanktionen gegen Schüler durchzusetzen. An jeder Schule gibt es eine Schul- und Hausordnung. Dort sind alle Verhaltensweisen geregelt. Widersetzt sich ein Schüler diesen Regeln, kann man auf deren Grundlage agieren.

Andrea: Hallo, was kann ich tun, wenn mein Kind von Lehrer/n gemobbt wird ?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Zunehmend gibt es Tendenzen, dass auch Lehrer durch unüberlegte Handlungen und Formulierungen, aber auch bewusstes Agieren Ursache von Mobbing sind. Dieses Thema ist ein sehr sensibles. Es erfordert demzufolge ein sehr sensibles Vorgehen. Suchen Sie das kollegiale Gespräch mit diesem Lehrer. Lassen Sie alle Vorwürfe außen vor und versuchen Sie in einer sachlichen Art und Weise - auch wenn Ihnen das als betroffene Eltern verständlicherweise sehr schwer fällt - auf Ihre Fragen eine Antwort vom Lehrer zu bekommen. Dabei ist es wichtig, wirklich nicht eine Vorwurfshaltung zu formulieren.

Anonym: Guten Abend. Wie sollte man am besten reagieren, wenn der eigene Sohn im Alter von z.B. 4 Jahren im Kindergarten gemobbt wird? Lg

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Sprechen Sie zuerst mit der Gruppenleiterin im Kindergarten. Versuchen Sie - ohne vorwurfsvoll zu sein - mit anderen Eltern aus der Gruppe ins Gespräch zu kommen und ERFRAGEN Sie, ob auch den Eltern ähnliche Situationen aufgefallen sind. Wichtig ist: Versuchen Sie mit der Kita in Kooperation zu agieren.

Dimitri: Guten Abend Herr Sonnenburg, ich bin Lehramtsstudent und würde gerne wissen, wie ich gerade in der Schule Mobbing genau erkennen kann, bzw. ich es von "Streichen" abgrenzen kann. Gibt es Alarmzeichen bei denen man hellhörig werden muss?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Dies ist eine große Schwierigkeit. Wichtig als zukünftiger Lehrer ist es, über den Lehrauftrag hinaus auch einen Erziehungsauftrag wahrnehmen zu wollen. Ihre Sensibilität und Empathie, Ihr genaues Hinschauen und ein permanentes Hinterfragen der Situation in der Klasse werden es Ihnen ermöglichen, Mobbing als Phänomen zu erkennen. Eine vermehrte Cliquenbildung in der Klasse, Unruhe, häufige Streitigkeiten unter den Schülern, aber auch das Fernbleiben einzelner Schüler vom Unterricht (auch akute Verschlechterung von Leistung) sind Alarmzeichen für Mobbing.

Erco: kann ich nach 2 jahren noch jemanden belangen?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Sprechen Sie mit einem Fachanwalt für Zivilrecht. Bitte recherchieren Sie Ihren zurückliegenden Fall so komplett wie möglich und nehmen Sie alle verfügbaren Unterlagen mit in die Beratung (Beweismaterial).

Fr. Theis: Mein Sohn (9) wird von zweit Mitschülern gemobt weil er der kleinste ist! Er will schon nicht mehr zur Schule. Was kann ich am besten machen?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Bitte umgehend mit der Schule Kontakt aufnehmen! Betrachten Sie die Schule dabei nicht als Gegner. Es ist wichtig eine Kooperationsbeziehung mit der Schule zu beginnen. Gehen Sie nicht zum Direktor sondern zum KlassenlehrerIN oder zum Sozialpädagogen der Schule. Versuchen Sie in einem Gespräch die Emotionen zu unterdrücken und sachlich den Tathergang zu schildern. Vermeiden Sie den direkten Kontakt zu den Eltern der Täter. Dies ist die Aufgabe der Schule.

Anonym: Ich (männlich) wurde in meinem Beruf im Kindergarten gemobbt und fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs beschuldigt. Später erfuhr ich, dass die verantwortlichen Personen in der Umgebung verbreitet hatten, dass ich ein Kinderfi..er sei. Nach 20 Jahren und eines Namens- und Wohnortwechsels ist dieses traumatische Erlebnis immer noch nicht vergessen. Kann ich jetzt noch rechtlich gegen die Mobber vorgehen?

Thomas Sonnenburg

Thomas Sonnenburg: Meines Wissens ist der Vorgang nach 20 Jahren leider verjährt. Ich rate Ihnen trotzdem, sich noch an einen Anwalt zu wenden.

 
 
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