9. Januar 2013, 22:15 Uhr

Zwei Frauen kämpfen sich aus der Sucht

Aileen, 19 Jahre, heroinabhängig. Ihr Weg zurück ins echte Leben - ein unvergleichlich harter. stern TV hat das Mädchen begleitet und eine Frau getroffen, die den Kampf bereits durchlebt hat.

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Aileen ist ein normaler, gut situierter Teenager, als sie von der härtesten aller Drogen abhängig wird: Heroin.©

Heroin ist der Teufel", schrieb die 19-jährige Aileen im Sommer in einer E-Mail an die stern TV-Redaktion. Mit 17 nahm sie zum ersten Mal Heroin, seitdem kämpft sie gegen die Sucht. "Ich probiere seit eineinhalb Jahren davon los zu kommen. Ich kann nicht mehr." Vier Mal hat die junge Frau einen Entzug versucht, immer wieder wurde sie rückfällig.

Unbedacht und aus Neugierde in die Sucht

Aileens Geschichte ist untypisch: Sie wächst behütet in einem liebevollen Elternhaus auf, ist gut in der Schule und als Jugendliche erfolgreiche Turnerin. Doch mit 14 werden ihre sportlichen Erfolge weniger, sie gibt das Turnen auf, entwickelt eine Essstörung und verliert in der Schule den Anschluss. Schließlich wechselt Aileen auf die Realschule. Mit einer neuen Freundin probiert sie Marihuana, immer häufiger kiffen die beiden. Ihr Haschisch müssen sie sich bei Dealern besorgen. Aus Neugierde probiert Aileen dann ein andere angebotene Droge: Heroin. Auch bei ihr schlägt die teuflische Substanz zu: Aileen wird innerhalb weniger Tage abhängig.

Der Entzug hart, mehrere Versuche scheitern. Aileen verzweifelt. "Es ist nicht mal absehbar, wann ich wieder ein anderes Leben habe und ob ich es überhaupt irgendwann habe", so die Schülerin. "Ich probiere seit eineinhalb Jahren davon los zu kommen. Ich kann nicht mehr." Seit Mai läuft ein neuer Entzugsversuch: Sie bekommt nun den Ersatzstoff Polamidon, Heroin hat sie seitdem nicht mehr gespritzt. Doch die Abhängigkeit ist damit nicht besiegt: Aileen hat mit Entzugserscheinungen zu kämpfen und braucht täglich den Heroinersatz. Dennoch konnte ihr Arzt die Dosis bereits etwas herunter dosieren. Das Ziel der so genannten Substitutionstherapie: Aileen soll irgendwann wieder ohne Drogen und Ersatzstoffe leben können. Ihr sehnlichster Wunsch: "Ich will wieder ein lebenswertes Leben!"

Heroin wird zum Familienersatz

Den unvergleichlich harten Weg aus der Heroinabhängigkeit kennt auch Katja S. Die Stuttgarterin war fast 20 Jahre lang süchtig nach Heroin. Mit 13 fing sie an, sich für Drogen und Jungs zu interessieren, mit 15 war sie Kifferin, mit 17 kam sie auf Heroin: "Es fegte mich förmlich aus den Schuhen und direkt ins Universum, einfach gigantisch", erinnert sich Katja an ihren ersten Schuss. Heroin wurde für sie zum Familienersatz, in der Droge fand sie, was sie zuhause nicht hatte: "Ich habe mich geborgen gefühlt, verstanden. Und negative Gedanken wurden zu positiven Gedanken."

Nachdem ihre Mutter die Drogensucht entdeckt, folgen zahlreiche Entzüge - erfolglos. Schließlich bekommt Katja einen Therapieplatz auf einem Hof in Bayern. Dort wird sie schwanger. Im Januar 1991 kommt ihre Tochter Natalie zur Welt. Zwei Jahre bleibt Katja clean, dann wird sie rückfällig. Trotz Kleinkind. Als Natalie zehn ist, wird Katja beim Dealen verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Tochter Natalie schreibt Briefe ins Gefängnis, besucht ihre Mutter alle zwei Wochen mit der Großmutter. "Die herzzerreißenden Hilferufe meiner Tochter machten mir deutlich, wie sehr sie mich liebte, brauchte und vermisste", erinnert sich Katja heute. Ihrer Tochter zuliebe wagt sie einen neuen Entzug. Mittlerweile ist Katja seit fast zwölf Jahren clean - und damit eine der wenigen, die von der Droge losgekommen sind.

 
 
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