Kein Reiserücktritt bei Rheumaschub

19. Februar 2013, 12:15 Uhr

Eine Klassenreise nach Barcelona - darauf hatte sich Lena wochenlang gefreut. Dann wurde sie krank. Die Reiserücktrittsversicherung will die Kosten aber nicht erstatten. Kann stern TV weiterhelfen?

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Eine Klassenreise nach Barcelona - darauf hatte sich Lena wochenlang gefreut. Doch dann kam alles anders.©

Eine Geschichte aus Gelsenkirchen. Lena Steinhaus hat sich mit ihrer Geschichte an die stern TV-Storybox gewendet: "Ich konnte letztes Jahr nicht mit auf eine Klassenfahrt fahren, da ich plötzlich einen rheumatischen Schub bekommen habe. Und jetzt will die Reiserücktrittsversicherung das Geld nicht zurück erstatten", sagt sie in ihrem Video, das sie an die stern TV-Storybox schickt und bittet stern TV um Unterstützung.

Redakteur Stefan Uhl möchte die Hintergründe erfahren und besucht Lena in Gelsenkirchen. Das Mädchen wurde gerade wegen ihres Rheumas am Knie operiert. Seit ihrem fünften Lebensjahr leidet sie unter der so genannten juvenilen Arthritis – Kinderrheuma. Die Krankheit kommt schubweise. Als Kind musste Lena immer wieder Zeit im Krankenhaus verbringen. "Ich konnte so viele Sachen nicht machen, die meine Freunde damals gemacht haben. Das hat mich als kleines Kind sehr eingeschränkt", erinnert sich die 18-Jährige. "Mit der Zeit kam ich besser damit zurecht, weil ich auch kaum noch Probleme hatte." Drei Jahre ist Lena beschwerdefrei, als sie sich letztes Jahr im Februar für die Klassenfahrt nach Barcelona anmeldet. Eine große Sache für sie, denn ihre letzte Flugreise ist fast 10 Jahre her. 430 Euro kostet die Fahrt – viel Geld für ihre alleinerziehende Mutter. "Meine Vorfreude war natürlich riesig", sagt Lena. "Wann kommt man schon mal dazu, mit der ganzen Stufe und den ganzen Freunden nach Barcelona zu fliegen?" Ihr Koffer stand bereits gepackt in ihrem Zimmer, als es im Oktober losgehen soll. Doch am Tag der Abreise bekommt Lena einen Rheuma-Schub. Sie kann nicht mit auf die Klassenfahrt. Der Schub kommt für sie vollkommen unerwartet. Auch Lenas Rheumatologe Dr. Ludwig Kalthoff bestätigt: "Lena hätte es nicht ahnen können. Sie war drei Jahre lang beschwerdefrei. Deswegen gab es keine Überlegung, zu sagen, sie bekommt demnächst wieder einen Schub."

Viel Kleingedrucktes überfordert Verbraucher

Aber Lena hatte eine Reiserücktrittsversicherung. Dass es damit Probleme geben könnte, ahnen Mutter und Tochter nicht. "Ich habe gedacht, die Schule hat eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, also werden wir das Geld schon wiederbekommen", sagt Lenas Mutter. Die Versicherungsbedingungen haben die beiden bisher nie gesehen: sieben Seiten mit viel Kleingedrucktem und dem Hinweis, dass die Versicherung nur aufkommt, wenn eine Krankheit unerwartet auftritt. Begründung: "Eine Erkrankung gilt nicht als unerwartet, wenn zum Zeitpunkt der Buchung des Versicherungsschutzes bereits Krankheitsbilder bestehen und bekannt sind, die später Anlass zur Reisestornierung geben", heißt es in dem Dokument. "Die Versicherung verhält sich in diesem Fall korrekt", muss Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Hamburg bestätigen, bemängelt allerdings: "Für eine Reiserücktrittskostenversicherung sind sieben Seiten viel zu viel, und dann auch noch sehr juristisch geschrieben. Deswegen wird der Verbraucher Schwierigkeiten haben, die Regelungen dort herauszulesen, die für ihn in der Sekunde wichtig sind."

In Lenas Fall hat es aber trotzdem ein Happy End gegeben. Denn stern TV-Redakteur Stefan Uhl kann das Reisebüro, das die Klassenreise gebucht hatte, und den Reiseveranstalter dazu bewegen, Lenas speziellen Fall noch einmal zu prüfen – und eine Ausnahme zu machen. Und so haben sich die Veranstalter aus Kulanz bereit erklärt, Lena die Kosten zu erstatten. Gleich nach ihrem Abitur kann die 18-Jährige also doch noch wegfahren.

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