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10. Oktober 2007, 22:15 Uhr

Fastfood erhöht Diabetesrisiko

stern TV-Ernährungstest

Das große stern TV-Ernährungsexperiment ist abgeschlossen - und hat wichtige Erkenntnisse geliefert: Wer fortwährend zu Fastfood greift und sich wenig bewegt, riskiert ernsthafte Erkrankungen. Bio-Vollwertkost hingegen ist nicht nur gesund, sie ist sogar günstiger.

Fastfood: Klare Niederlage gegen Bio-Vollwertkost© Colourbox

Der stern TV-Ernährungstest mit zwei Zwillingspärchen: 30 Tage lang stand für zwei Probanden ausschließlich Fastfood auf dem Speiseplan, während zwei weitere nur zu Bio-Vollwertkost greifen durften. Zusammen mit Ernährungsexperten hat stern TV so herausgefunden, welche Folgen die einseitige Küche auf die Gesundheit, das Befinden und den Geldbeutel der Testpersonen hat.

"Deutlich negative Veränderung" Elisa (21) ist sehr erleichtert darüber, dass das Experiment vorbei ist. "Ab der dritten Woche konnte ich kein Fastfood mehr sehen", sagt die junge Frau. Bei Elisa hat die einseitige Ernährung deutliche Spuren hinterlassen: Ganze drei Kilo hat sie zugenommen, und zwar reine Fettmasse. Ernährungsexperte Dr. Joachim Spranger: "Ihr Cholesterin-Wert hat sich deutlich negativ verändert". Würde Elisa weiterhin nur zu Fastfood greifen, drohten ihr ernsthafte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ganz anders sieht es bei ihrer Zwillingsschwester Tina aus: Sie habe "toll geschlemmt und lecker gekocht" in den letzten 30 Tagen, sagt sie. Und nicht nur das: Tina hatte gar nicht gewusst, dass ihre Zuckerwerte vor dem Test ein erhöhtes Diabetes-Risiko aufwiesen. Dieses Problem ist nun dank der Bio-Vollwertkost erstmal aus der Welt. Auch Tinas Blutfett- und Cholesterinwerte haben sich deutlich verbessert.

Biokost senkt Diabetesrisiko Zweiter Fastfood-Tester war Robert (38), der das schnelle Essen gar nicht so schlecht fand: "Ich habe mich sehr wohl gefühlt, ich war immer sehr satt", sagt der Außendienstarbeiter. Dass er nur gut einen Kilo zugenommen hat, hat allerdings einen Grund: Robert treibt beinahe täglich Sport, durch den er gewichtsmäßig "einen guten Ausgleich zur fett- und zuckerhaltigen Ernährung hat schaffen können", erklärt Dr. Spranger. Seine Cholesterinwerte verschlechterten sich dennoch.

Etwas genervt vom aufwändigen Einkaufen und Kochen war Roberts Zwillingsbruder Rudolf, der 30 Tage Biokost hinter sich hat: "An den Zeitverlust musste ich mich erstmal gewöhnen", sagt er. Doch seine Stimmung besserte sich - wie auch sein Gesundheitszustand: Zweieinhalb Kilo Körperfett hat der Konditor verloren und seine Zuckerwerte, die vor dem Experiment eine auffällige Insulinresistenz aufgewiesen hatten, haben sich normalisiert.

Erhebliche gesundheitliche Bedenken Das Fazit der Ernährungsexperten: Fastfood steigert das Diabetesrisiko. Durch das fett- und zuckerreiche Essen kann die Insulinresistenz ansteigen, es kommt zu einem gestörten Zuckerhaushalt. Weiterhin wird durch die einseitige Ernährung das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Mit Sport kann diesen Gefahren allerdings entgegen gewirkt werden. Ideal ist die Kombination aus Bewegung und ausgewogener Ernährung.

Und: Bio-Vollwertkost ist sogar günstiger als Fastfood. Beide Bio-Probanden gaben deutlich weniger Geld für Lebensmittel aus als die Schnell-Esser.

Wie stern TV getestet hat

Bei den Probanden wurden verschiedene Werte gemessen, um die gesundheitlichen Auswirkungen der spezifischen Ernährung zu messen:
Glucose: Glucose steht für Blutzucker. In Folge einer ungesunden Ernährungsweise können die Glucosewerte steigen und somit zu einer Erkrankung an Diabetes Typ 2 führen.
Cholesterin: Cholesterin wird zu 90 Prozent im Körper selbst gebildet. Durch eine fettreiche und fleischlastige Ernährung kann der Cholesterinspiegel allerdings kritisch werden. Es drohen Herzerkrankungen bis hin zum Herzinfarkt.
Insulin: Das körpereigene Insulin regelt den Glucosehaushalt. Durch eine falsche Ernährung und andere Faktoren kann es zu einer Insulinresistenz kommen, wodurch das Diabetesrisiko steigt.
Leberwerte: Als Leberwerte werden diejenigen Werte zusammengefasst, die Schädigungen der Leber anzeigen können: Durch fettreiche Ernährung, Medikamente, Alkohol oder andere Einflüsse können die Werte ansteigen.

Bilanz: Tina (Bio-Vollwertkost)

Ausgangsgewicht: 64,488 kg (Fettanteil: 24,337 kg)
Endgewicht: 63,827 kg (Fettanteil: 24,072 kg)
Differenz Gewicht: - 0,661 kg
Differenz Fettanteil: - 0,265 kg
Ausgaben: 293,15 Euro



Tinas Glucose-Werte sind gesunken. Sie startete mit einer gestörten Glucosetoleranz, was auf ein erhöhtes Diabetes-Risiko hinwies. Dieses entwickelte sich zum Ende des Tests gegen null. Blutfettwerte und Gesamt-Cholesterin sind ebenfalls im Verlauf des Tests gesunken.
Empfehlung von Dr. Spranger: Ernährungsumstellung und etwas mehr Bewegung, damit sie in näherer Zukunft kein Diabetes-Patient wird.
Über den Test sagt sie: "Mir hat der Test viel Spaß gemacht, ich hätte nicht gedacht, dass man sich so schnell umstellen kann, ich dachte, man braucht mindestens ein halbes Jahr, um Ergebnisse zu sehen. Ich habe schon toll geschlemmt und lecker gekocht."
Über ihr Diabetes-Risiko: "Ich fand sehr interessant, dass meine Werte sich nach vier Wochen schon geändert haben. Ich wusste vorher nichts von meinem Risiko."

Bilanz: Elisa (Fastfood)

Ausgangsgewicht: 61,122 kg (Fettanteil: 21,758 kg)
Endgewicht: 64,355 kg (Fettanteil: 24,610 kg)
Differenz Gewicht: + 3,233 kg
Differenz Fettanteil: + 2,852 kg
Ausgaben: 387,66 Euro

Elisa hat zugenommen, sie hat vor allen Dingen an Fett zugelegt (siehe Fettanteil). Interessant ist dieses Ergebnis im Vergleich mit Robert, denn er hat zwar auch zugenommen, aber kaum Fettanteil, da er viel Sport getrieben hat.
Ihr Insulinwert ist deutlich schlechter geworden. Wenn sie so weiter essen würde, sich also weiter so zucker- und fetthaltig ernähren würde, könnte ihr Risiko an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu erkranken, größer werden. Auch hat sich ihr Gesamt-Cholesterin-Wert deutlich erhöht. Zu hohes Cholesterin kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen (Herzinfakt).
Fazit Dr. Spranger: Bei Elisa haben sich durch ihre fett- und zuckerhaltige Ernährung in den letzten vier Wochen einige Werte, insbesondere der Cholesterin-Wert, deutlich negativ verändert. Man weiß, dass gerade ein zu hoher Cholesterin-Spiegel (LDL) über viele Jahre Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen kann, was bis zu einem Herzinfakt führen kann.

Bilanz: Rudolf (Bio-Vollwertkost)

Ausgangsgewicht: 77,183 kg (Fettanteil: 15,494 kg)
Endgewicht: 75,352 kg (Fettanteil: 12,953 kg)
Differenz Gewicht: - 1,831 kg
Differenz Fettanteil: - 2,541 kg
Ausgaben: 542,14 Euro

Rudolf hat abgenommen und seinen Fettanteil abgebaut. Rudolf hatte einen auffälligen Insulinbefund im Nüchternzustand. Seine Insulinresistenz ist im Laufe des Versuchs besser geworden. Sein Körper reagiert jetzt besser auf Insulin. Auch ist sein CRP-Wert (Entzündungswert) besser geworden. Im Leber-Wertbereich sind bei ihm keine nennenswerte Erhöhungen festzustellen.
Fazit Dr. Spranger: Glucose ist eindeutig besser, andere Risikofaktoren nicht eindeutig verbessert, wobei alle Werte im absoluten Normbereich liegen. Rudolf sollte bei seiner Ernährung in Zukunft darauf achten, weniger Zucker zu sich zu nehmen.

Bilanz: Robert (Fast Food)

Ausgangsgewicht: 76,502 kg (Fettanteil: 16,978 kg)
Endgewicht: 77,289 kg (Fettanteil: 17,261 kg)
Differenz Gewicht: + 0,787 kg
Differenz Fettanteil: + 0.283 kg
Ausgaben: 610,40 Euro

Sein Glucosewert ist gleich geblieben, da war er schon zu Testanfang im Normbereich. Aber sein Insulinwert hat sich verändert, was auf seine fetthaltige Ernährung zurückzuführen ist. Er braucht jetzt mehr Insulin, um seinen Blutzucker niedrig zu halten.
Seine Leberwerte steigen wahrscheinlich auch bedingt durch die fetthaltige Ernährung an. Sie sind aber im Normbereich. Man könnte sagen, dass es bei Fast Food-Ernährung (bzw. sehr fetthaltiger Ernährung) über Jahre hinweg, irgendwann einmal zu einer Leberverfettung kommen könnte. Auch sein Gesamtcholesterinwert ist angestiegen, was ebenfalls auf fetthaltige Ernährung zurückzuführen ist.
Fazit Dr. Spranger: Durch viel Sport hat Robert einen guten Ausgleich zur fett- und zuckerhaltigen Ernährung schaffen können. Deshalb hat er nicht dramatisch zugenommen und der Fettanteil ist auch nicht übermäßig größer geworden. Wer sich so ungesund ernährt, kann durch viel Sport schon einige Risikofaktoren klein halten.

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