Für Kids und Teenies sind Chats kein Spielplatz: Immer wieder versuchen Männer, Sexualkontakte anzubahnen. Einer, der auch Nacktfotos verschickte und von seinen Erektionen schwärmte, wurde von stern TV gestellt - und mit seinem Verhalten konfrontiert.

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"Was ich jetzt gerne machen würde, schreibe ich Dir lieber nicht. Ist nicht jugendfrei", schrieb der Mann in einem Internet-Chat an "laramarie90" - einer Gesprächspartnerin, die er für ein 13-jähriges Mädchen hielt. Doch das war nur der harmlose Anfang. Später schickte der Chatter Nacktfotos, beschrieb in SMSen seine Erektion und drängte auf ein reales Treffen. Was der Mann nicht wusste: Hinter dem Pseudonym "liesamarie90" verbarg sich ein stern-TV-Team. Bei dem vereinbarten Treffen stand der zweifache Familienvater plötzlich vor laufenden Kameras.
Beate Schöning, die seit Jahren über sexuelle Belästigung im Internet recherchiert und bei stern TV Studiogast war, sagte: "Es ist Alltag im Internet, dass Kinder sehr gezielt angesprochen werden." Vermeintlich junge Mädchen werden oft mit Fragen bedrängt: "Trägst Du einen BH?", "Bist Du noch Jungfrau?" oder auch "Bist Du rasiert?". Dass solche Dialoge überhaupt zustande kommen, obwohl die Anbieter solcher Chats damit werben, sie würden den Jugenschutz strikt einhalten, ist für Schöning normal: "Die Provider behaupten, ihre Chats wären kindersicher - aber das ist nur Kosmetik."
Schönings Verein "Netkids e.V." und andere Organisationen, die sexuellen Missbrauch im Internet verhindern wollen, empfehlen daher, mit Chats sehr vorsichtig umzugehen.
| Grundregeln fürs Chatten |
| 1.) Eltern sollten wissen, in welchen Chats sich ihre Kinder tummeln und die Technik soweit beherrschen, dass sie Einblick in die Chats des Kindes nehmen können. |
| 2.) Wer chattet, sollte nie persönliche Daten wie Name, Adresse oder Handynummer herausgeben - auch keine Emailadresse! |
| 3.) Fotos von sich selbst zu verschicken ist tabu. |
| 4.) Wer im Chat belästigt wird, sollte den Kontakt zu dem Chatbekannten abbrechen und unbedingt mit den Eltern oder einer anderen Vertrauensperson darüber reden. |
| 5.) Selbstgewählte Chatnamen sollten keine Rückschlüsse auf die reale Person, deren Geschlecht und Alter zulassen: lieber "spot05" als "angie14w". |
| 6.) Wird ein Kind im Chat sexuell belästigt, sollten Eltern die Dialoge und Bilder auf Festplatte sichern und sich an die Polizei wenden. |
Die Polizei kann allerdings oft nicht viel ausrichten. Anders als in den USA ist die Anbahnung sexueller Kontakte in Chats nicht verboten - auch wenn die Gesprächspartnerinnen minderjährig sind. Nur wenn es tatsächlich zu Missbrauchsfällen kommt, kann die Polizei einschreiten.
Und das ist immer öfter notwendig, wie eine Auswahl aktueller Fälle zeigt.
- im Mai 2005 flog eine Gruppe von Hildesheimer Jugendlichen auf, die eine 13-jährige mehrfach vergewaltigt hatten. Der Erstkontakt kam über einen Chat zustande.
- im Februar wurde in Bünde ein Mann verhaftet, der eine 14 Jahre alte Schülerin im Chat kennenlernte und später missbrauchte.
- im Dezember 2004 wurde der Fall eines 40-jährigen Versicherungsagenten aus dem Raum Schweinfurt bekannt, der in zirka 25 Fällen Mädchen im Chat ansprach und viele von ihnen später missbrauchte.
Vor allem Eltern sind aufgefordert, ihren Nachwuchs zu schützen - pubertierende Jugendliche sind sexuell neugierig und tappen deswegen um so leichter in die Internet-Fallen der Täter. Kommentar Beate Schöning: "Eltern denken oft, das Internet sei wie Fernsehen" - in vielen Fällen ein Trugschluss.
Tipps für Kids und Eltern Alles über sicheres Chatten lesen Sie in der PDF-Broschüre von zartbitter.de, die Sie hier downloaden können
Broschüre
Weitere Informationen unter
www.zartbitter.de
www.kindersindtabu.de.
Jugendgefährdende Verstöße im Internet können gemeldet werden unter der Mailadresse
hotline@jugendschutz.net