Mit "Kokowääh" hat Til Schweiger einen charmanten Film über das Modell "Patchwork" gedreht. Nun kommt Teil 2 - über die großen Herausforderungen einer solchen Familie. Bei stern TV sprach er darüber.

Am 07. Februar kommt der zweite Teil von Kokowääh in die Kinos - über die speziellen und auch unterhaltsamen Herausforderungen von Patchworktfamilien.© stern TV
Mit "Kokowääh" hat Til Schweiger einen charmanten Film über das Familienmodell "Patchwork" gedreht. Der erste Teil der Komödie 2011 war ein riesen Kinoerfolg. Millionen Zuschauer konnten sich mit der Geschichte identifizieren. "Der erste Teil von Kokowääh spielt natürlich so eine Idealwelt vor, es gibt zwar sehr viele Konflikte im Film, er ist in der Anlage auch eher eine Tragödie als Komödie. Aber am Schluss geht es ja wunderbar aus - das lädt natürlich auch zum Träumen ein 'So könnte es doch bei uns auch sein, wäre doch schön, wenn es bei uns so wäre'."
Nun kommt der zweite Teil von "Kokowääh" in die Kinos - mit neuen Themen: "Die perfekte Patchwork-Familie würde die Zuschauer schnell langweilen", sagt Til Schweiger. "Lustig wird es erst durch die entstehenden Konflikte. Also geht es in unserer Familie – wie im richtigen Leben – nicht nur glücklich zu." Über seine Recherchen, Film- und auch Lebenserfahrungen mit dem Modell Patchwork hat Til Schweiger bei stern TV erzählt. Denn auch er lebt heute nicht mehr nach dem klassischen Familienmodell. Seine vier Kinder Valentin, Luna, Lilly und Emma wachsen bei Ehefrau Dana auf, von der Schweiger seit fast acht Jahren getrennt ist. Sich trotz Kindern zu trennen und eine neue Beziehung einzugehen - nichts Außergewöhnliches mehr heutzutage, meint auch Til Schweiger: "Vor 30 Jahren war man ein Außenseiter, wenn die Eltern getrennt waren, und heute ist es schon fast die Ausnahme, wenn die Eltern noch zusammen sind."
Bei einer Trennung sollte das Wohl der Kinder im Fokus stehen. Auch Til Schweiger hat das so erlebt: "Wir haben mehrere Therapien gemacht, und in der letzten Therapie ging es nur noch darum: Wie kann man den Schaden so gering wie möglich halten für die Kinder? Und das erste, was wir gelernt haben, war: Rede nicht schlecht über den Vater und die Mutter, weil die Kinder beide lieben. Und beide brauchen."
Familienchaos, Trennung und trotzdem Eltern bleiben – wie kann das funktionieren? Der Film Kokowääh 2 zeigt es in Form einer Komödie. Aber auch im echten Leben kommt das vor. Wie im Beispiel unserer Patchworkfamilie aus Hamburg, die stern TV seit neun Jahren begleitet: Ein Vater zweier Kinder trennt sich, heiratet neu, bekommt zwei weitere Kinder mit der neuen Frau und am Ende vertragen sich alle und leben als Großfamilie zusammen. Das klingt fast schon ein bisschen unglaublich. Glaubt Til Schweiger daran, dass es so etwas gibt, etwas, wie in seinen Filmen? "Ich bin sicher, dass es das gibt, und das ist sicher die Ideallösung. Das ist das, wonach alle streben. Man weiß natürlich, dass das nicht wirklich die Regel ist."
Denn auch von Patchworkfamilien trennt sich über ein Drittel wieder nach wenigen Jahren. Ein zentrales Thema: Meine Kinder, deine Kinder, unsere Kinder – und die entsprechenden Erziehungsfragen. Auch das ist ein Thema in Til Schweigers Film: "Je mehr Leute in so eine Beziehung kommen, in eine Patchworkfamilie, desto mehr Meinungen gibt es. Mann und Frau - im Idealfall haben beide denselben Erziehungsstrang", sagt Schweiger. "Oft gibt es aber eben unterschiedliche Meinungen. Bei uns war es früher – das hab ich in dem Film am Rande thematisiert – die Frage 'Darf das Kind mit im Elternbett schlafen oder nicht?' Das war bei uns immer ein Riesenthema. Da hat der eine seine Meinung gehabt und der andere seine – und keiner wollte von seiner Meinung abrücken. Und Schwupps, ist der Konflikt programmiert."
Til Schweiger versucht das hier und da in den Film einfließen zu lassen. Zwar ist Kokowääh 2 in erster Linie eine Komödie und kein Lehrfilm, aber dennoch findet der Filmemacher: "Wenn dann so ein paar kleine Werte mitvermittelt werden und im Vorbeigehen etwas davon ankommt, zum Beispiel über das Kinder-im-Bett-Schlafen oder über das Wort 'Looser', warum das ein Scheißwort ist, dann hab ich schon meinen Beitrag für die Gesellschaft wieder geleistet."
Die perfekte Patchwork-Familie würde die Zuschauer schnell langweilen.
Zerreißproben haben auch ihr Gutes: Man erkennt, was – und wer – zusammengehört. Denn es lohnt sich immer für die Liebe zu kämpfen.