Diese Pullover sollen nicht nur wärmen, sondern die Tiere vor den Folgen einer Ölkatastrophe schützen. Angelika Regenstein wollte helfen - und wurde mit Pinguin-Pullovern aus aller Welt überhäuft.
Tausende kleine Wollpullover stapeln sich bei Angelika Regenstein im Schaufenster ihres Reisebüros. Auch im Keller stehen die Umzugskartons mit der Strickware bereits in Zweierreihen - fertig verpackt für den Transport nach Philipp Island. Auf der Insel , die etwa 120 Kilometer vor der Küste Melbournes in Australien liegt, leben 60.000 Zwergpinguine. Für sie sind die kleinen Pullover bestimmt. Naturschützer hatten vor Jahren bereits Pinguin-Pullover dafür eingesetzt, um die Tiere vor den Folgen einer Ölkatastrophe zu retten. Die Wollanzüge hatten die Pinguine davor bewahren können, sich beim Putzen des verklebten Gefieders an dem Öl zu vergiften - und sie nach der Waschprozedur durch die Tierschützer gewärmt. Anfang des Jahres hatte das Phillip Island Rehabilitation Centre dann um Pullover-Spenden gebeten, um für zukünftige Katastrophen gewappnet zu sein.
Angelika Regenstein hatte von der Aktion gehört und gleich losgelegt mit dem Stricken. Doch 60.000 kleine Pullover? das kann selbst eine sehr ambitionierte Strickliesel nicht alleine schaffen, dachte sie sich. Im Frühling wandte sie sich an die Presse, um Mitstreiter zu finden. Ihr Ziel: Sie wollte zumindest 500 Pullis zusammenbekommen und nach Australien schicken. Doch dann wurde Angelika Regenstein mit Pinguin-Pullis buchstäblich überhäuft. "Mit diesem Erfolg hätte ich niemals gerechnet. Mich hat die Hilfsbereitschaft der Menschen überrollt", erklärt die 64-jährige Unternehmerin aus Hamburg.
Angelika Regenstein bekam Post aus ganz Europa - aus der Türkei, Island, Norwegen, Italien und Österreich. "Da schickte mir auch ein Neunjähriger eine E-Mail, der anfing zu stricken, um den Pinguinen zu helfen", sagt Angelika Regenstein. Ganze Seniorenheime und Friseursalons strickten plötzlich im Akkord für die kleinen Frackträger. Durch die Strickaktion hat sich der Alltag von Angelika Regenstein komplett verändert. "Reisen verkaufen nur noch meine Mitarbeiterinnen, ich bin meist mit dem Beantworten der E-Mails beschäftigt", sagt sie.
Die Tierschützer freuen sich über den Erfolg ihres Aufrufs in Deutschland. Dennoch soll jetzt langsam Schluss sein. Die Lagerkapazitäten in dem Naturschutzreservat sind mit der riesigen Menge an Pinguin-Pullovern ausgeschöpft. Im Falle einer erneuten Ölkatastrophe in Australien ist jedem gefährdeten Pinguin ein rettender Pullover sicher. Wie die wollenen Gewänder den Vögeln genau helfen und wie auch Sie sich noch engagieren können, erfahren Sie hier.