Der Schokoriegel mit besonders viel Milch und Getreide, die Lutschbonbons mit wertvollen Vitaminen und eine Extra-Portion Früchte im Milchmixgetränk: Glaubt man der Werbung, kann Naschen richtig gesund sein. Vor allem Lebensmittel speziell für Kinder sollen nur beste Zutaten enthalten. Stimmt das?

© Am besten viel davon: Kinder lieben Süßigkeiten
Gesundes Image als Werbetrick: Wenn es um Lebensmittel speziell für Kinder geht, setzen die Hersteller nicht nur auf bunte Verpackungen mit lustigen Figuren. Um auch die Eltern von dem Produkt zu überzeugen, sind auf der Snackverpackung gerne gesunde Zutaten wie Milch oder frische Früchte abgebildet.
Aus einer Schokowaffel wird in der Werbung dann schnell mal eine gesunde Zwischenmahlzeit aus Milch und Getreide. Und der Fruchtjoghurt wird zur vitaminreichen Nahrungsergänzung. Tatsächlich aber stecken in den Kindersnacks vor allem viel Fett, Zucker und Kalorien.
Das Geschäft mit den vermeintlich gesunden Kindersnacks boomt: Ihre Anzahl hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund haben Mitarbeiter jetzt über 400 Produkte registriert, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind. Vor acht Jahren waren es noch 250. Ihre Inhaltsstoffe und die Nährwerte wurden jetzt erneut überprüft. Das Ergebnis: Trotz anhaltender Kritik von Ernährungsexperten hat sich an der Zusammensetzung der Produkte nichts geändert. Nur sehr wenige der untersuchten Kinderlebensmittel entsprechen den Anforderungen einer ausgewogenen Basisernährung.
Statt der versprochenen Extra-Portion Milch ist laut Zutatenliste häufig nur ein Löffel Milchpulver enthalten. Ebenso findet sich das angepriesene Vollkorngetreide oft nur in Form von Getreidemehl in den Produkten wieder. Reichlich vorhanden sind hingegen Zucker und Fett - teilweise sogar in Mengen, die über den empfohlenen Tagesbedarf hinausgehen.
Die zugesetzten Nährstoffe in vielen Snacks tragen darüber hinaus nicht unbedingt zu einer gesunden Ernährung des Kindes bei - ganz im Gegenteil: In den meisten Fällen handelt es sich um Vitamine und Mineralien, die Kinder bei normaler Ernährung sowieso schon in ausreichender Menge zu sich nehmen. Und: Auch zu viel des Guten kann schädlich sein.
So sollte ein sieben Jahre altes Kind höchstens 38 Gramm Zucker am Tag essen. Doch die meisten Kinder liegen darüber. Denn: Schon in einem kleinen Schokoriegel stecken oft bis zu zehn Gramm. Richtig süß ist auch Kakoapulver. Da stecken schon mal 107 Würfel Zucker in jeder Packung.
Ernährungswissenschaftler Stephan Lück sieht die Kindersnacks daher mit einem kritischen Blick: Als Basis für eine gesunde Ernährung sind die Kindersnacks seiner Meinung nach nicht zu empfehlen, verteufeln müsse man sie dennoch nicht. Ab und zu ein süßer Snack wird einem gesunden Kind nicht schaden.
Eltern sollten also darauf achten, dass die vermeintlich gesunden Kinderprodukte nicht zu oft und in zu großen Mengen im Einkaufskorb landen. Bei Unsicherheit hilft oft schon ein kurzer Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe und die Nähwerttabelle. Oder nutzen Sie den stern TV-Nährwertrechner.
Informationen im Netz Das Forschungsinstitut für Kinderernährung untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Wachstum und Stoffwechsel bei Kindern.
Wichtige Informationen rund um das Thema Ernährung haben außerdem der "aid infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V." und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz